Advent, Advent, die Sonne brenntWeniger Geschenke und weniger Stress

Walpershofen/San Fernando. Am ersten Advent führte mich mein Weg nach Lo Prado, ein 100-Seelen-Dorf mitten in der Pampa, etwa eine Auto-Stunde entfernt von Santiago. In Lo Prado befindet sich ein Colegio der gleichen Comunidad, wie die des Seniorinnenheims, in dem ich arbeite

 Caroline Himbert in der ersten Klasse des chilenischen 100-Seelen-Örtchen Lo Prado. Fotos: Himbert

Caroline Himbert in der ersten Klasse des chilenischen 100-Seelen-Örtchen Lo Prado. Fotos: Himbert

Walpershofen/San Fernando. Am ersten Advent führte mich mein Weg nach Lo Prado, ein 100-Seelen-Dorf mitten in der Pampa, etwa eine Auto-Stunde entfernt von Santiago. In Lo Prado befindet sich ein Colegio der gleichen Comunidad, wie die des Seniorinnenheims, in dem ich arbeite. Die Karmeliter-Schwestern hatten mir vorgeschlagen, für eine Woche in einen anderen Job hineinzuschauen und bei den Schwestern in Lo Prado zu wohnen.Das Colegio liegt, jedenfalls nach deutscher Ansicht, abseits jeglicher Zivilisation. Um Brot oder sonstige Lebensmittel zu kaufen, muss man mindestens eine halbe Stunde fahren. Die umliegende Natur jedoch ist traumhaft. Es ist zurzeit sehr trocken, aber dennoch sind die Berge, Felsen, Felder und Weiden wunderschön.

In der Schule habe ich eine Woche als Lehrerin vor allem in der "Primero Basico" (1. Klasse) gearbeitet. Es war schon sehr anstrengend, die Kinder wenigstens einigermaßen in Ruhe und Ordnung zu halten, aber trotzdem war es eine tolle neue Erfahrung. Die Kinder hatten mich gleich ins Herz geschlossen - schon am Ende der ersten Stunde konnte ich eine Ansammlung von Papierherzen, Armbändern und Ähnlichem vorzeigen. Als ich von Deutschland erzählte, hörten die Kinder, die praktisch nichts anderes als ihr Dorf kennen, gespannt zu, und eines fragte: "Bringt Santa Claus auch nach Deutschland Geschenke?"

Nach einer Woche Lehrerjob habe ich mich auf den Weg nach Quillota gemacht, eine Kleinstadt etwa zwei Stunden weiter nördlich von Santiago. Dort erwartete mich Simon Kraus aus Riegelsberg mit seiner ecuadorianischen Gastfamilie. Simon macht zurzeit über die Organisation Afs einen Austausch und besucht in Quillota ein Colegio.

Wir besuchten auch Viña del Mar und Valparaíso, zwei der bekanntesten Küstenstädte Chiles, auch weil in Valparaíso der größte und wichtigste Hafen Südamerikas liegt.

Zurück im Seniorinnenheim in San Fernando, in den letzten beiden Wochen vor Weihnachten, bereiteten wir das Heim und auch die Bewohnerinnen auf das Fest vor und verbreiteten eine vorweihnachtliche Stimmung. So bastelten wir gemeinsam mit den Seniorinnen eine Krippe. Die Weihnachts-Stimmung war aber irgendwie anders als bei uns. Liegt es an den extrem unterschiedlichen Temperaturen, der kurzen Kleidung, der unterschiedlichen Weihnachtsmusik, der anderen Mentalität? Ich weiß es nicht. Ich denke, die Beschreibung "südamerikanische Fiestastimmung" trifft es gut. Die Dekoration ist im Grunde die gleiche wie in Deutschland, nur viel kitschiger. Und einen echten Tannenbaum findet man hier in keinem Haushalt, zumal auch per Gesetz - wie es heißt aus Umweltschutz-Gründen - nur Plastikbäume verwendet werden dürfen.

Feliz Navidad noch nachträglich und alles Liebe für das neue Jahr! Saludos

Caroline Himbert

Nicht das Christkind, sondern Santa Claus bringt in Chile an Weihnachten die Geschenke. Daran merkt man, dass die USA und ihre Kultur einen sehr starken Einfluss auf die Entwicklung des Landes haben. In den Malls oder auch Supermärkten fühlt man sich, abgesehen von den Temperaturen, mehr in Nordamerika als in Chile.

Den Heiligabend habe ich gemeinsam mit den Karmeliter-Schwestern verbracht: Abends isst man Snacks, Häppchen oder auch sehr gerne ein kühles Eis bei diesen Temperaturen. Um 23 Uhr macht man sich - wie immer etwas verspätet - auf zur Messe. Unter Gitarrenklängen und Kerzenlicht dauert die Messe ungefähr bis eine halbe Stunde nach Mitternacht.

Danach kehrt man nach Hause zurück und es gibt einen Mitternachtssnack, der mit dem typischen Likör "Cola de Mono" (ein cremiger Kaffee-Likör) abgerundet wird. Anschließend gibt es dann die Bescherung.

Da am 26. hier kein Feiertag mehr ist, haben wir an diesem Tag mit dem Personal gemeinsam zu Abend gegessen und gefeiert und dem jeweiligen "Amigo secreto" (dem "geheimen Freund") beim "Wichteln" ein kleines Geschenk überreicht.

Generell gibt es hier nicht so viele Geschenke zu Weihnachten. Es sind meist nur Kleinigkeiten innerhalb der Familie, unter sehr guten Freunden oder eben beim "Wichteln" an der Arbeitsstelle. Ich hatte das Gefühl, dass Weihnachten in Chile noch hauptsächlich das Fest der Familie ist, und Weihnachten funktioniert hier in Südamerika auch ohne den deutschen Vorweihnachtsstress.