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Regionalverband Saarbrücken will Ausbau Erneuerbarer Energien forcieren

Erneuerbare Energie im Regionalverband Saarbrücken : Zu viele Bremsklötze für Energieerzeugung aus Sonne und Wind

Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien muss im Regionalverband noch viel passieren. Flächen gibt es zwar für die Stromerzeugung aus Wind und Sonne. Wie man deren Potenzial heben kann und was es für einen schnellen Ausbau braucht, darüber informierten Experten.

„Es ist Druck im Kessel.“ So begann Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD) die kleine Info-Runde zum Stand des Ausbaus der Erneuerbaren Energien, zu der der Regionalverband am Donnerstag geladen hatte. Und er räumte ein, dass man hätte schneller sein müssen. Nun, da sich vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges eine Energiekrise abzeichnet, werde auch Kritikern klar, dass es ohne den massiven Ausbau von Windenergie und Photovoltaik (PV) keinen Ausweg aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen geben werde. Und erst recht keinen aus der Klimakrise.

Mehr Klima-Bewusstsein bei den Bürgern

Ein Beispiel für die Bewusstseinsänderung sei das geplante PV-Kraftwerk auf dem Hartungshof bei Bliesransbach. „Noch vor fünf Jahren waren die Bürger dagegen“, rief Gillo in Erinnerung. Jetzt wird es gebaut – und die Bürgerschaft kann sich daran genossenschaftlich beteiligen. Doch warum hat der Regionalverband solche Projekte nicht forciert? Zum Teil auch deshalb, weil bundes- und landesgesetzlichen Rahmenbedingungen den Ausbau der Erneuerbaren konterkarierten.

„Wir haben rechtlich und planerisch unsere Hausaufgaben gemacht“, betonte Gillo daher. Und seit ein paar Tagen gibt es endlich auch einen Klimaschutzmanager. Immerhin habe man die Treibhausgasemissionen im Regionalverband von 1990 bis 2019 um 35 Prozent senken können und viele eigene Gebäude bereits mit Photovoltaik ausgestattet und energieeffizient saniert. „Aber die notwendige Dynamik fehlt“, räumte er ein.

Warum, das erläuterte anschließend Marcus del Fabro von der Fachabteilung Regionalentwicklung und Planung des Regionalverbandes. „In unserem stark zersiedelten Raum gibt es viele Restriktionen für die Errichtung von Windkraftanlagen und großen Photovoltaik-Freiflächenanlagen.“

Keine Windräder in alten Wäldern erlaubt

Ab 2011 hatte der Regionalverband im Flächennutzungsplan acht Zonen mit 19 Teilflächen auf insgesamt 162 Hektar als so genannte Konzentrationszonen für Windenergieanlagen ausgewiesen. Bis zu 23 Windkraftanlagen hätten damit entstehen können, erläutert del Fabro. Doch die Änderung des Landeswaldgesetzes 2017 machte dem forcierten Ausbau einen Strich durch die Rechnung: Weder im Staatswald noch in „historisch altem Wald“ durften damit Windkraftanlagen gebaut werden. Und so schrumpfte das Potenzial für Windenergie um über 50 Prozent. „Zumal wir viele Waldflächen im Regionalverband haben“, so der Regionalentwickler. Statt maximal 23 hätte man höchstens 14 Anlagen bauen können. Aber auch die entstanden nicht. Es fanden sich keine Investoren – zumal die bürokratischen Hürden für die Errichtung solcher Anlagen sehr hoch sind. Und so gibt es bislang gerade mal zwei Windkraftanlagen im Regionalverband (bei Riegelsberg). Zwei weitere sind – nach heftigem Widerstand aus der Bevölkerung – bei Gersweiler geplant. Soviel zum Thema Wind.

Schleppender Ausbau der Photovoltaik

Auch der Ausbau der Photovoltaik kommt nur schleppend voran im Regionalverband. Von den 11 Teilflächen (155 Hektar), die eine Potenzialanalyse von 2010/11 auswies, wurden bis heute nur fünf mit großen PV-Freiflächenanlagen bebaut. Die leistungsstärksten der insgesamt 15 Anlagen sind die Solarparks am Flughafen Ensheim, auf der Grube Göttelborn, in Großrosseln (Merlebach I und II sowie auf dem Gelände der ehemaligen Grube Warndt), in Püttlingen (Herchenbach und Dickenberg), in Sulzbach (Kohlesturzplatz Mellin), in Völklingen (Nordband und Schweizer Berg), der Solarpark an der A8 bei Heusweiler – und demnächst der (dann leistungsstärkste) Solarpark Hartungshof bei Bliesransbach, betrieben von der Energiegenossenschaft Köllertal. Rund 16 000 Haushalte können mit diesen PV-Freianlagen bisher mit Strom versorgt werden.

Potenziale von Wind und Sonne heben

Dass da noch viel mehr gehen muss, ist allen Verantworlichen klar. Und so müssen auch die Potenziale für Solaranlagen auf Agrarflächen und Dachflächen gehoben werden. Geeignete Agrarflächen gibt es im Regionalverband nicht viele, dafür mehrere Konversionsflächen aus dem Bergbau. Aber auf den Dächern von privaten Eigentümern einerseits und gewerblichen Gebäuden andererseits ist noch viel Strom zu ernten. Dass private Investoren zurückhaltend sind, liege zum einen ebenfalls an den Beschränkungen des Landesentwicklungsplanes und der Flächennutzungspläne, erläuterte del Fabro. Andererseits sei der Ausbau der Photovoltaik seit 2013 nicht mehr wirtschaftlich – und schon gar nicht lukrativ – gewesen, weil die EEG-Umlage (der Betrag, den man für die Einspeisung von Strom ins Netz erhält) kontinuierlich gesunken sei. Zuletzt gab es nur noch fünf Cent pro Kilowattstunde. Die Folge: Private wie gewerbliche Investoren ließen die Investiton in eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach lieber bleiben.

Und so haben laut Bundesnetzagentur nur rund 6 Prozent der Häuser im Regionalverband eine PV-Anlage auf dem Dach. Das sind knapp 5600 Anlagen. Waren es 2012/13 noch rund 40 Prozent aller Neubauten, auf denen entweder Photovoltaik oder Solarthermie installiert wurde, ging die Zahl auf gerade mal sieben (!) Prozent im Jahr 2020 zurück. Seit die Energiepreise steigen, gehe die Zahl wieder beständig nach oben, zeigte del Fabro anhand von Charts.

Doch was wäre möglich? Bei Ausschöpfung aller Möglichkeiten und dem schnellen Abbau aller Hemmnisse könnten rund 150 000 Haushalte im Regionalverband mit Energie aus Sonne und Wind versorgt werden, rechnete del Fabro vor. Das wären 90 Prozent aller Haushalte – und es wäre ein sehr optimistisches Szenario.

Gillo: „Ändern Sie das Landeswaldgesetz!“

„Ändern Sie das Landeswaldgesetz“, appellierte Peter Gillo in seinem Schlusswort an den neu gewählten Landtag – und speziell an seine Genossen aus der SPD-Mehrheitsfraktion. „Wir brauchen mehr Privatinvestoren für die Erneuerbaren.“ Und diese Investoren wiederum fordern erleichterte Planung, gute Beratung und qualifizierte Handwerksbetriebe. Alle waren sich einig: Ein sehr komplexes Thema.