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Köllerbacher Topspiel in Dillingen: Aus dem Stade de France an die Papiermühle

Köllerbacher Topspiel in Dillingen : Aus dem Stade de France an die Papiermühle

Samir Louadj hat in seinem Fußballer-Leben viel gesehen. Der Franzose mit algerischen Wurzeln spielte schon im Stade de France in Paris. Ist mehrmaliger luxemburgischer Meister. Und besiegte in seinem ersten Spiel in der 2. Fußball-Bundesliga den 1. FC Saarbrücken. Heute ist Fußball nicht mehr das wichtigste in Louadjs Leben. Auch deshalb hat der Mittelfeldspieler den SV Röchling Völklingen trotz des Regionalliga-Aufstiegs verlassen und sich den Sportfreunden Köllerbach angeschlossen. Mit seinem neuen Verein bestreitet der 31-Jährige in der Saarlandliga an diesem Samstag um 16 Uhr das Spiel beim Meisterschaftsfavoriten VfB Dillingen.

„Ich hatte eine super Zeit in Völklingen. Aber die Regionalliga mit dem täglichen Training und den weiten Auswärtsfahrten hätte ich nicht mehr gepackt“, erklärt Louadj. Er ergänzt: „Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Die sind in einem Alter, in dem der Vater nicht ständig weg sein sollte. Außerdem bauen wir gerade ein Haus. Meine Frau würde mir was erzählen, wenn ich jeden Tag um 22 Uhr vom Training heimkomme.“

Seine fußballerische Ausbildung erhielt Louadj in der Jugendabteilung des FC Metz und ab 2001 in der U 19 des FC Nantes. Der war damals eine Topadresse für Nachwuchsfußballer. „Wir standen mit Nantes 2002 im Finale der Coupe Gambardella. Das ist der französische Jugendpokal. Und das Finale wird im Stade de France in Paris ausgetragen“, schwärmt Louadj. Er wurde im Finale eingewechselt und feierte mit seiner Mannschaft im 80 000 Zuschauer fassenden WM-Stadion einen 1:0-Sieg gegen den OGC Nizza.

Ausschließlich schöne Erinnerung hat Louadj an diese Zeit aber nicht. „In Frankreich ist es hart für junge Spieler. Da wirst du sehr schnell ausgesiebt. Jeden Tag kamen im Training neue Probespieler. Die waren gefühlt drei Köpfe größer als ich“, sagt der 1,73 Meter große Franzose. Er überstand die Knochenmühle in Nantes und schloss sich 2004 dem damaligen Zweitligisten Eintracht Trier an. Unter Trainer Paul Linz feierte er sein Zweitliga-Debüt. „Gegen den 1. FC Saarbrücken. Das weiß ich noch, weil ich drei Tage später Geburtstag hatte“, sagt Louadj. Nur beim Endergebnis ist sich der Franzose nicht mehr sicher. „1:1?“, fragt er. Nein, Trier gewann im Moselstadion gegen den FCS mit 2:1. Trotzdem endete die Saison für die Moselaner mit dem Abstieg in die damals drittklassige Regionalliga.

Louadj blieb noch eine Saison in Trier, wechselte dann aber 2006 in seine Geburtsstadt zum unterklassigen französischen Verein US Forbach. Ein Jahr später begann die erfolgreichste Zeit in Louadjs Karriere. Mit dem F 91 Dudelange wurde er dreimal luxemburgischer Meister und einmal Pokalsieger. Außerdem spielte er drei Jahre für den Ligakonkurrenten CS Grevenmacher und schoss in 70 Spielen 29 Tore. „Mit Dudelange habe ich an der Qualifikation für die Champions League teilgenommen, in Grevenmacher an der Qualifikation für die Europa League“, erzählt Louadj. Und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Leider haben wir alle Spiele verloren.“

Dass er nach einem Jahr in Völklingen nun bei den Sportfreunden gelandet ist, bezeichnet Louadj als „beste Lösung.“ Er erklärt: „Auch in der Saarlandliga wird guter Fußball gespielt. Und die Spielklasse lässt sich am besten mit meinem Privatleben vereinbaren. Außerdem fühle ich mich hier im Verein richtig wohl und in der Mannschaft herrscht ein brutaler Zusammenhalt.“

Den kommenden Gegner Dillingen sieht Louadj als einen der Topfavoriten auf die Meisterschaft. Auch wenn der VfB zuletzt gegen den SV Bübingen die erste Saisonniederlage kassierte (3:4) und Köllerbach die Tabellenführung übernommen hat. „Wir müssen wieder auf viele verletzte Spieler verzichten. Aber wir freuen uns auf das Spiel und wollen Dillingen einen harten Kampf liefern“, sagt Louadj. Sein Enthusiasmus für den Sport ist geblieben. Auch wenn Fußball nicht mehr das Wichtigste ist in seinem Leben. Und das Stadion an der Dillinger Papiermühle nicht das Stade de France.