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Die „Frankenzeit“ wird lebendig

Die „Frankenzeit“ wird lebendig

Der Riegelsberger Hobbyhistoriker Rainer Freyer hat den 2. Band seiner „Saar-Nostalgie“ herausgebracht. Im Mittelpunkt stehen Leben und Kultur in der „Frankenzeit“.

Haben Sie schon mal vom Lehrerinnen-Zölibat gehört? Oder hätten Sie gewusst, dass die Tour de France schon 1948 durch Saarbrücken führte und dass in einem Museum in Helsinki eine Grubenlampe aus dem Saarland steht? Erinnern Sie sich noch an die ersten Gottlieb-Selbstbedienungsläden des Saarlandes, die ab 1953 eröffnet wurden? Können Sie sich unter "Regelmäßigkeitsprämien-Bezugsscheinen" etwas vorstellen? Nein?

Dann wird der 2. Band der "Saar-Nostalgie" Licht ins Dunkel bringen. Auf über 250 Seiten lässt der Riegelsberger Rainer Freyer die "Frankenzeit", also die Jahre zwischen 1945 und 1959 im Saarland, wieder aufleben. Mit über 500 Bildern von damals, Kurzgeschichten, persönlichen Erinnerungen und historischen Einordnungen wird diese hochpolitische und emotionale Zeit lebendig.

Während der 73-Jährige in seinem 1. Band vor allem die politischen Entwicklungen, das Saarstatut sowie das Währungs-, Post- und Polizeiwesen in den Mittelpunkt rückte, finden sich in seinem 2. Band vor allem Einzelheiten über Leben und Kultur in der halb-autonomen Nachkriegszeit.

Trainer namens Helmut Schön

So zeigt der pensionierte Realschullehrer in der Rubrik "Gestern und heute" Orte und Gebäude im Wandel der Zeit, wirft einen Blick in die Schul- und Bildungslandschaft nach dem 2. Weltkrieg, schaut auf die Leinwände saarländischer Kinos und zeigt bildreich, wie die Faasenaachd in den 1950er Jahren im "Saarstaat" gefeiert wurde. Breiten Raum nehmen auch sportliche Ereignisse ein: Die Saar und Olympia, der 1. FC Saarbrücken , die saarländische Fußballnationalmannschaft, Schwimmen, Reiten, Motorsport, Tour de France . Zu allem hat der Autor dank der Unterstützung vieler Besucher seiner Internetseite Details und private Fotos zusammenstellen können, die kurzweilige Einblicke in die legendäre Zeit mit einem Fußballtrainer namens Helmut Schön und mit mutigen Brückenspringerinnen in die Saar geben. In welchen Lebensmittelgeschäften die Saarländer damals einkauften, mit welchen Motorrädern aus saarländischer Produktion und in welchen Autos sie unterwegs waren und dank welcher Zigarettenmarken die Saarländer "frohen Herzens" "den Duft der großen weiten Welt" genießen konnten, all dies listet der Hobbyhistoriker lesefreundlich auf. Beeindruckend dargestellt wird auch die Geschichte der saarländischen Luftfahrt und diejenige des Rundfunks im Saarland.

Die Idee für seine Internetseite "www.saar-nostalgie.de“ , die die Grundlage für die Bücher darstellt, kam Rainer Freyer 2007. Anstoß gab die Feier zum 50. Geburtstag des Bundeslandes Saarland. "Ich erinnerte mich, dass ich noch alte Schulhefte mit Aufzeichnungen aus der Zeit vor der Rückgliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik irgendwo im Keller liegen hatte." Seine rausgekramten Kindheitserinnerungen , Fundstücke und Anekdoten stellte er auf einer Internetseite zusammen, öffnete sie bewusst für andere, die sich ebenfalls an historische oder sehr persönliche Erlebnisse erinnerten und konnte innerhalb kurzer Zeit zu vielen Themen interessante Berichte zusammenstellen. 2014 wurde daraus der 1. Band der Saar-Nostalgie, dessen 2000 Exemplare innerhalb dreier Monate ausverkauft waren.

Vorgestellt wird der 2. Band am heutigen Donnerstag, 19.30 Uhr, in der Buchhandlung "Bock und Seip" in Saarbrücken und am Donnerstag, 22. Oktober, 19.30 Uhr, in der "Pieper-Buchhandlung" in Saarlouis. Erhältlich ist das Werk in Buchhandlungen ab sofort zum Preis von 39,80 Euro.