| 20:25 Uhr

So ein Theater!
Ein Verwirrspiel amüsiert vom Feinsten

Die Akteure des Theatervereins auf der Bühne mit dem Stück Der Meisterboxer.
Die Akteure des Theatervereins auf der Bühne mit dem Stück Der Meisterboxer. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Die Quierschieder Wohltätigkeitsbühne 1920 hat mit der Komödie Der Meisterboxer einen Volltreffer gelandet. Von Petra Pabst

Zu heftigen Turbulenzen kam es auf der Bühne der Quierschieder Q.lisse. Verursacht wurden diese Verwirrungen und Verwechslungen durch den Schwindel eines Marmeladenfabrikanten. Dieser hatte nämlich dreist seine zufällige Namensgleichheit mit einem berühmten Meisterboxer ausgenutzt, um hin und wieder von seiner Frau loszukommen. Dass auch noch der Sohn denselben Namen trägt und dieser ebenfalls etwas zu verheimlichen hat, machte das Verwirrspiel sehr zum Vergnügen des Publikums perfekt.


Aber ganz von vorne: Die Mitglieder des Quierschieder Theatervereins Wohltätigkeitsbühne 1920 haben mit den beiden Aufführungen der Komödie Der Meisterboxer von Carl Mathern und Otto Schwartz wieder einen Volltreffer gelandet. Mit rund 270 Plätzen war das Haus der Kultur zweimal ausverkauft. Die Eintrittskarten zu dem Lustspiel in  drei Akten waren binnen Minuten nach Vorverkaufsstart bereits vergriffen. So sehr waren die Theaterbesucher offensichtlich gespannt auf den Schwank.

Die ersten Ahs und Ohs aus dem Publikum waren zu hören, als der Vorhang sich hob. Das Bühnenbild entführte die Zuschauer in ein feudales Wohnzimmer der 50er-Jahre. Schon gleich in der ersten Szene erfahren die Zuschauer, was für ein Schlawiner Marmeladenfabrikant Friedrich Breitenbach  (Stefan Graß) ist. Mit Hecht, seinem Kompagnon (Udo Lehmann) hat er sich eine haarsträubende Geschichte ausgedacht. Seine Gattin Adelheit nämlich (Simone Günther) hält ihn mit karger vegetarischer Kost und Bitterwasser an der kurzen Leine. Um hin und wieder davor Reißaus nehmen zu können, gibt sich Breitenbach als Meisterboxer mit gleichem Namen aus und ist so ihrer Bewunderung sicher. Damit nicht genug, mit ihrem Gesundheitswahn hat Adelheid auch ihre Freundin Amalie Wipperling (Petra Groß) angesteckt, die ihren Gatten ebenfalls mit Gemüse und Sport drangsaliert. Der arme Herr Wipperling (Rosario Scivoli) weiß nicht, wie ihm geschieht. Er wird eingeweiht und soll bei den heimlichen Schlemmertouren dabei sein. Es kommt, wie es kommen muss: Der Schwindel fliegt auf, als der echte Meisterboxer Breitenbach (Stephan Groß) ausgerechnet zum Geburtstag des Fabrikanten zu einem Kampf in die Stadt kommt. Die Frau des Marmeladenfabrikanten will ihrem Mann natürlich beim Boxen zusehen, und dessen Tochter Lotte (Lena Graß) macht zu allem Übel auch noch Liebesbekanntschaft mit dem echten Meisterboxer. Die haarsträubenden Versuche, den ganzen Schwindel zu vertuschen, den die Gattin immer wieder zu durchschauen droht, brachten das begeisterte Publikum zum Schreien vor Lachen.



In der Zwischenzeit gibt sich auch noch Sohn Fritz (Jochen Weber) bei seiner heimlichen Liaison, der temperamentvollen und eifersüchtigen Tänzerin Colette (Daniela Clarke), als der Boxer aus. Als diese nun auch noch in den Komödienring steigt, ist die Verwirrung perfekt, und es kommt zum wörtlichen Kampf um die Wurst.

„Dieser Stefan Graß ist eine echte Rampensau“, sagte ein Gast während der Pause zu seiner Begleitung. Auch Iris Kröner, die mit ihrer Schwester und Freunden aus Göttelborn gekommen war, bekennt, Fan der Theatergruppe zu sein. „Ich habe selbst lange Theater gespielt und die Komödien der Wohltätigkeitsbühne schon acht Mal besucht. Da steckt in jeder Rolle ganz viel Persönlichkeit der Darsteller. Das ist großartig.“

Ellen Meyer ist mit Freundinnen des Kneipp-Vereins gekommen. Sie wischt sich die Lachtränen von den Wangen. „Wenn diese Truppe spielt, muss man einfach hin. Dann stellt sich immer eine von uns beim Vorverkauf in die Schlange, damit wir auch tatsächlich alle eine Karte bekommen.“

Der Kampf ging eindeutig nach Punkten zugunsten des Publikums aus. Das zeigte sich auch im nicht enden wollenden Applaus. Wie es bei der Wohltätigkeitsbühne Tradition ist, werden die Erlöse der Theaterabende anteilig für gute Zwecke gespendet.

Mit Stefan Graß hatte Monika May die Spielleitung und ist auch als Dienstmädchen Rosa auf der Bühne aufgetreten. Sie verkündete die Empfänger: „In diesem Jahr spenden wir jeweils 500 Euro an den Saarbrücker Kältebus und den ASB-Wünschewagen.“

Weitere 200 Euro aus einer Auftrittsgage im Sommer gehen an die Initiative Hilfe durch Sport Quierschied.