1. Saarland
  2. Saarbrücken

Regionalverband und Saarbrücken sind stark von Überschuldung betroffen

Überschuldung : Im Regionalverband Saarbrücken ist die Armut besonders groß

Die Hälfte aller saarländischen Hilfeempfänger wohnt in Saarbrücken und Umgebung. Viele von ihnen sind überschuldet.

(red) Ein „unschönes Ergebnis“ sind die Zahlen aus dem Schuldneratlas 2020 nach Ansicht von Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD): „Das Saarland ist das einzige Bundesland mit einem Zuwachs der Verschuldungsquote in 2020. Saarbrücken belegt im Ranking der Landeshauptstädte den letzten Platz.“

Die landesweit steigende Zahl der hoch verschuldeten Haushaushalte hänge mit der Krise der saarländischen Schlüsselindustrien zusammen: Stahl- und Automobilindustrie hätten bereits 2019 zu kämpfen gehabt. Die hohen Verschuldungszahlen für den Großraum Saarbrücken erklärt Gillo damit, dass 50 Prozent aller saarländischen Hilfeempfängerinnen und -empfänger im Regionalverband leben – ein Großteil von ihnen in der Landeshauptstadt.

Gillo nennt als grundlegende Ursachen für die Überschuldung die heutige Wegwerfgesellschaft und die Kultur des „Alles-haben-wollens“. Letztere werde durch Werbung und Null-Prozent-Finanzierungen zusätzlich gepuscht. Weiterer Grund für Übeschuldung aus Gillos Sicht: Während ein Bankkredit viele Kontrollinstanzen durchlaufe, sei der Onlinekauf noch immer mit wenigen Klicks getätigt. „Hier müssten Anbieter schneller reagieren, wenn Bestellungen nicht gezahlt werden. Aber natürlich sind auch die Konsumenten in der Pflicht, ihr Kaufverhalten zu überdenken.“ Davon ausgenommen seien zwingend notwendige Käufe, etwa ein Kühlschrank, den Hilfeempfänger oder Geringverdienern nicht auf einen Schlag bezahlen können.

Um Menschen vor Überschuldung zu bewahren, baue der Regionalverband seine präventiven Maßnahmen aus. Dazu zähle beispielsweise die Schulung weiterer Multiplikatoren, seien es Schulsozialarbeiter, Fallmanager im Jobcenter oder Mitarbeiter der Rentenberatungsstellen sowie der Gemeinwesenarbeit. „Dadurch erreichen wir die Menschen, bevor ein Fall in der Insolvenz endet.“ Gut findet Gillo die geplante Gesetzesänderung im Privatinsolvenzrecht. „Nach altem Recht verkürzte sich die Privatinsolvenz nur auf drei Jahre, wenn der Schuldner 35 Prozent der Schuldensumme und die Gerichtskosten innerhalb von drei Jahren aufbringen konnte. Diese Hürde muss künftig nicht mehr genommen werden. Egal, welche Quote die Gläubiger in drei Jahren erhalten, das Verfahren verkürzt sich  generell auf drei Jahre.“ Dies gelte auch für Antragsteller, die keine Zahlungen aufbringen können, weil sie kein pfändbares Einkommen erzielen. Gillo findet, das sei eine gute Gesetzesänderung für alle, die schnell zurück in ein geordnetes Leben möchten.