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Rassegeflügelzuchtverein Dudweiler wird in Corona-Krise 125 Jahre alt

Besonderes Hobby : Dudweiler Jubilar-Verein trotzt der Krise

Die Rassegeflügelzüchter wollten das 125-jährige Bestehen gebührend feiern. Corona schrieb das Festprogramm um. Das klassische Vereinsleben ist damit nicht möglich. Aber noch sind die Höhepunkte nicht aus dem Kalender gestrichen.

Klare Sache in einem Jubiläumsjahr – eigentlich: „Internes Festessen für alle Mitglieder und deren Ehe-/Lebenspartner.“ Das sieht der Terminkalender des Dudweiler Rassegeflügelzuchtvereins (RGZV) für den 19. Juni vor. Nächster Höhepunkt im Jahresplan ist die Kreisausstellung in der Herrensohrer TuS-Halle im November. Hinter beidem steht ein Satz für besondere Zeiten: „Der Verein wartet noch ab. Bis jetzt ist keiner der beiden Termine abgesagt worden.“ Das Abwarten hat einen Grund: die Corona-Krise.

Ausgerechnet sie prägt eine für die Rassegeflügelzüchter besondere Zeit: Der RGZV wird in wenigen Tagen 125 Jahre alt. 15 Züchter aus Dudweiler gründeten ihn am 12. Mai 1895. Damals hatte die Geflügelzucht Hochkonjunktur. Entsprechend zahlreich waren die Vereinsgründungen. Nur wenige Vereine überdauerten die turbulenten Jahrzehnte, die der Aufbruchstimmung folgen sollten. Der Dudweiler Verein überstand die beiden Weltkriege. Mitglieder versteckten ihre Zuchttiere in Kellern und retteten sie über die schlechten Zeiten hinweg.

Der Verein hatte in der Zeit danach weitere Durststrecken zu überstehen. Mal schwand das Interesse an der Rassegeflügelzucht. Dann wiederum schränkten Tierseuchen die Möglichkeiten ein, das Hobby auszuüben.

Zu einer so langen Vereinsgeschichte gehören natürlich nicht nur Krisen, sondern auch wiederholter Lohn für Tierliebe und Sachverstand. Über die vielen Jahrzehnte hinweg stellten die Züchter ihre Tiere im Winter in Dudweiler, im Saarland und sogar auf großen Schauen in ganz Deutschland aus.

In der Gegenwart ist im RGZV trotz der Virus-Krise Optimismus zu spüren. Mitglieder wie der Schriftführer Wolfgang Hartmann sprechen von einer „Renaissance der Hühnerzucht“, von welcher der Verein profitiere. Das schafft jenen Optimismus, um die Corona-Phase zu meistern, in der das klassische Vereinsleben zum Erliegen gekommen ist.

Diesen Zustand bewältigen die Züchter mit einer Mischung aus Zuversicht und Technik. Wolfgang Hartmann: „Wir können uns nicht mehr besuchen, alle Informationen laufen über die Whats-app-Gruppe des Vereins oder über das Telefon. Wegen der Kontaktsperre ruht alles, neue Mitglieder können nur schriftlich aufgenommen, per Telefon beraten werden. Aber das geht auch.“

Gleichwohl sind da Lichtblicke: „Umgekehrt haben viele mehr Zeit für ihre Tiere, es wird im Garten und an den Ställen ausgebessert, verschönt. Die Tiere können genauer beobachtet werden. Überall rennen schon Küken herum, um die man sich kümmern muss. Die Taubenzüchter blickten auf eine reiche Nachzucht, die sich in der Luft zu tummeln beginnt.“ Um Siege fliegen dürfen die Vögel aber nicht – Wettbewerbsverbot. Nach einem Neustart hätten die gefiederten Starter vom RGVZV wieder Aussichten auf Titel. Die drei Flugzüchter des Vereins belegten in Spezialmeisterschaften in den vergangenen Jahren mehrere vorderste Plätze in der Europameisterschaft (EFU).

Derzeit beeinflusst die Corona-Krise auch die Zucht. Schriftführer Hartmann erklärt, warum das so ist: „Allgemein wird weniger Nachzucht angestrebt, da man im Moment nichts verkaufen kann und es unsicher ist, wann man überhaupt wieder Tiere an andere Liebhaber abgeben kann.“ Die Züchter müssen sich sogar Gedanken über das Futter machen. Zwar gab es noch keine Engpässe. Aber einige Züchter kaufen ihre Spezialsorten sonst in Forbach. Das habe natürlich wegen der Grenzschließung so manchen „arg getroffen“.

Engagiert für den RGZV Dudweiler (v.l.): Schriftführer Wolfgang Hartmann, Jugendwart Frank Bommer, Nachwuchszüchter Lucas Kirch, der 1. Vorsitzende Thomas Braun, der Ehrenvorsitzende Herbert Corio und der 2. Vorsitzende Stefan Hartmann. Neu im Vorstand und nicht auf dem Foto sind  Kassenwartin Dorothea Potel und Zuchtwart Stefan Boos. Foto: RGZV Dudweiler

Mit den jetzigen Einschränkungen sei nur ein Ereignis vergleichbar: die Geflügelgrippe. Sie erreichte 2005 ihren Höhepunkt. Damals fielen alle Schauen aus, gab es Verkaufsverbote. Tiere wurden deutschlandweit zu Tausenden getötet. Wolfgang Hartmann erinnert sich: „Damals durften Hühner nur im Stall gehalten werden. Enten und Gänse durften nicht auf das Wasser. Die Gänse hatten dadurch große Probleme bei der Paarung. Aber man behalf man sich, baute noch größere Ställe und stellte Becken in die Ställe.“ Die Bestände der Dudweiler Rassegeflügelzüchter blieben von der Krankheit verschont. Ein Lichtblick in schweren Zeiten. Wie damals sind im Corona-Jahr 2020 die schönen Tiere der Stolz und die Freude ihrer Besitzer. Und für sie der beste Grund, dem Hobby treu zu bleiben.