Autor las in Riegelsberg aus dem Buch „Junge Väter weinen nicht“

Aufregendes Leben : Heimspiel für Nachwuchsautor Julian Adrat

Der mittlerweile in Berlin lebende 27-Jährige las in der Riegelsberger Rathausgalerie aus seinem Buch „Junge Väter weinen nicht“.

Was tut man, wenn sich die große Schwester aufführt wie ein kleines Kind? Was passiert, wenn deutsche und afghanische Kultur an Heiligabend zusammenprallen? Wie erlebt man das Leben in der Berliner Jetset-Welt, wenn man selbst aus dem beschaulichen Riegelsberg kommt? Antworten hierauf findet man in dem Buch „Junge Väter weinen nicht“ des Riegelsberger Nachwuchsautors Julian B. Adrat.

Einen ersten Einblick in das mittlerweile zweite Buch des 27-Jährigen konnten sich rund 25 Zuhörer am Donnerstagabend in der Rathausgalerie verschaffen. Auf Einladung der Kulturbeauftragten Annerose Nill las der junge Schriftsteller in der Reihe „WortArt“ rund eineinhalb Stunden aus seinem Werk vor, musikalisch am Klavier begleitet von seinem Vater Frank-Martin Adrat. Das aufmerksame Publikum erfuhr viele Details aus dem aufregenden Leben des jungen deutsch-afghanischen Paares Felix und Samira und deren schauspielernder Schwester Nesrin, über das wilde Clubleben in Berlin und sogar über den neuen Papst-Film. Die Katastrophe an Heiligabend deutete der Autor in seiner Lesung nur an, indem er eine kleine polizeiliche Verhörszene von Samira wegen Handgreiflichkeiten ihres Mannes gegen ihre Schwester schilderte. Was da wohl schiefgelaufen ist? Der Leser wird es nur erfahren, wenn er selbst in das Buch einsteigt.

Zuhörer Ulrich Gemballa zog zum Abschluß der Lesung schmunzelnd ein überschwängliches Fazit: „Das Buch ist eine Lektion eines frischen jungen Autors über das Leben in prosaischer, lebendiger Sprache.“ Gudrun Benthien von der Gemeindebücherei Walpershofen zeigte sich hingegen überrascht. Sie hatte durch den Buchtitel eher eine Vater-Baby-Geschichte rund um Erfahrungen mit Wickelkommode, Fläschchenwärmer und Krabbelgruppe erwartet.  Petra Jungfleisch-Serf erging es ebenso, doch beide zeigten sich über den kurzweiligen und zuweilen derben Erzählstil des Autors animiert, weiter in die Geschichte einzusteigen. Für Ernst und Linda Kollmann waren die Beschreibungen des Berliner Nachtlebens und die zwischenmenschlichen Konflikte hochspannend. „Uns interessieren besonders die vielen autobiografischen Hintergründe, die der Autor augenblinzelnd immer wieder durchblicken lässt. Wir haben das Gefühl, live dabeizusein.“

Am Donnerstag, 10. Januar, 19 Uhr, gastieren Orlando und die Unerlösten im Rathausfestsaal. Das sind Roland Kunz, Orlando (Gesang, Keyboards), Guido Allgaier (Gitarre), Christian Konrad (Bass) und Bernd Wegener (Schlagzeug). Eintritt: 15 Euro.

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