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Lange Gesichter nach Public Viewing
„1000 Mal geflankt...“

Vor der Partie Deutschlend gegen Mexiko herrschte beim Public Viewing am Sonntagabend in der Köllertalhalle in Walpershofen noch Zuversicht.
Vor der Partie Deutschlend gegen Mexiko herrschte beim Public Viewing am Sonntagabend in der Köllertalhalle in Walpershofen noch Zuversicht. FOTO: Andreas Schlichter
Walpershofen. „... und 1000 Mal hat’s nicht gelangt“: Lange Gesichter und laute Kritik an der deutschen Elf gab’s nach dem Public Viewing in Walpershofen. Von Fredy Dittgen

Grenzenlose Zuversicht herrschte vor dem ersten WM-Spiel Deutschlands gegen Mexiko beim Public Viewing in der Köllertalhalle – wie gesagt: vor dem Spiel. Am Ende gab es nach der 0:1-Niederlage nur lange Gesichter, hämischen Applaus für die schlechte Leistung des deutschen Teams und Weltuntergangsstimmung. „So können wir die WM vergessen, so wird das nichts“, meinte Werner Jungfleisch aus Saarbrücken.


Von Anfang an stand das von der Karnevalsgesellschaft (KG) Riegelsberg organisierte Public Viewing unter keinem guten Stern. Waren zuvor, beim Sommerfest des Verbandes Saarländischer Karnevalsvereine, gegen 16 Uhr noch 350 Leute in der Halle – davon viele in Deutschlandtrikots – schauten sich schließlich nur rund 30 das Spiel an. Lore Huwig versuchte vergeblich, noch einige zum Bleiben zu überreden. Die meisten entschuldigten sich damit, dass sie zuhause schon eine private Fußballfeier organisiert hatten.

Diejenigen, die geblieben waren, strahlten zunächst noch Zuversicht aus: „Heute zeigen wir unser wahres Gesicht. 3:0 wäre mein Wunschergebnis“, tippte Jürgen Altes aus Burbach. Auch Werner Jungfleisch und Kathrin Huwig aus Riegelsberg legten sich auf ein 3:0 fest. Die Riegelsbergerin Michaela Schallmo glaubte an einen 3:1-Sieg Deutschlands. Ihre Freundin Natalie Gräber sowie Sascha Bayer aus Riegelsberg und der Riegelsberger Ortsvorsteher Heiko Walter tippten ein 2:0. Nur der dreieinhalbjährige Ben Bayer ahnte Böses: „3:4“ lautete sein Tipp.



Als die Mexikaner stark begannen, erste Torchancen hatten und Torwart Manuel Neuer Deutschland mehrmals vor einem Rückstand bewahrte, begann die Stimmung zu kippen. Und als Hirving Lozano das 1:0 für Mexiko schoss, war es totenstill in der Halle.

In der Halbzeitpause wurde kritisiert, aber auch Mut gemacht. Jürgen Altes: „Mexiko wird jetzt seinem kraftraubenden Spiel Tribut zollen. Wir gewinnen noch 3:1.“ Und Heiko Walter meinte: „2:0 geht es nicht mehr aus, aber ich hoffe auf ein 2:1 für uns.“ Doch Deutschland mühte sich vergeblich, spielte zudem immer schlechter. Die wenigen Chancen wurden verdaddelt, und die Unzufriedenheit stieg stetig. „Langsam krieg ich echt die Krise.“ – „Der Timo Werner ist doch kein Stürmer. Der soll in die Oberliga gehen.“ – „Warum bringt der nicht endlich den Gomez?“ – „Unfassbar!“ – „Katastrophal!“, das waren nur einige, der immer wütender werdenden Kommentare. Und als Reporter Oliver Schmidt eine verunglückte Kimmich-Flanke in Anlehnung an einen Klaus-Lage-Song kommentierte mit: „1000 Mal geflankt...“, ergänzte Kathrin Huwig „... und 1000 Mal hat’s nicht gelangt“.

Nach dem Schlusspfiff saßen alle fassungslos auf ihren Bänken, und Heiko Walter prophezeite Schlimmes: „Wenn wir tatsächlich noch weiterkommen und dann im Achtelfinale auf Brasilien treffen, gewinnen wir nicht wie 2014 mit 7:1, sondern verlieren mit 2:7.“ – Na ja, aber vielleicht klappt’s ja, wenn Saarländer Jonas Hector nicht mehr mit einer Erkältung im Bett liegt.

Nur der dreieinhalbjährige Ben hatte am Sonntagabend auf eine Niederlage der deutschen Elf getippt.
Nur der dreieinhalbjährige Ben hatte am Sonntagabend auf eine Niederlage der deutschen Elf getippt. FOTO: Andreas Schlichter