Die Unentwegten

Was hat der Rocco del Schlacko mit dem Riegelsberger Freibad zu tun? Ohne die 1000 jungen Musik-Fans, die während des Festivals zum Duschen ins Bad gekommen waren, hätte es dieses Jahr wohl einen Negativ-Rekord bei den Besucherzahlen gegeben – das schlechte Wetter hält die Gäste fern, aber ein paar Unentwegte trafen wir doch im Freibad.

Silke Kurzenhäuser
Sylvia Hendle
Angelina Wagner
Dilsad Demir

Das andauernde Regenwetter dieses Sommers hat im Freibad Riegelsberg einen einzigen Vorteil: Der Rasen auf der Liegewiese ist prächtig grün und gedeiht ungestört. Er muss öfter gemäht werden als sonst, was aber kein Problem ist, weil keine Badegäste "stören".

Ansonsten ist der missratene Sommer ein Desaster für das kleine Bad, denn die Besucherzahlen sind eingebrochen. Bis zum vorigen Mittwoch kamen 26 218 Badegäste nach Riegelsberg , in sonnigen Jahren sind es zwischen 36 000 und 41 000. Nur 2007 waren es noch weniger, da wurden gerade so 26 000 Badegäste gezählt.

"Wenn wir den Rocco del Schlacko nicht gehabt hätten, als bei uns im Bad 1000 Gäste zum Duschen vorbeikamen, hätten wir die Zahl von 2007 noch unterschritten und einen Negativrekord aufgestellt", schildert Angelina Wagner, die Fachangestellte für die Bäderbetriebe. Das Open-Air-Konzert hatte also die Statistik gerade so gerettet - wobei das vorige Jahr nicht mitgerechnet ist, da 2013 das Bad wegen umfangreicher Reparaturarbeiten fast die ganze Saison geschlossen bleiben musste.

Pfingsten 2014 fing es noch gut an. Da kamen an einem Tag 2100 Besucher ins Bad. Aber danach brachen die Zahlen ein. Juli und August zeigten sich regnerisch und so blieb der Juni der beste Monat in Riegelsberg mit 10 466 Badegästen. "Das liegt auch nicht an den Wassertemperaturen", betonte am Mittwoch Schwimmmeisterin Sylvia Hendle, "im Steinrausch-Bad haben sie 26 Grad und trotzdem kamen dort heute auch nur drei Besucher." Aus Neugierde hatte sie mal bei "der Konkurrenz" angerufen. Da hatte das Bad in Riegelsberg knapp über 19 Grad. Morgens sind es nur 18 Grad, weshalb man sich entschlossen hat, bis zum Ende der Saison überhaupt erst um 14 Uhr zu öffnen (bis 20 Uhr). "Wir dachten zuerst, der Besucherrückgang liegt an der Fußball-WM. Aber es ist das unbeständige Wetter. Die Leute nutzen Wetter-Apps auf den Smartphones, und wenn da nicht ganz klar Sonnenschein angezeigt wird, kommen sie nicht", sagt Angelina Wagner.

Aber ein paar unverzagte Badegäste gibt es dann doch, auch bei miesem Wetter. Während unseres Besuchs sind es gerade mal eine Handvoll, die den Weg ins Freibad gefunden haben. So wie Dilsad Demir (9), der mit seinen Geschwistern gekommen ist. Unbekümmert springt er ins Wasser, das Becken hat er ganz allein für sich. Nach zwei Bahnen spielt er mit den anderen Kindern seiner Familie Tischtennis, als sich plötzlich tatsächlich die Sonne blicken ließ. "Wir sind hier, weil wir Bock haben. Wir spielen und gehen eine Stunde schwimmen", sagt Dilsad und stört sich gar nicht am wechselhaften Wetter. Seine Schwester Shanaz (12) ist ebenfalls bester Laune: "Das Wasser ist doch warm genug", meint sie und springt vom Startblock ins kühle Nass.

Langeweile hat dagegen Silke Kurzenhäuser an der Kasse: "Ich lese halt ein Buch oder suche das nette Gespräch mit den Kollegen. Mehr kann man ja nicht machen, wenn die Gäste ausbleiben." Fünf Karten hat sie an diesem Mittwoch bis zum Nachmittag verkauft, mit dem Gärtner und der Kassiererin ist nahezu für jeden Gast ein eigener Mitarbeiter da. Noch warte man ab, doch, so Angelina Wagner, "spätestens zum zweiten Wochenende im September wird das Freibad geschlossen".