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Was passiert mit dem Grundwasser?

Allein in Camphausen sind im Jahr 2013 nach Darstellung der Ruhrkohle AG (RAG) 1,7 Millionen Kubikmeter Grubenwasser abgepumpt worden. Archiv-Foto: Maximilian Jungmann
Allein in Camphausen sind im Jahr 2013 nach Darstellung der Ruhrkohle AG (RAG) 1,7 Millionen Kubikmeter Grubenwasser abgepumpt worden. Archiv-Foto: Maximilian Jungmann FOTO: Maximilian Jungmann
Sulzbachtal/Fischbachtal. Zu den derzeit heftigen Diskussionen um die Auswirkungen eines Grubenwasseranstiegs gab's am Dienstagabend eine Info-Veranstaltung im Salzbrunnenhaus. Fraglich, ob alle Bedenken zerstreut werden konnten. Dennis Langenstein

Auf Einladung der Stadt Sulzbach erläuterte Dr. Axel Schäfer, Obermarkscheider der RAG, im jüngsten Finanzausschuss die Pläne zum Grubenwasseranstieg. "Es geht darum, unsicheren Gefühlen entgegenzuwirken und Fragen wie ‚Was passiert mit dem Grundwasser ?' zu beantworten", erklärte Bürgermeister Michael Adam .

"Damit der Bergmann einen trockenen Arbeitsplatz hatte, musste ständig das Wasser aus den Gruben abgepumpt werden", erläuterte Schäfer. Allein in Camphausen seien 2013 1,7 Millionen Kubikmeter abgepumpt worden. Zusammen mit den Gruben Reden, Viktoria, Luisental und Duhamel würden sich rund 18 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr ergeben. Dennoch stehe in allen genannten Gruben das Wasser. Nur in verschiedenen Tiefen. Der Erblastenvertrag, der 2009 zwischen Politik und RAG geschlossen wurde, verpflichte die RAG zur Optimierung dieser Wasserhaltungen, so Schäfer. Und daher plane man nun, durch bereits bestehende unterirdische Verbindungen den Wasserstand in den fünf Gruben aneinander anzugleichen - auf 320 Meter unter Normal Null. Dies solle in mehreren Teilschritten geschehen, die jederzeit gestoppt werden könnten. Bevor es soweit kommt, müsste die RAG mittels der neuen Planungen allerdings zunächst ein neues Genehmigungsverfahren beantragen. Allein dieses Verfahren würde mitsamt aller notwendigen Schritte mindestens drei Jahre in Anspruch nehmen. Schäfer: "Allein für die Studie zur Umweltverträglichkeit muss eine völlige Vegetationsperiode betrachtet werden." Ist alles genehmigt, würde der Wasserstand in den Gruben innerhalb drei weiterer Jahre angeglichen. Damit müsste dann nur noch am tiefsten oberirdischen Punkt - in Duhamel - gepumpt werden. Kleinere regionale Gewässer sollen so auch vom Industriewasser befreit werden.

Schäfer versuchte die Befürchtungen vor Erdstößen zu zerstreuen: "Seit dem Wasseranstieg in Reden wurden keine nennenswerten Erschütterungen festgestellt." Langfristig betrachtet könnte das Wasser in den Gruben allerdings weiter steigen. Treten bei dem ersten Schritt keine Probleme auf, plant die RAG das Wasser so weit steigen zu lassen, das es ohne Pumpen aus Duhamel fließt. "Frühestens 2035 könnte ein freier Zulauf zur Saar hergestellt werden", allerdings existierten hierzu noch keine konkreten Planungen, so Schäfer.

Peter Bastian (CDU ) interessierte sich für die Dauer der Maßnahmen und wollte mehr über die mögliche Kontamination des Wassers durch PCB erfahren. "Theoretisch könnten die Maßnahmen ewig andauern. Langfristig ermöglicht die topografische Lage, dass es endlich werden könnte - wenn das Wasser letztendlich in Ensdorf ohne Pumpen rausläuft", erklärte Schäfer. Allerdings: "Je höher das Wasser in den Gruben steht, desto mehr Auswirkungen wird es auf die Erdoberfläche geben." Auch beim Thema PCB versuchte Schäfer zu beruhigen: "PCB ist schwerer als Wasser und hydrophob - es geht mit dem Wasser keine Verbindung ein." Da das Wasser in den Gruben still stehe, gehe man davon aus, dass sich das PCB am Boden ablagert. Und da die riesigen Pumpen das Wasser 30 Meter unter der Wasseroberfläche absaugen würden, sei auszuschließen, dass leichtere Schwebstoffe wie beispielsweise Öl an die Oberfläche treten, entgegnete Schäfer gegenüber der SZ, und: "Natürlich muss das abgepumpte Wasser ständig kontrolliert werden." Auch eine Kontamination des Trinkwassers schließt Schäfer aus. Einmal sei der Abstand zwischen Grubenwasser und Trinkwasser mit 500 Metern groß, zum anderen sei das Trinkwasser in nach unten wasserdichten Sedimentschichten eingelagert, die eine Vermischung ausschließen würden.