Rassismus im Bus ist nicht nur ein Fall für die Saarbahn

Kommentar : Zivilcourage im Alltag tut not

Nicht zu fassen. Da schwingt ein Bus-Fahrgast lautstark rassistische Reden, verherrlicht sogar das Dritte Reich – und die übrigen Bus-Insassen lassen es geschehen.

Sie bleiben stumm. Selbst als eine Frau den Mann zurechtweist, halten ihre Sitznachbarn sich raus. Das mag bequem sein. Aber es ist kurzsichtig: Jeder hofft auf Unterstützung, wenn er oder sie angegangen wird, sei es mit Taten oder Worten – wo soll diese Hilfe herkommen, wenn niemand sie geben mag, nicht mal man selber? Und es ist grundfalsch: Menschenverachtung, wie sie in rassistischen und Nazi-Positionen zum Ausdruck kommt, hat in einer vielfältigen, demokratischen Gesellschaft nichts verloren. Zu dieser Gesellschaft gehört Respekt vor den Mitmenschen. Den gilt es, gegen Rassismus zu verteidigen. Nicht nur aus sicherer digitaler Entfernung, per Mausklick, sondern auch im Alltag. Was ein Busfahrer tut, wenn ein Fahrgast demokratische Regeln verletzt, ist die eine Sache – er muss abwägen, er trägt Verantwortung für die Sicherheit aller Insassen. Was Bus-Passagiere tun, wenn sie Ohrenzeugen rassistischer Sprüche werden, ist eine andere Sache. Eine Sache, auf die es ankommt: Zivilcourage tut not.

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