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Weltenbummler-Bus mit Geschichte
Ein alter Bus verlieh den Jugendträumen Flügel

Andy Trampert in seinem Setra Bus. Man ahnt: Nostalgie pur. Zurzeit steht das Fahrzeug in Püttlingen.
Andy Trampert in seinem Setra Bus. Man ahnt: Nostalgie pur. Zurzeit steht das Fahrzeug in Püttlingen. FOTO: Andreas Engel /
Püttlingen/Riegelsberg. Ein „Setra Kässbohrer S12“ von 1962 wurde 1991 zum abenteuerlichen Gefährt für junge Riegelsberger und hat auch später viel erlebt. Von Andreas Engel

Wohin mit den Träumen aus Jugendtagen, die schon so lange zurückliegen? Eine Clique von einst acht jungen Leuten aus dem Köllertal verwirklichte sich 1991 einen Traum: Das Oktett hatte davon geschwärmt, sich gemeinsam einen Bus anzuschaffen, um damit zusammen zu Festivals und in Urlaub zu fahren. „Wir fanden im ‚Findling’ einen Setra-Bus Baujahr 1962 und verliebten uns alle sofort in den Oldtimer. Eigentlich wollten wir ursprünglich nur ein kleinerer VW-Bully, aber dann der Bus, einfach traumhaft“, erinnert sich der Riegelsberger Andy Trampert, der seit einigen Monaten in Püttlingen lebt.


Alle beteiligten sich am Anschaffungspreis – damals 4000 D-Mark (etwa 2000 Euro). Auch die Versicherungsbeiträge, die Kraftfahrzeugsteuer und natürlich die Restaurierung wurden gemeinsam gestemmt.

Der heute 50-Jährige ist nun der letzte aus der Gruppe von damals. Alle anderen sind weggezogen und/oder interessierten sich nicht mehr für den Bus. Heute, 27 Jahre nach dem Kauf, ist der gelernte Rettungsassistent Trampert alleiniger Eigner des Fahrzeugs, möchte sich aber von dem „Schätzchen“, das seine Bleibe momentan in Püttlingen gefunden hat, trennen, da er für eine längere Südamerika-Reise spart.



Die acht jungen Leute hatten damals wahrlich Glück mit ihrer Errungenschaft. Ganz wesentlich sei gewesen, erinnert sich Trampert, dass der TÜV „keinen Stress“ machte. Dann ging es gleich los zu Festivals und Konzerten in Deutschland und den umliegenden Ländern. Deutsche Städte wie Leipzig oder Berlin standen ebenso auf dem Programm wie die Bretagne oder die Niederlande.

Das Praktische beim Bus sei häufig gewesen, erzählt Trampert, dass der später dazu gekommene Dachgepäckträger bei Open-Air-Festen als Logenplatz in über drei Metern Höhe diente und somit weit über den Köpfen der anderen Besucher.

Nach und nach, Jahr um Jahr, sprangen die Teilhaber ab, der eine wegen des Studiums, der andere wiederum gründete ein Familie, „wie das Leben so spielt“, so Trampert. Schließlich wurde der Bus 1994 abgemeldet und stand sechs Jahre in Saarbrücken. „Besser wurde er dadurch nicht“, weiß Trampert. Doch in Gestalt von Bernd Linsler aus Völklingen, genannt „Dr. Setra“, nahte Hilfe: Unter der Federführung von „Dr. Setra“ erwachte der Bus wieder, blühte auf. Dann reisten beide nach Spanien und lebten ein Jahr lang in Almeria in Andalusien. Zwischendurch fuhr Trampert immer wieder nach Hause, „um Geld zu verdienen“. In den Jahren, als der Bus irgendwo vor sich hin dämmerte, zog es den Riegelsberger Bonvivant, Lebenskünstler und Weltenbummler immer wieder raus in die Welt. Er erlebte Abenteuer in ganz Südamerika, Europa und Afrika. Besonders begeistert war und ist er von Mexiko.

Im Jahr 2004 rückte der Setra wieder in den Mittelpunkt: Trampert zog samt Bus nach Ulm, wohnte im Bus und arbeitete dort monatelang in einem Strandclub. Man konnte sogar Trampert mit seinem Setra buchen, was eine Gruppe junger Leute aus Hamburg auch machte. Mit dem Bus fuhr er nach Hamburg und lud die Reisenden auf. Die Masuren waren das Ziel. Auf der Reise, in den Kasseler Bergen, machte leider der Motor schlapp. Hilfe kam vom Setra-Veteranen-Club, der mit einer Austauschmaschine aushelfen konnte. Während der Reparatur schlief die ganzen Mannschaft drei Tage im Bus. Ausreichend Platz gab es ja.

Nach dieser Tour kehrte für den Bus erneut Ruhe ein. Bis 2016 stand er wieder und harrte weiterer Abenteuer. Und erneut warteten der TÜV sowie erhebliche Restaurierungskosten. Seine letzte Reise mit dem Bus unternahm Trampert nach Portugal, das Ziel lag einige Kilometer nördlich von Lissabon. Aber auch hier versagte der Motor – „Riesenstress“. Eine Spedition aus Deutschland schaffte einen zweiten Austauschmotor herbei, die örtliche Werkstatt baute das Teil ein, „und diesen Service ließen die sich richtig gut bezahlen, trotz meiner Mithilfe“, erinnert sich Trampert.

Diese letzte große Operation habe ihn zu der „weisen Überlegung“ geführt, dass das Busprojekt doch vielleicht eine Nummer zu groß ist. 27 Jahre hat Trampert den Bus nun schon. „So vieles von meiner Biografie, von meinem Leben steckt dort drin“, dass er sich nur mit Wehmut von dem Fahrzeug trennt.

Bis er Ende des Jahres nach Mexiko aufbricht, beteiligt er sich an der Pflege eines erkrankten Freundes und jobbt. Ein Auto besitzt er zurzeit nicht. Und eine Armbanduhr schon gar nicht. „So was brauche ich nicht, habe ich nie gebraucht.“

Tramperts „Setra S12“ – mit damals zwölf Sitzreihen – war auch schon in seinem ursprünglichen Einsatzbereich ein Reisebus gewesen: Er fuhr in den frühen 1960er Jahren die berühmte Italien-Route. Bis zu 45 Passagiere erfreuten sich an dem für damalige Verhältnisse großen Komfort. Durch die Panoramafenster konnten sie die Berge betrachten.

Die ursprünglichen zwölf Sitzreihen mussten schon in den 90ern weichen. Die Panoramafenster waren in den 60ern ein Hin- und Rausgucker.
Die ursprünglichen zwölf Sitzreihen mussten schon in den 90ern weichen. Die Panoramafenster waren in den 60ern ein Hin- und Rausgucker. FOTO: Andreas Engel /
Andy Trampert am Steuer seines alten Setra hinter der klassisch zweigeteilten Windschutzscheibe.
Andy Trampert am Steuer seines alten Setra hinter der klassisch zweigeteilten Windschutzscheibe. FOTO: Andreas Engel /