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Afrika ganz nah

Reinhard Klimmt erklärte während der Vernissage seiner Ausstellung „Habari Afrika“ in der Riegelsberger Rathaus-Galerie die Besonderheiten afrikanischer Kunstwerke. Fotos: mj
Reinhard Klimmt erklärte während der Vernissage seiner Ausstellung „Habari Afrika“ in der Riegelsberger Rathaus-Galerie die Besonderheiten afrikanischer Kunstwerke. Fotos: mj
Riegelsberg. Mit Trommelklängen wurde am Samstag die im Köllertal erstmals gezeigte Ausstellung „Habari Afrika“ in Riegelsberg eröffnet. Die Stücke aus der Sammlung von Reinhard Klimmt zeigen authentische (also nich für Touristen angefertigte) Skulpturen, Masken und geschnitzte Türen. Monika Jungfleisch

Reiter aus Mali, Masken aus Sierra Leone, Frauenfiguren aus Burkina-Faso: Die Ausstellung in der Rathausgalerie zeigt einen kleinen Ausschnitt der gesammelten afrikanischen Kunstschätze des ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten Reinhard Klimmt . Zur Vernissage am Sonntag drängten sich knapp 100 Besucher zu den Kunstwerken, um sich von der Magie , Kraft und Monumentalität dieser außergewöhnlichen Sammlerobjekte einfangen zu lassen.

Die Exponate führen den Betrachter in die Ausdrucksstärke einfacher Darstellungen ein, lassen erahnen, welche Magie den archaischen Frauen- und Männerskulpturen, den Masken und den mannshohen Palasttüren innewohnt.

Die Überzeichnung, die Addition dessen, was für den Künstler wichtig ist, mache afrikanische Kunst aus, erklärt Klimmt. Nicht eine naturgetreue Nachbildung werde angestrebt, sondern der Ausdruck von Emotionen. So sind Reiter ein Symbol für Macht, überdimensionierte Frauenbrüste stehen für Fruchtbarkeit und der hervorstechende Bauchnabel erinnert an die Verbindung zum Leben.

Vieles erinnert auch an Mythen, Ahnen, Geister, beschwört und repräsentiert gute und auch böse Kräfte. "Oft ist es schwierig zu wissen, wofür etwas steht, wofür es gut sein soll", gesteht Reinhard Klimmt . "Was vielfach als ‚primitive Kunst‘ bezeichnet wird, hat viele namhafte europäische Künstler beeinflusst", schildert der Gemütsmensch Klimmt, der, einmal am Erzählen, nur schwer zu bremsen ist. Ein Ausdruck seiner inneren Begeisterung für die ausgestellten Werke.

So ließen sich etwa Picasso, Pechstein und Nolde von afrikanischen Künstlern dazu inspirieren, ausgetretene europäische Kunstpfade zu verlassen, was der künstlerischen Vielfalt auf dem "alten Kontinent" sicherlich nicht geschadet habe, meint Klimmt.

Erworben hat er alle Exponate kurioserweise innerhalb Europas, in Galerien und bei Auktionen. "In Afrika selbst findet man eher Kopien, mich interessieren hingegen Exponate , die nicht für den Verkauf gemacht wurden, sondern für bestimmte Personen oder zu besonderen Anlässen angefertigt wurden, sozusagen Kunst von Afrikanern für Afrikaner", beschreibt Klimmt seine Sammelleidenschaft.

"Ziel der Ausstellung ist es, Verständnis für die Sprache der afrikanischen Kultur zu wecken", erklärte Bürgermeister Klaus Häusle , "sie soll zur Völkerverständigung zwischen Europa und Afrika beitragen." Zu sehen war die Ausstellung schon in St. Petersburg, Osnabrück, Baden-Baden und Saarbrücken. Nun in Riegelsberg . Neben der Kunst warb auch der afrikanische Trommelkünstler Dédé Mazietele mit rhythmischen Klängen und Gesängen für seine Heimat, was ihm sichtlich gelang. Viele Besucher sangen und klatschten mit, ließen sich vom Charme afrikanischer Kunst und Musik faszinieren.

Auf die Beine gestellt hat diese Ausstellung der künstlerische Beirat der Gemeinde Riegelsberg , dem die örtlichen Künstler Werner Bärmann, Monika Hau, Monika Künzel, Dr. Caroline Lehberger und Ali Reza Motamedi angehören.

Geöffnet ist die Ausstellung bis 10. April, montags, dienstags und donnerstags von

7-15.30 Uhr, dienstags bis 18 Uhr, freitags bis 12 Uhr, sowie auf Anfrage, Tel. (0 68 06) 9 30-1 62 oder per Mail an: kultur@riegelsberg.de



Holzfigur einer afrikanischen Frau mit zwei Kindern.
Holzfigur einer afrikanischen Frau mit zwei Kindern.