Regionalverband: Klimapaket verlangt modernisieren von Ölheizungen

Kostenpflichtiger Inhalt: Modernisierung von alten Ölheizungen : Schornsteinfeger sorgen sich um Klimaschutz-Kosten

Hausbesitzer im Regionalverband befürchten, dass Neuregelungen sie viel kosten werden und ihre Existenz bedrohen.

Klimaschutz finden wir gut – aber bitte darauf achten, dass die Oma ihre alte Heizung noch bezahlen kann. Das forderten Schornsteinfeger sinngemäß auf einem Plakat bei der letzten großen Klimademo auf dem Saarbrücker Landwehrplatz am 20. September.

Die Schornsteinfeger befürchteten, dass die Bundesregierung die Ideen von „Fridays for Future“ übernimmt. Die Schüler wollten unter anderem, dass auch das Heizen ab 2035 nur mit erneuerbaren Energien funktioniert.

Das was die Bundesregierung im letzten Monat in den Eckpunkten des neuen Klimapakets beschlossen hat, hält Eric Scherer, der Landesinnungsmeister der Schornsteinfeger im Saarland für „moderat“ und einen „Schritt in die richtige Richtung. Heizungsbesitzern drohen keine teuren Umrüstungen. Stattdessen stünden Förderprogramme für den Austausch veralteter Heizungsanlagen oder eine Abwrackprämie im Raum.

Wegen des Klimapakets seien die Menschen im Moment aber verunsichert, sagen die Verbraucherzentrale Saar und der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK). Die Zahl der Beratungen habe zugenommen, denn keiner wisse, welche Förderungen tatsächlich kommt. „Wir haben jetzt die Situation, dass ein Sarnierungsstau entsteht, weil viele Leute, die sarnieren wollen, erst mal abwarten“, sagt Scherer.

Bisher bestünde ein Förderdschungel, der schwer zu durchblicken sei, weil zu viele Akteure mitmischen.. Der Landesinnungsmeister hofft, dass sich das mit dem neuen Gesetz ändert. Das muss erst noch durch den Bundesrat. Anfang 2020 soll es Klarheit geben.

Fest steht bisher, dass 2026 keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden dürfen. Besitzer einer Ölheizung fragen sich daher, ob sie jetzt schon in eine neue teurere Heizungsart investieren müssen? Es bestehe kein Grund zur Panik, meint der Energieberater der Verbraucherzentrale Saarbrücken, Werner Ehl: „Es wird genug Hintertürchen geben.“

Ein Hintertürchen wäre eine sogenannte Hybridlösung. Also eine neue Ölheizung, die mit einer Solaranlage auf dem Dach kombiniert wird. Alexis Gula, der Pressesprecher des Bundesverbands der Schornsteinfeger schätzt die Kosten für den Einbau einer solchen „Hybridheizung“ auf 15 000 bis 20 000 Euro. Hausbesitzer müssten dann etwa 5000 Euro mehr investieren, als würden sie sich bloß eine neue Ölheizung anschaffen. Bei einem solchen Modell würde es aber bestimmt staatliche Anreize geben, sagt Ehl. Ohnehin könnten Hausbesitzer ihre Ölheizung auch über 2026 hinaus noch nutzen und bis 2026 noch eine neue Ölheizung einbauen lassen, ergänzt Martin Weisgerber vom ZVSHK.

Dann gibt es da ja noch die zahlreichen alternativen Heizungstypen: Ein Umstieg auf Gas wäre in der Anschaffung am günstigsten. Ökologischer wäre ein Umstieg auf Holzpellets, Fernwärme oder eine Wärmepumpe. Gula weist darauf hin, dass nicht alle Modelle überall möglich seien: „Es gibt Gebäude, die keinen Gasanschluss haben, und wenn ein Gebäude schlecht isoliert ist, braucht man auch keine Wärmepumpe einzubauen“. Im Regionalverband hätte man eine große Anzahl schlecht isolierter Gebäude, sagt Scherer, daher seien Wärmepumpe, Stand jetzt, nicht so sinnvoll.

Erst wenn eine Heizung 30 Jahre alt ist, muss eine neue her, fordert der Gesetzgeber schon länger. Das Saarland ist in dieser Hinsicht stark betroffen: „Hier sind über 50 Prozent der Öl- und Gasheizungen über 20 Jahre alt“, sagt Scherer. Für die betroffenen Haushalte stehen also doch bald Investitionen an.

Verlangt der Staat von Privatpersonen noch mehr? Sofern kein Umbau ansteht, nicht. Einzig die Leitungen im Keller müssen die Heizungsbesitzer isolieren. Wenn die oberste Etage bewohnt ist, auch das Dach. Zu mehr energetischer Sanierung sei niemand verpflichtet, sagt Ehl. Es würde sich aber trotzdem häufig auch finanziell lohnen. Die Verbraucherzentrale bietet Gebäudechecks an. Für einkommensschwache Haushalte sind diese Checks kostenlos.

Mehr Informationen gibt die Verbaucherzentrale im Internet.

www.verbraucherzentrale-energieberatung.de/beratung

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