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Der Zapfhahn schweigt in Jochems Kneipe in Riegelsberg

Stille Konzert-Orte : Der Zapfhahn schweigt in Jochems Kneipe

Gastwirte bangen um Existenz, wie Jochem Franken, der auch Nöte von Musikern miterlebt. Kleine Lichtblicke gibt es.

„Ich bin seit mehr als 40 Jahren Gastronom, und dabei gab es keinen einzigen Abend, an dem ich nicht in meinem Lokal gestanden habe“, sagt der Riegelsberger Jochem Franken, der Betreiber von „Jochems Kneipe“, jenem Szenelokal, das durch seine bisher noch nie unterbrochene Konzertreihe über die Grenzen von Riegelsberg hinaus Kultstatus erlangt hat.

Aber am 17. März hatte Franken die vorerst letzten Schicht in seiner Kneipe: Corona-bedingt Zwangsurlaub. Nichts geht mehr. „Wir haben nach dem letzten Tag die Bierfässer abgeschlagen, die Kühlaggregate abgeschaltet, Bierleitungen gereinigt, letztmalig geputzt und dann die Stühle hoch gestellt“, berichtet Franken. Die Stimmung sei eigentlich gar nicht so schlecht gewesen, da sich weder die Gäste noch Franken und sein Team ausmalen konnten, wie dramatisch die Lage werden sollte, „aber nun bin ich in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Versicherungen und viele andere Kosten bleiben, mein Einkommen ist auf Null“. Sein Stromversorger zeigte sich kulant, habe die Abschlagszahlungen merklich reduziert. Noch bemerkenswerter reagierte Frankens Vermieter, der seinen Namen nicht in der Zeitung genannt haben möchte. In einem Telefongespräch sagte er der Saarbrücker Zeitung, dass er einen Beitrag zum Erhalt der Kultur und der sie tragenden Szene in Riegelsberg leisten wolle. Er verzichte bis auf Weiteres auf Mietzahlungen. Ferner verstehe er seine Entscheidung als „Akt der Solidarität und Freundschaft“.

Franken hat für sich die Soforthilfe der Landesregierung beantragt, und für seine drei Beschäftigten Kurzarbeitergeld. „Leider habe ich noch keine positiven Entscheide“, sagt der Gastwirt. Sehr bedauer­lich sei auch die Absage von bislang fünf Konzerten und Veranstaltungen, darunter die Auftritte von Cardiofunk, Le Beat, Detlev Schönauer und zweier Konzerte von Tribute To The Eagles. Die meisten Gigs seien ausverkauft gewesen. Ihm täten vor allem auch die Musiker leid, die zum Teil schon seit Jahrzehnten zum Ensemble der Bühne in Jochems Kneipe gehören. „Wir sitzen alle in einem Boot“, mal sehen, ob es untergeht.

Einen Lichtstrahl in die Corona-Finsternis hat die saarländische Kreativszene unter der Ägide von Arbeitskammer und saarländischem Ministerium für Bildung und Kultur geworfen. Unter dem Label „Support Local Act“ gibt es an verschiedenen Kulturstandorten des Landes Streaming-Konzerte ohne Publikum, die per Internet übertragen werden. Davon profitierte auch Jochems Kneipe mit einem Livekonzert der beiden Ausnahmegitarristen Joe Smoke und Rolf Siefert, natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nur die Musiker, Franken und ein kleines Aufnahmeteam waren in der Kneipe. Hunderte Fans konnten das Konzert im Internet verfolgen. „So bleiben alle Kulturschaffenden wenigsten im Gespräch“, freute sich Franken.