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„Braucht jede Gemeinde Windräder?“

„Braucht jede Gemeinde Windräder?“

Drei Bürgerinitiativen (BI) gibt es inzwischen im Köllertal, die sich gegen Windkraftanlagen aussprechen. Eine ist die BI „LebensEnergie Riegelsberg“, die nun Unterschriften gegen die geplante Ausweisung von Windrad-Konzentrationszonen auf Riegelsberger Bann sammelt.

Seit dem 17. September haben sich eine Handvoll Riegelsberger Bürger um Sabine Meyer und Matthias Diehl zur "Bürgerinitiative LebensEnergie Riegelsberg" zusammengeschlossen. Anlass waren die Diskussionen über den geplanten Bau von Windkrafträdern im Köllertal (siehe Hintergrund). Speziell für den Bereich Fröhnerwald/Kasberg formiert sich der Unmut von Bürgern. "Wir stellen immer wieder fest, dass viele Bürger nicht darüber informiert sind, was in der Sache aktuell vor sich geht", wo und wie viele Windräder gebaut werden könnten "und welche Folgen dieser Ausbau für sie ganz persönlich haben kann", so Sabine Meyer.

Die Hilschbacherin wäre - wie auch andere Anlieger - durch den Bau von theoretisch bis zu neun Windrädern direkt betroffen, da im ursprünglichen Plan nur 650 Meter Mindestabstand zur Wohnbebauung vorgesehen sind. Mittlerweile haben sich die Gemeinderäte in Heusweiler und Riegelsberg allerdings für einen Mindestabstand von 800 Metern ausgesprochen. "Doch reicht das?", fragen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative, die sich am vergangenen Sonntag zu einem Gedankenaustausch im Café Nostalgie getroffen hatten.

Sabine Meyer gibt zu bedenken: "Der Regionalverband weist ein grenzwertiges Windpotenzial auf. Ohne staatliche Subventionen wären hier Windräder kaum wirtschaftlich. Damit sich solche Anlagen überhaupt rechnen, müssen sie 200 Meter hoch sein. Der Sender am Hixberg ist 278 Meter hoch, der Heusweiler Sender 120 Meter und der Göttelborner Sender 208 Meter." Aber, so ihre Auffassung: "Im Gegensatz zu den Sendern haben Windräder durch die sich ständig drehenden Rotorblätter, den Schattenschlag, nächtliches, rotes Blitzlicht, optische Bedrängung und Schall einen weitaus gewaltigeren Einfluss auf unsere Gesundheit."

Matthias Diehl fragt sich: "Braucht jede Gemeinde wirklich Windräder? Schon heute werden über 400 Gigawattstunden erzeugter Strom von Windrädern nicht genutzt. Sind wir bereit, dafür unser einziges zusammenhängendes Naherholungsgebiet im Fröhnerwald zu opfern?" Erika Ruffing lenkt den Blick auf die möglichen Beeinträchtigungen für den Bau und die Unterhaltung von Windrädern: "Für jedes Windrad müssen bis zu 0,8 Hektar Wald gerodet werden, Zuwege für Schwertransporte gebaut, Stromtrassen gelegt, Stellflächen für Kräne für die Wartung und Reparatur dauerhaft frei gehalten werden."

Noch ist es möglich, Einfluss auf die Planungen von Windrädern im Regionalverband zu nehmen. Die Initiative hat deshalb Unterschriftenlisten in 13 örtlichen Geschäften ausgelegt. "Wir setzen uns für den Erhalt unseres Waldes als Naherholungsgebiet für die hier lebenden Menschen und als Rückzugsgebiet für Wildtiere, Vögel und Pflanzen ein", sagt Jörg Ruffing. "Wir wollen die Lebensqualität für uns alle sichern und unser Landschaftsbild erhalten". Besonders kritisiert die Bürgerinitiative den weiteren Ausbau von Windkraft im Saarland, solange es kein schlüssiges Gesamtkonzept gibt, sowie den rein finanziell motivierten Bau von Windenergieanlagen bei grenzwertigem Windpotenzial.

Ansprechpartner für die "Bürgerinitiative LebensEnergie in Riegelsberg": Sabine Meyer/Matthias Diehl, Tel. (0 68 06) 98 92 32, lebensenergie-riegelsberg@gmx.de; Erika und Jörg Ruffing, Tel. (0 68 06) 4 88 25.

Zum Thema:

Hintergrund Derzeit beraten Stadt- und Gemeinderäte über die "Änderung des Flächennutzungsplanes zur Ausweisung von Konzentrationszonen für die Windenergienutzung" im Regionalverband. Hierbei sollen die zehn Kommunen des Regionalverbandes spezielle, vom Regionalverband vorgegebene Zonen ausweisen, in denen Windräder aufgestellt werden dürfen. Für Riegelsberg werden drei Konzentrationszonen diskutiert: Fröhnerwald, Kasberg, Am Strebchen/Salzleckerhang. Über die Beratungsergebnisse wird am 13. Dezember, 14 Uhr, in einer öffentlichen Sitzung des Kooperationsrates im VHS-Zentrum am Saarbrücker Schloss diskutiert. Im Januar 2014 soll dann ein Beschluss gefasst werden, wo Konzentrationszonen für Windräder im Regionalverband Saarbrücken ausgewiesen werden. Noch bis zum 9. Dezember sind die Pläne öffentlich einsehbar im Rathaus Riegelsberg, Fachbereich 4 - Technische Dienste (Saarbrücker Straße 31), oder per Internet unter rvsbr.planungsbeteiligung.de. mj