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Wer gesund macht
Wenn junge Menschen sich uralt fühlen

Gabriela Weiskopf und Laszlo Szabo bei der Alterssimulation im Gesundheitszentrum.
Gabriela Weiskopf und Laszlo Szabo bei der Alterssimulation im Gesundheitszentrum. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Tag der offenen Tür im Medicus Gesundheitszentrum: Ein Selbstversuch im Alterssimulationsanzug. Von Petra Pabst

Was lernt man in der Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin? Ist der Beruf als Gesundheits- und Krankenpfleger das richtige für mich? Antworten auf diese und viele weitere Fragen konnte man am vergangenen Freitag beim Tag der offenen Tür im Medicus Gesundheitszentrum in Quierschied finden. „StartNOW“ (Starte jetzt) lautete das Motto der Veranstaltung, bei der die SHG Bildung und die Berufsakademie für Gesundheits- und Sozialwesen Saarland (BAGSS) insbesondere junge Menschen über Berufschancen, Studiengänge und Ausbildungen im Gesundheitswesen informierten.


Die SHG Bildung stellte ihre Ausbildungsgänge in den Bereichen Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Heilerziehungspflege und Podologie vor. Die BAGSS präsentierte ihre Studienangebote in Physiotherapie, Ergotherapie, Pflege, Management in Organisationen des Gesundheitswesens, Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Soziale Gerontologie sowie Berufspädagogik im Gesundheitswesen. In berufstypischen Szenen hatten die Besucher die Möglichkeit, ihre Interessen und Stärken zu testen. Dafür standen verschiedene Info-Stände und Stationen mit praktischen Selbsterfahrungsübungen bereit.

Zum Beispiel ein Rollstuhlparcours: Hier demonstrierten David Heitz und Merlin Stolz, Auszubildende in der Heilerziehungspflege, was es heißt, mit einem Rollstuhl kurvige Wege zu fahren und Hindernisse oder Unebenheiten zu überwinden. Für besonders Mutige stand auch ein Rollstuhl an einem Wiesenhang.



„Der Beruf ist gewissermaßen eine Kombination aus Krankenpfleger, Pädagoge und Sozialarbeiter. Man kann damit später beispielsweise in Psychiatrien arbeiten oder auch in Wohnheimen, integrativen Kindergärten oder Werkstätten. Das macht es so interessant“, erklärt Merlin Stolz seine Berufswahl. „Unsere Schüler werden später Menschen mit Behinderungen in allen Lebenslagen begleiten und ihnen assistieren. Da muss man wissen, wie man den alltäglichen Hindernissen begegnet“, erläutert Marion Keßler, Schulleiterin für Heilerziehungspflege.

Viel Eindruck bei den Besuchern hinterlässt auch die Erfahrung mit dem Alterssimulationsanzug. Gabriela Weiskopf, Lehrkraft der Fachschule für Altenpflege, demonstriert am eigenen Leib die Auswirkungen des Alterns. Gerade versucht der Auszubildende Laszlo Szabo mit der mit Sand gefüllten, kiloschweren Weste, schweren Hand-, Nacken und Fußgelenkmanschetten, Kopfhörern und einer verdunkelten Brille den Gang entlangzugehen. Das gelingt nur langsam, unsicher und schleppend. „Man erfährt so, wie es sich anfühlt, wenn im Alter die Muskelmasse abnimmt, sich Knochen und Gelenke versteifen und der gesamte Bewegungsapparat eingeschränkt wird. Zusätzlich kann die Sehkraft durch verschiedene Erkrankungen nachlassen, Schwerhörigkeit kann sich einstellen“, erklärt Weiskopf das Geschehen.

„Man hat Angst, zu fallen, die Schultern schmerzen und es ist sehr bedrückend“, beschreibt Dijana Rahmanovic aus Quierschied die eben gemachte Erfahrung. Monika Kilburg und Martin Gregorius, Lehrkräfte für Pflegeberufe und Physiotherapie, demonstrieren bei Übungen am Pflegebett mit einem Besucher, wie man einen bewegungslosen Patienten mit geübten Handgriffen richtig positioniert. „Die Selbsterfahrung ist immens wichtig und nicht wegzudenken in der Ausbildung“, sagen beide. Interessiert hört die 15-jährige Zoé Jenewein aus Quierschied zu, was der Pflegeberuf so alles mit sich bringt. Zusammen mit Mutter Jessica und Papa Markus, der selbst in der Pflege arbeitet, hat sie die Gelegenheit genutzt, ihren Berufswunsch zu festigen. „In zwei Jahren mache ich mittlere Reife und nächstes Jahr ein Praktikum. Ich will später einmal im sozialen Bereich arbeiten, denn das finde ich vielfältig und spannend“, erklärt sie. Aber es geht nicht nur praktisch zu beim Tag der offenen Tür. Auch trockenere Themen wie Unternehmensgründung, rechtliche Grundlagen, Rahmenbedingungen, Kostenrechnung, Qualitätsmanagement und vieles mehr werden angesprochen, denn das gehört mitunter dazu, wenn man sich selbstständig machen will. Für einen lockeren Abschluss sorgte schließlich am Abend die saarländische Punkrock-Band „Blingpoint“ und rundete die gelungene Veranstaltung damit ab.