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Was Worte eigentlich anrichten können

Was Worte eigentlich anrichten können

Die Angst vor Mitschülern und deren Verhalten können krank machen. Was sich hinter dem Begriff Mobbing verbirgt, wird Schülern beispielhaft vermittelt.

Beim Gang über den Schulhof wird Roman flau im Magen. 20 Meter weiter entdeckt er seine Klassenkameraden. Noch haben sie ihn nicht gesehen, aber Romans Puls rast, und seine Hände beginnen zu schwitzen. Ein Junge aus seiner Klasse dreht sich in seine Richtung, zeigt auf ihn und alle beginnen zu lachen. Gesprochen haben sie schon seit Tagen nicht mehr mit ihm, höchstens eine abfällige Bemerkung gemacht. Am nächsten Tag meldet sich Roman krank, die Angst vor seinen Mitschülern bereitet ihm Übelkeit.

So wie Roman geht es vielen Jugendlichen in Deutschland, sie sind Opfer von Mobbing . Damit so etwas in Quierschied nicht passiert, haben die Sozialarbeiterinnen Susanne Schäfer und Jennifer Kasper des Jugendzentrums (Juz) Quierschied vor drei Jahren das Projekt "Ich bin dabei - bist du dabei? Gemeinsam gegen Mobbing " gestartet. Schülerinnen und Schüler der fünften und siebten Klassen besuchen hierfür mit ihren Klassenlehrern das Juz und lernen sechs Stunden lang etwas über Mobbing und den respektvollen Umgang miteinander.

"Wir stellen ihnen dann fragen zum Thema Mobbing , machen Rollenspiele und besprechen Situationen, bei denen hinterfragt wird: Ist das schon Mobbing ?", erzählt Jennifer Kasper. Damit sollen die Jugendlichen in diesem Bereich mehr sensibilisiert werden. "Denn vielen ist gar nicht bewusst, was Worte eigentlich anrichten", erklärt Susanne Schäfer. Manchen sei auch gar nicht klar, wo Mobbing bereits anfängt. Deshalb stellen die Sozialarbeiterinnen den Schülern erst Fragen, was sie unter Mobbing verstehen und nennen später auch seine Definition. Mobbing kann sowohl verbal stattfinden als auch körperlich - etwa mit einem kleinen Schupser oder direktem Wegdrehen, wenn sich eine unbeliebte Person nähert. "Wichtig ist hierbei, dass Mobbing immer regelmäßig stattfindet und ein Mobber auch immer Mitläufer hat", sagt Kasper dazu. Und genau hier gibt es viele Ansatzpunkte, um Mobbing zu beenden: einfach diese Gemeinheiten nicht unterstützen und auch mal sagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

"Man muss nicht jeden mögen, aber jedem Menschen Respekt erweisen", erklärt Schäfer, "die Welt ist groß genug, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen." Natürlich habe jeder Mal einen schlechten Tag und sei vielleicht etwas unfreundlich. "Aber dann muss man auch die Courage haben, um später wieder hinzugehen und das auch so zu sagen", erklärt die Nalbacherin.

Und die vielen Tipps während des Mobbingprojekts tragen Früchte. Die Kinder öffnen sich nicht nur und haben bei den vielen Spielen für mehr Teamgeist jede Menge Spaß, sie sind danach auch viel aufmerksamer. "Sie kommen morgens rein und gehen anders wieder raus", sagt Schäfer. "Man kann's sich kaum vorstellen, weil's nur ein Tag ist", erzählt auch Kasper, "aber es ist schön zu sehen, was auch danach noch passiert." Dann beginnt die eigentliche Arbeit für die Jugendlichen. Sie erstellen ein Regelwerk für den respektvollen Umgang miteinander und versuchen, dieses dann jeder für sich umzusetzen. Viele besuchen danach auch regelmäßig das Juz und erzählen von ihren Erlebnisse. "Die schönste Erfahrung für mich war, als wir ein Gruppenfoto gemacht haben und ein Junge, der zuvor erzählt hat, dass er gemobbt wird, in der Mitte des Fotos Arm in Arm mit seinen ehemaligen Feinden steht", erzählt Schäfer.