Die Jagd nach dem großen Traum

Viele Kinder träumen davon – von einer Karriere als Fußball-Profi. Dabei ist Talent nur die eine Seite, harte Arbeit und frühe Förderung die andere. Am Samstag waren 118 Mädchen und Jungen in Riegelsberg, um ihrem Traum beim „Tag des Talents“ etwas näher zu kommen.

 Die Jungs und Mädchen wurden am Samstag in unterschiedliche Gruppen eingeteilt und spielten in vier Runden vor.
Die Jungs und Mädchen wurden am Samstag in unterschiedliche Gruppen eingeteilt und spielten in vier Runden vor.

Großes Treiben herrscht am Samstag auf dem Kunstrasenplatz des 1. FC Riegelsberg. Überall hetzen junge Nachwuchskicker dem runden Leder hinterher. Ein Stück weit ist es für sie auch die Jagd nach der Erfüllung eines großen Traums: der von einer Karriere als Fußball-Profi. Das passende Outfit haben viele der neun- und zehnjährigen Kinder bereits an. Barcelona, Madrid, Bayern, Dortmund - es sind die ganz großen Clubs, die sich die meisten zu ihrem Lieblingsverein auserkoren haben.

"Ich träume schon öfters davon, einmal Profi zu werden", gibt auch Marlon Greco offen zu. Der Neunjährige kickt normalerweise in der E-Jugend der SG Riegelsberg und ist am Samstag nicht der Einzige, der sich eine Laufbahn in der Bundesliga nur zu gut vorstellen kann. Klar, bis dorthin ist es noch ein weiter Weg. Doch wer weiß? Vielleicht war das Stelldichein auf der Riegelsberger Anlage für einige tatsächlich der Startschuss in diese Richtung? Insgesamt sind es 118 Mädchen und Jungen, die am "Tag des Talents" teilnehmen. Sie tun, was auch für die Nationalspieler unter Bundestrainer Joachim Löw in den nächsten Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft gilt: Vorspielen und dabei zeigen, was in ihnen steckt.

Der Talenttag ist die erste Stufe im Rahmen des Talentförderprogramms des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). "Für uns ist das heute in erster Linie eine Bestandsaufnahme", erklärt Patrizio Cuciuffo, Sichtungsleiter für Jungkicker unter 14 Jahren im Südsaarkreis. "Wir sehen hier die Kinder des Jahrgangs 2004. Es werden vier Runden gespielt. Dabei teilen wir immer unterschiedliche Mannschaften ein, die gegeneinander antreten und dabei von einem der Stützpunkttrainer am Spielfeldrand genau unter die Lupe genommen werden." Ziel ist es, bis zum Beginn der Sommerferien bei weiteren Veranstaltungen dieser Art die talentiertesten Spieler herausgepickt zu haben. Als Auswahlspieler dürfen diese dann zusätzlich einmal pro Woche an den beiden DFB-Stützpunkten im Südsaarkreis, in Altenwald und in Riegelsberg trainieren.

"Mit dieser speziellen Talentförderung geht der DFB im Jugendbereich seit zehn Jahren den richtigen Weg", ist Kai Becker, Jugendleiter beim TBS Saarbrücken, von der Methode überzeugt. "Allein für die Erfahrung ist ein solcher Tag wie heute schon sehr gut. Hier müssen die Kinder aus sich herausgehen, müssen sich auf ungewohnte Situationen einstellen. Das kann für die Entwicklung nur gut sein." Dabei geht es aber keinesfalls darum, die Kinder schon früh unter Druck zu setzen. Das weiß auch Dieter Hausmann aus Kleinblittersdorf, der am Samstag seinen Sohn begleitete: "Es wäre vermessen, in diesem Alter eine Prognose abzugeben. Man kann aber feststellen: Der und der hat Talent, die behalten wir im Auge. Ich bin ein absoluter Verfechter des Systems, wobei der Spaß natürlich das A und O ist."

Und der kam für die Kinder auf keinen Fall zu kurz. "Es hat mir sehr gut gefallen", hielt auch Lars Kompter aus Göttelborn kurzerhand fest. Der Zehnjährige vom FV Fischbach war einer der Spieler, die am Samstag die meisten Punkte einheimsten. Heißen will das aber noch nichts: "Nach einem Mal Sichten ist es schwer, ein Toptalent zu erkennen", sagt Cuciuffo. Und dennoch trägt das System Früchte. Saarländische Bundesliga-Profis wie Philipp Wollscheid (Bayer Leverkusen), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) oder Patrick Herrmann (Borussia Mönchengladbach) haben das Talentförderprogramm des DFB ebenfalls durchlaufen. Und es ist zumindest nicht auszuschließen, dass einige der Kinder in Riegelsberg später einmal in ihre Fußstapfen treten werden.