Rainer Spang aus Völklingen züchtet erfolgreiche Brieftauben

Kostenpflichtiger Inhalt: Preisgekrönte Vögel : Völklinger züchtet erfolgreiche Brieftauben

Der 65-jährige Rainer Spang übernahm das Hobby 1962 von seinem Vater. Seine Tauben gewannen bereits zahlreichen Trophäen.

Kaum mehr als einen Steinwurf entfernt vom Weltkulturerbe Völklinger Hütte geht Rainer Spang seit 1962 einem Hobby nach, das nun ebenfalls zum Kulturerbe erklärt werden soll: Der 65-jährige frühere Müller züchtet Brieftauben.

„Mein Vater war Bergmann. Er musste seine Tauben wegen seiner Silikose irgendwann abgeben“, erinnert sich Spang, „aber zwei davon sind wieder zurückgekommen. Das war für mich ein Zeichen und der Anfang.“ Im Winter zwei, im Sommer auch mal bis zu sechs Stunden täglich widmet sich der Völklinger seither seinem vielschichtigen Hobby.

Grundsätzlich unterscheidet man „Reisetauben“ und „Zuchttauben“. Erstgenannte sind solche, die während der Saison von Mai bis September an Wettflügen teilnehmen. Dabei werden die Tiere zu einer Startposition gebracht. Jedes Tier trägt einen Ring mit Chip an einem Fuß, der bei der Rückkehr in den heimischen Taubenschlag erfasst wird.

Über Distanz und Flugdauer lässt sich dann eine Geschwindigkeit und damit ein Sieger errechnen. „Früher dauerte es manchmal Wochen, bis ein Endergebnis feststand“, sagt Spang, heute geht das Dank Computer deutlich schneller. Innerhalb von Stunden weiß man, wer gewonnen hat.“ Kürzere Flüge über bis zu 400 Kilometer beginnen morgens um acht Uhr, dreieinhalb Stunden später sind die schnellsten Tiere wieder zuhause.

Der Saarländer nimmt aber auch an europäischen Wettflügen teil, die in Pau, St. Vincent, Marseille, Narbonne, Perpignan und Barcelona gestartet werden. Die von Tierschützern häufig geäußerte Kritik am Brieftaubensport, kann der Experte nicht nachvollziehen. „Die Tiere werden in belüfteten LKW transportiert, haben Tageslicht, werden vom Fahrer mit Wasser und Futter versorgt. Immer wieder gibt es Kontrollen von Veterenärmedizinern. Bei ungünstiger Witterung werden die Flüge verkürzt“, sagt Spang, „der Taubensport kommt aus dem alten Ägypten. Die Steintaube, der Urahn unserer heutigen Taubenarten ist schon damals über hunderte Kilometer geflogen auf der Suche nach Wasser. Es liegt also in der Natur der Tiere.“

Die Zucht ist der zweite Teil des Hobbys. Derzeit besitzt Spang etwa 130 Tiere, artgerecht untergebracht in zwei großzügigen Taubenschlägen im Garten. Durch geschickte Paarungen gilt es die wichtigen Eigenschaften für eine erfolgreiche Brieftaube weiterzuvererben oder gar zu stärken. Dafür braucht es Wissen in der Vererbungslehre, ein Gespür für die Tiere und die genaue Kenntnis von deren Charakter.

„Die Taube braucht den Willen, nachhause zu kommen. Der Orientierungs- und Gleichgewichtssinn ist wichtig. Aber auch Flügelform und Muskulatur spielen ein große Rolle.“ Was das ganze kostet, entlogt dem Züchter ein Lächeln. „Der Brieftaubensport war mal das Hobby der armen Leute, der Bergleute und Hüttenarbeiter. Wie bei jedem Hobby gibt es mittlerweile nach oben keine Grenzen. Zuletzt wurde eine Taube für 1,25 Millionen Euro nach China verkauft.“

Die Weltspitze des Taubensports kommt aus Holland, doch auch der Saarländer Spang hat in seinem Büro eine stattliche Trophäensammlung. Sohn Arthur kann aufgrund einer Allergie nur den technischen Bereich des Hobbys unterstüzen. Der Sportart fehlt bundesweit der Nachwuchs. „Früher gab es alleine in Völklingen 18 Taubenzüchter, heute noch zwei“, sagt Spang, „Tiere brauchen halt jeden Tag Aufmerksamkeit.“ Und darum hat es der Brieftaubensport schwer - auch als Weltkulturerbe.

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