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Radfahren auf dem Saar-Leinpfad bis nach Frankreich

Kolumne „Auch mal schön...“ : Sonntagsglück am Saar-Leinpfad

Ein Sonntagnachmittag mitten im Sommer. Wo finden sich in Saarbrücken Entspannung und Glücksmomente zum Genießen? Einfach aufs Rad setzen und runter an die Saar.

Es ist ein Sonntag in Saarbrücken mitten im Pandemiesommer 2021. Der Kopf soll frei werden von den Sorgen des Alltags, das Wetter scheint zu halten, der nächste Regenguss ist erst für den frühen Abend auf der Wetter-App vorhergesagt. „Wie wäre es mit einer Radtour an der Saar?“, fragt meine Gattin. Also kurz entschlossen die Fahrräder aus dem Keller gewuchtet, den Reifen noch den gehörigen Druck verpasst, und schon rollen wir den Berg hinab zur Saar. Gar nicht so viele Menschen unterwegs an diesem teils wolkigen, teils sonnigen Sonntagnachmittag. Ob es am Wetter liegt, dem niemand mehr so recht zu trauen scheint nach dem vielen Regen? Oder haben doch viele in den Schulferien mit ihren Familien das Weite gesucht, um einmal Alltag und Pandemie vergessen zu können an fernen Stränden oder in den Alpen?

Egal, wir sind froh, länger nebeneinander fahren und uns unterhalten zu können, ohne dass ein Radler im Gegenverkehr auftaucht oder wir Spaziergängern auf dem Leinpfad ausweichen müssen. Der Blick schweift auf das Kraftwerk Römerbrücke, das so gar nicht wie ein Kraftwerk aussieht, wenn man den hohen Schlot mal wegdenkt. Auch der weitere Blick hinüber auf den Osthafen zeigt, dass wenig Betrieb ist dort in diesem Sommer. Viele Boote dümpeln fest vertäut im Saarwasser.

Das erste Ziel ist klar: Im Biergarten des Gasthauses „Wilde Ente“ an der Schleuse in Güdingen locken Kuchen und Kaffee. Doch bis dahin geht es durch eine sattgrüne Umgebung, der Regen dieses Sommers hat auch sein Gutes. Unter der Autobahnbrücke in Höhe Brebach auf der anderen Flussseite liegt der seit Kurzem berühmte „Geheime Saarstrand“ – ein recht schlammiges Stückchen, das flach und ohne Bewuchs in die Saar ragt, aber an diesem Nachmittag keine Badenden anzieht. Und schon ist die Schleuse in Güdingen erreicht, wo jetzt digitale Anzeigetafeln von Betrieb künden. Ein winziges Motorboot mit drei Schiffern an Bord wartet, bis die Kammertore sich öffnen und es weiter flussabwärts fahren kann.

Das Geschnatter der Gänse ist zu hören und wir wissen, dass das Ziel erreicht ist. Ein gutes Dutzend der kräftigen Vögel watschelt über den Leinpfad, die Hälse gereckt und hofft auf eine Fütterung durch die Passanten. Wir kurven im Slalom um die Tiere herum, die Radler bestens kennen und sich nicht um uns scheren. Unter strengem Corona-Regiment und nach Einchecken in die Luca-App wird uns ein großer Holztisch unter den Kastanienbäumen zugewiesen. Der Apfelstrudel mit Sahne und der Käsekuchen munden ebenso wie Capuccino und Eiskaffee. Das ist wirklich auch mal schön an diesem Sonntagnachmittag.

Danach werden die Kalorien bei der Weiterfahrt nach Großblittersdorf gleich wieder verbrannt. Doch die ebenfalls verlockende Einkehr im Café „Cotê Canal“ verkneifen wir uns diesmal, denn am Himmel dräuen bereits dunkle Wolken. Als wir wieder auf der Römerbrücke stehen und die letzten Stand-up-Paddler beobachten, die den  Fluss verlassen, fallen die ersten dicken Tropfen. Wir flüchten uns unter das Vordach des Heizkraftwerks und beobachten fast 45 Minuten lang den Starkregen, durch den manche, nass bis auf die Knochen, zu ihren Autos an der Bismarckstraße rennen. Der Spuk geht so schnell zu Ende, wie er begann. Trocken und zufrieden sagen wir nach drei Stunden an der Saar: Das war (auch mal) schön. Gerne wieder.