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Ein Hoch auf die fünfte Jahreszeit
Die Büttenredner hatten es schwer

Die Karnevalsgesellschaft „mir bleiwe so“ lud am Samstagabend zur Kappensitzung in die Riegelsberghalle ein. Dabei war auch die Aktivengarde aus Kutzhof, hier im Bild.    
Die Karnevalsgesellschaft „mir bleiwe so“ lud am Samstagabend zur Kappensitzung in die Riegelsberghalle ein. Dabei war auch die Aktivengarde aus Kutzhof, hier im Bild.    FOTO: BeckerBredel
Riegelsberg. Grandiose Stimmung gab’s bei der Sitzung der „mir bleiwe so“ nur, wenn in der Riegelsberghalle gesungen oder getanzt wurde. Von Fredy Dittgen

Bei der Gala-Kappensitzung der Karnevalsgesellschaft (KG) „mir bleiwe so“ Riegelsberg am Samstagabend herrschte in der sehr gut besuchten Riegelsberghalle grandiose Stimmung. Aber nur, wenn auf der Bühne gesungen und getanzt wurde. „Fidelius“ Christof Lesch aus Saarlouis, die Showtanzformation der „Flatschnickel“ aus Völklingen-Heidstock, die Aktivengarde, das Männerballett und der singende Karnevalsprinz Marcel Woll aus Kutzhof, die Tanzgruppe „Smilies“ des TV Hilschbach, die Minis, die Jugendgarde, die Juniorengarde, die Aktivengarde und Michelle Weiland, das Tanzmariechen des KV Riegelsberg, sowie die Showband „Die Konsorten“ aus Fischbach rockten den Saal. Da standen die Leute auf den Stühlen oder tanzten in den Gängen.


Bei den Büttenreden jedoch ging die Stimmung in den Keller. Das lag aber nicht an den Wortbeiträgen, sondern am Publikum. Die 500 Besucher wollten feiern, mit dem Nachbarn quatschen, essen und trinken. Witzigen Pointen lauschen? Das wollten sie nicht. Das bestätigte Werner Jungfleisch vom Verband saarländischer Karnevalsvereine: „Viele wollen nur noch Showfastnacht.“ Prinz Marcel Woll und Sitzungspräsident Dieter Hornberger forderten das Publikum mehrfach dazu auf, den Rednern Gehör zu schenken  – vergeblich.

Glück hatte da noch Jomi Moser aus Heusweiler, der mit seiner Paraderolle „De Läädisch“ als Eisbrecher in die Bütt stieg und mit unnachahmlicher Mimik über 20 leidvolle Jahre mit seinem Eheweib, dem Lawinschen, berichtete. „Das hat e Figur wie e Stapel Sommerreife“, spöttelte Moser. Auch er ging auf die Saalatmosphäre ein: „Mir gefallt es in Rischelsbersch. Es is zwar laut wie e Sau, awwa ma hat sei Schbass.“ Den hatten die späteren Redner nicht mehr. Schade, denn alle hatten sich richtig ins Zeug gelegt, um die Leute in der Riegelsberghalle zum Lachen zu bringen.



Wie die Lokalmatadoren Christian Wegner und Ingo Horn als „Horschd un Jupp“ oder „Busfahrer“ Arno Mager aus Dudweiler sowie der Überraschungsgast Detlef Schönauer aus Riegelsberg als „Jacques Bistro“. Eine tolle Büttenrede lieferten Dr. Tobias Kaspari, der evangelische Pfarrer der Gemeinde Güchenbach, und Steffi Hewener, als „Engel und Teufel“ ab. Kaspari hatte zunächst alle Besucher getäuscht, weil er als goldgelockter Engel im Publikum saß und dann als dämonischer Teufel mit einem verführerisch-schönen Engel in die Bütt stieg. Die beiden zogen nicht nur die Lokalprominenz, sondern auch sich selbst durch den Kakao: „Der Tobias Kaspari is aach nit besser als die annere. Der predischt de ganze Daach Wasser und trinkt oowends Wein“, scherzte Kaspari.

Die beiden Gemeinderäte Birgit Huonker (Linke) und Melanie Dell (FDP) pflegten als „Hausmeister und Köchin im Rathaus“ die Tradition der politischen Büttenrede und nahmen augenzwinkernd lokale Themen aufs Korn. Schreiend komisch war die Rede der Riegelsberger Sitzungspräsidenten „Olga und Otto“ (Lore Huwig und Dieter Hornberger), die für ihre „Ehestreitigkeiten“ schon überregional ausgezeichnet wurden. Ein Beispiel: „Was macht dich mehr an? Mein hübsches Gesicht oder mein Körper?“ wollte Olga wissen. „Dein Sinn für Humor“, konterte Otto ganz trocken.