Zwischen Zähnen und Klauen

Werner Freunds Leben stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung in Quierschied. Walter Wolter, der eine Biografie über den Wolfsfreund geschrieben hat, verblüffte die Zuhörer mit abenteuerlichen Einzelheiten.

"Der mit dem Wolf tanzt" heißt ein Film mit Kevin Kostner. Ob der im Februar 2014 verstorbene Wolfsforscher Werner Freund (80) mit seinen Tieren tanzte, ist nicht bekannt. Bei der Lesung am Dienstagabend in der Quierschieder Gemeindebücherei gab ein Mann, der eine Biographie über Freund geschrieben hat, Einblicke in das Leben des Merzigers: Walter Wolter. Unter dem Titel "Werner Freund - ein Leben mit Tieren und Abenteuer" zeigte er den 2015 entstandenen Film und las aus seinem 2003 erschienenen Buch "Zwischen Zähnen und Klauen. Das Leben des Werner Freund " vor.

Blickt man auf die Vita des Wolfsfreundes, so kommt man um dessen Abenteuer-Vergangenheit nicht herum. Der 1950 in Nunkirchen geborene Wolter kann selbst auf entsprechende Erfahrungen zurückgreifen. Auf vielen der 15 Expeditionen Freunds hat ihn der Ex-Journalist Wolter begleitet. Gründe für das Kreuzen der Wege könnten berufliche Parallelen gewesen sein: Auch Wolter war Soldat und zog in jungen Jahren fort, um beruflich Fuß zu fassen. Was bei ihm der Journalismus in Süddeutschland und der Schweiz war, stellte bei Werner Freund die Ausbildung zum Tierpfleger in der Stuttgarter Wilhelma und die spätere Arbeit bei der Bundeswehr dar. Mit 17 habe Werner Freund sich bereits zu den Löwen in den Käfig gelegt.

Beide Männer kehrten ins Saarland zurück. Beim früheren Krimi-Autor Wolter war es ein wenig später, sprich Ende der 1990er-Jahre. Gut 25 Jahre zuvor waren die beiden zu Expeditionen , etwa nach Papua-Neuguinea, aufgebrochen. Das war für die damaligen Verhältnisse nicht nur abenteuerlich, sondern auch gefährlich. Nicht wenige der vorgelesenen Geschichten waren für die gut zwei Dutzend Zuhörer teils starker Tobak. Brutale Erlebnisse, die Freund und Wolter nicht nur einmal beinahe mit ihrem Leben bezahlt hätten, waren Alltag in den 20 Jahren der Weltreisenden - etwa drohender Kannibalismus. Teilweise, so Wolter, wurden die Expeditionen auch mit Ausrüstung von der Bundeswehr unterstützt. Selbst die Stasi interessierte sich dafür. Die glaubte, dass die auf diesen Reisen von Freund ausgebildeten Einzelkämpfer möglicherweise gegen die DDR eingesetzt werden könnten. Der damals zuständige Offizier hat dies nach der Wende bei einem Besuch in Merzig Werner Freund mitgeteilt. Der nämlich war vor seiner Wolfszeit zunächst als Ausbilder beim Fallschirmjägerbataillon 262 in Merzig beschäftigt. Maskottchen der Soldaten waren in der Kaserne gehaltene Bären . Da konnte es schon mal vorkommen, dass Freund mit Wolter nebst Bär in eine Gaststätte ging, die danach anders aussah als zuvor, oder mit dem Tier im offenen Jeep durch die Stadt fuhr.

17 Jahre lang widmete sich Freund den Bären , eher er nach und nach Anfang der 80er Jahre zum "Wolfsmensch" wurde. Die Tierliebe ging gar soweit, dass sich Freund zu Hause auch Pumas und Schlangen hielt. Wolter beschreibt ihn als einen zurückhaltenden und beruhigend wirkenden Menschen. "Ach du meine Güte", sei quasi sein maximaler Gefühlsausbruch gewesen. Gleichzeitig war der Abenteurer aber auch in der Lage, eine Königskobra mit der Hand zu fangen. "Sehr zärtlich war der Mann nicht", blickte Autor Wolter zurück. Das konnte man sich schon beim Ansehen des Filmes denken. Dennoch sei er "ein unvergesslicher, ein legendärer Mensch" gewesen. Die Wölfe hätten ihn "irgendwie vereinnahmt", blickte der Schriftsteller zurück.

Das Erbe Werner Freunds hat nach dessen Tod Tatjana Schneider angetreten. Die Holländerin kümmert sich nun um die 24 Wölfe im Merziger Kammerforst.