Rezepte, die niemand braucht: Taccosalat

So kann’s gehen : Was hat sich der Erfinder nur dabei gedacht?

Unverständnis, Wut, Ekel: SZ-Redakteur Matthias Zimmermann kann einfach nicht nachvollziehen, wie man es Lebensmitteln antun kann, sie zu einem Taccosalat zu verarbeiten.

Ich weiß einfach nicht, was das soll. Ich kann’s mir partout nicht erklären, wer sich um alles in der Welt solche Rezepte ausdenkt. Immer wieder suchen mich solche Köstlichkeiten heim. Meistens bei allseits beliebten Mitbring-Partys. Der eine sorgt für Getränke. Der nächste bestückt den Grill. Und dann die Sättigungsbeilagen: Salate in Hülle und Fülle. Und genau einige dieser Exemplare bereiten mir schon beim Gedanken daran Unbehagen. Bei den Klassikern aus Möhre und Nudel gehe ich recht unbedenklich an die Sache. Obwohl ich da auch schon so ein paar glutamatgeschwängerte Fehlkonstruktionen zwischen die Hauer bekommen habe. Aber was um alles in der Welt soll der Quatsch mit dem Schichtsalat? Da liegen Lagen aus Kraut und undefinierbaren breiigen Massen so klebrig steif übereinander, als hätte jemand einen Kuchen zu früh aus der Backröhre gezerrt. Schwer, pampig, dickflüssig. Und überhaupt: Warum soll ich einen Salat nicht umrühren, um die verschiedenen Zutaten zu vermengen? Das wäre so, als würde ich mir zuerst ein Blatt Kopfsalat in den Mund schieben, dann die Flasche mit Tunke ansetzen und kräftig gurgeln.

Aber das ist noch lange nicht die Krönung. Eine Kreation toppt wirklich alles: Taccosalat. Genau. ein Gemisch aus Chips und Dressing. Warum? Ich stelle erneut die Frage: Warum bloß? Knusprige Maischips mutieren in einer Brühe zu labbrigen Flatschen, die einem wie Haftcreme für die Dritten am Gaumen kleben. Was einst beim Biss knackte und genau deswegen industriell produziert wurde, wird in Soße eingeweicht. Über Stunden. Steht da wie eine jauchige Masse. Und schimpft sich Salat. Wer denkt sich nur so etwas Widerliches aus? Ich bringe nächstes Mal auch was  zur Fete mit: einen Salat: Ich löse die seit sechs Monaten in geöffneter Tüte vor sich hinfristenden Salzstangen in einer Lache aus Essig-Öl auf. Aufgepeppt mit ein paar deliziösen Spritzern Balsamico. Mmmh, . . . lecker.

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