B 3 aus Berlin spielte das Riegelsberger Publikum schwindelig

Begeisterung in Jochems Kneipe : B 3 aus Berlin spielte das Riegelsberger Publikum schwindelig

Das Quartett um den Sänger und Gitarristen Ron Spielman überzeugte mit Spielfreude, Virtuosität und eigenen Titeln.

Manche Musikfreunde meinten am Samstag, sie hätten das beste Konzert in 40 Jahren Jochems Musikkneipe erlebt. Nun, diese Einschätzung ist natürlich schwer zu belegen, aber ganz von der Hand zu weisen ist sie auch nicht – selbst wenn man bedenkt, dass auch schon Musiker wie Tony Sheridan oder Pete Wyoming Bender im Laufe von vier Jahrzehnten bei Jochem Franken auftraten. Die Fusion-Formation B 3 aus Berlin gastierte im Rahmen ihrer Deutschland-Tour in Jochems Kneipe, und schon nach den ersten Tönen war klar: Das wird ein außerordentlicher Konzertabend, vielleicht tatsächlich der beste.

Das Eis war schon mit dem ersten Titel – „Lucky Day“ – des Riegelsberger Gitarristen Jens Pörschmann angetaut, der das Vorprogramm bestritt. Mit Fingerstyle-Guitar in der Tradition von Leo Kottke oder John Fahey bereitete er den Boden für das B 3-Quartett.

Wie kommt man als eher kleinere Bühne in Riegelsberg an Weltklassemusiker wie den US-Sänger und Gitarristen – und B 3-Mann – Ron Spielman? Das erklärte Frankens Impresario Michael Mantey: B 3-Bassist Gerard Batrya und Keyboarder Andreas Hommelsheim waren früher Mitglieder in Pete Wyoming Benders Live-Band. Und die hatte bekanntlich in Jochems Kneipe in Riegelsberg ihren zweiten musikalischen Wohnsitz. Eine Vielzahl von Konzerten bestritten die beiden mit dem vor viereinhalb Jahren verstorbenen Bender in der halben Welt – und natürlich in Jochems Kneipe. „Uns erreichte im Frühjahr eine Mail von Blackbird Musik aus Berlin, die B 3 vertritt. Gerard Batrya möchte mal wieder in Jochems Kneipe in Riegelsberg spielen“, berichtete Mantey. Das passte, ist die Truppe doch gerade auf Tour. Der Trip nach Riegelsberg wurde ins Programm eingebaut. So kam es zu diesem Clubkonzert und nach Jahrzehnten zu einem Comeback in Jochems Kneipe, unter anderen musikalischen Vorzeichen. „Wir fühlten uns geehrt“, sagte Mantey.

Die vier Profis von B 3 spielten am Samstag virtuos die Klaviatur des Jazz, Rock, Funk, Blues und Pop rauf und runter und das Riegelsberger Publikum schwindelig. Die Band verband ausgetüftelte Arrangements und lebendige Spielfreude zu intelligenten Songs mit starken Melodien und drückendem Groove, den Bassist Batrya und vor allem Schlagzeuger Lutz Halfter trugen. Immer wieder schimmerte die Gitarre von Jeff Beck und der Gesang zum Beispiel von Sting durch, aber kopiert wurden sie nicht. „Gerade das fand ich super“, so die Meinung von Frank Becker aus Riegelsberg, der sich seit vielen Jahren intensiv mit Musik auseinandersetzt. Spielman und seine Leute zitieren eher, interpretieren, entwickeln die musikalischen Themen weiter.

Alle Titel des Abends stammten von B 3. Und wenn Rock-Pop-Liebhaber und Jazz-Freunde bei B 3 gleichermaßen auf ihre Kosten kommen, dann hat das etwas mit Virtuosität zu tun, Ron Spielmann ist jetzt schon ein Klassiker.

Georg Eiden, ambitionierter Hobbymusiker aus Riegelsberg, meinte, dass es nicht gerade selbstverständlich sei, Musiker wie Spielman und Kollegen in Riegelsberg erleben zu können. Das habe nicht zuletzt Jochem Franken und dessen vorzüglichen Kontakten in die Szene zu tun. An diesem denkwürdigen Musikabend in Riegelsberg waren am Ende jedenfalls alle glücklich, auch Keyborder Andreas Hommelsheim. Er würdigte Jochems Kneipe mit den Worten: „Wir sind glücklich, in diesem tollen Club gespielt zu haben.“

Schon kommendes Wochenende geht es in Jochems Kneipe weiter – mit Joe Smoke, Michael Marx und Herbert Schreiner, drei Gitarristen der Extraklasse aus dem Saarland. Am 26. Dezember steht Michael Marx wieder in Jochems Kneipe auf der Bühne, dann mit seinem alten Freund Helmut Eisel. Es ist ratsam, Karten zu reservieren.

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