Dort, wo die vielen Ziegen liegen

Vom Alpaka zur Ziege, vom Apfelsaft zum Zierkürbis, von A bis Z rekordverdächtig. So war das dritte Riegelsberger Hoffest am Sonntag. Auch den Saunagang konnte man sich an diesem Tag sparen, der Schweiß floss auch so in Strömen.

Bei den tropischen Temperaturen am vergangenen Sonntag sind es die Ziegen , die das Beste aus ihrer Lage machen. Sie liegen konsequent im Schatten, bewegen sich kaum, trinken viel und lassen sich von den vielen, vielen Besuchern nicht aus der Ruhe bringen. Die Menschen sind anders gestrickt. Die Lust am Exotischen treibt sie den steilen Berg zum Riegelsberger Ziegenhof hoch. "Boah, was man da ins Schwitzen kommt", sagt Helene Minnet. Der Schreiber dieser Zeilen, mit dem Fahrrad da, muss ihr recht geben. Aber beim Hoffest gibt's natürlich Getränke satt. Und das übliche "Gudd gess" saarländischer Feste wird hier zweifellos gesteigert durch Ziegengulasch oder "Läwaknepp", also Leberklöße, natürlich auch von der Ziege.

Ist der interne Getränkespeicher aufgefüllt, der Magen beruhigt und der Schweiß einigermaßen getrocknet, so lautet die Devise: "Dann gucken wir mal!"

70 Aussteller hat das Hoffest auf die sonnenbeschienene Weide mit der schönen Aussicht auf das Köllertal gebracht, "auch ein Rekord", resümiert Ziegenvater Herbert Nimmesgern, der mit seiner Frau und Miteigentümerin Esther Nimmesgern mehr als zufrieden wirkt und sich freut: "Die Nachbarn haben uns unzählige Kuchen gespendet, ein Zeichen dafür, dass das Fest in Riegelsberg gut angenommen wird." Zufriedene Gesichter auch bei den Händlern: "Die Nachfrage nach meinen Produkten ist enorm. Ohne die Bullenhitze wären vielleicht noch mehr Leute gekommen", sagt der Holzer Holzkünstler Werner Kallenborn.

Rainer Thiel, Pilzexperte aus Köllerbach, zeigt unter anderem frische Steinpilze, Täublinge, den Kahlen Krempling und den Birkenporling: "Den hat schon Ötzi in seinem Sack gehabt, als Medizin für alle Fälle", erklärt Thiel. Nebenan schnarchen echte Eber und dicke Sauen, Schweineviecher, sieben Zentner schwer, im Schlaf der Gerechten. Vorwerkhähne, vom Aussterben bedroht, mögen bei der Hitze nicht krähen. Die Schafe sind froh, geschoren zu werden - für die Männer mit der Elektroschere ist es in der Tat eine "Heiße Kiste".

"Oma Emmas Eifellaib" gibt es zu kaufen, Honig, Brotaufstriche, Mirabellen aus Lothringen, geräucherte Forellen aus der Eifel, Wein von der Mosel, einen "Griechischen Teller mit oder ohne Fisch" ("Mit oder ohne Schuldenschnitt", lästert einer), Gartenschmuck, Latwerge (Pflaumenmus) aus dem Elsass und so fort. Gewiefte haben sich eine kleine Kühltasche mit gefrorenen Elementen mitgebracht, für den Transport im aufgeheizten Pkw. Schlaue tragen einen Strohhut und eine Sonnenbrille mit UV-Schutz.

Aber wer will bei diesen Temperaturen solch große Mengen Kaminholz kaufen, wie sie hier angeboten werden? "Ich", antwortet Hilmar Meyer, "im Winter ist es doppelt so teuer."

Schau der alten Traktoren

"Dieselgespräche" drehen sich um aufwendig restaurierte Oldtimer-Traktoren der Marken Eicher, Porsche Dieselross, Lanz-Bulldog, vorneweg 50 Jahre alte Maschinen, die heute möglicherweise mehr Euros kosten als damals Deutsche Mark. Am Ende kommen jedenfalls alle Festbesucher auf ihre Kosten - das Publikum in großer Zahl, die Anbieter meist regionaler Produkte und die Nimmesgern-Mannschaft mit dem verdienten Lohn der vielen Arbeit.

Zum Thema:

HintergrundDie "ältesten" Begleiter des Menschen: Ziegen und Schafe sind vermutlich die frühesten Haustiere, die der Mensch gehalten hat. Heute geht man davon aus, dass die Domestizierung von Wildziegen schon vor über 13 000 Jahren (also noch am Ende der Altsteinzeit) im Bereich der heutigen Staaten Israel und Jordanien begonnen hat.Ziegen sind, nicht zuletzt wegen ihrer effektiven Verdauung, sehr genügsam. Sie liefern Fleisch, Milch, Leder und manche Arten auch Wolle (Kaschmirziege, Angoraziege). Wirtschaftlich von Bedeutung war die Ziege schon im antiken Rom und ist sie noch heute insbesondere in Klein- und Zentralasien. Was heute kaum noch bekannt ist: Einst wurden Ziegen auch als Last- und Arbeitstiere eingesetzt, auch in Mitteleuropa konnte man Ziegen noch Anfang des 20. Jahrhunderts als Zugtiere vor Wagen sehen. Hausziegen sind heute, abgesehen von sehr kalten Regionen, in der ganzen Welt verbreitet. In Deutschland werden sie auch gezielt zur Landschaftspflege eingesetzt. et