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Volles Gotteshaus
Viel Applaus für eine gelungene Mischung

Der ELSch-Chor in der Nacht der Kirchen in Fischbach.
Der ELSch-Chor in der Nacht der Kirchen in Fischbach. FOTO: Thomas Seeber
Fischbach. Zur Nacht der Kirchen ist das evangelische Gotteshaus in Fischbach mit purpurfarbenen Pfingstrosen und Kerzen geschmückt. Lockere Gespräche bei Fingerfood. Von Petra Pabst

Sogar der Himmel spendete am Abend des Pfingstsonntags kurzzeitig im wahrsten Sinne des Wortes „donnernden“ Applaus. Die Gospels der Spiritual-Suite des Ökumenischen Frauenchors Fischbach schienen ihm genau so gut zu gefallen, wie dem Publikum, das erfreulich zahlreich der Einladung zur „Nacht der Kirchen“ gefolgt war. 46 Gotteshäuser landesweit öffneten in diesem Jahr am 20. Mai zum 10. Mal ihre Türen für Musik, Lesungen, Filme, Tanz, Kabarett, Licht, Gastfreundschaft, aber auch Stille und Gebet.


„Damit laden die Kirchengemeinden im Saarland alle Menschen, egal welcher Religion, Konfession, welcher Herkunft ein. Alle können eintreten, zuschauen, mitmachen, sich berühren und begeistern lassen“ hieß es in der Einladung. Eröffnet wurde die „Nacht der Kirchen“ um 18 Uhr mit einem Gottesdienst in der Saarbrücker Ludwigskirche unter dem Motto „Lass das Feuer wieder brennen“. Anschließend wurde auf dem Ludwigsplatz das Pfingstlicht an die Besucher verteilt, die es weiter in die teilnehmenden Gemeinden trugen. Presbyterin Eva Rech kam kurz nach 20 Uhr mit ihrer Kerze in Fischbach an. Hier wagte man sich in der mit purpurfarbenen Pfingstrosen und Kerzen geschmückten evangelischen Kirche, Neues auszuprobieren und verband Klassisches mit Zeitgenössischem. Spielerisch und nachdenklich ging es dabei zu, sehr musikalisch und mitunter meditativ. Den Auftakt machte nach der Begrüßung durch Pfarrerin Tabitha Mangold der „ELSch-Chor“, ein stimmlich starkes Gesangsensemble bestehend aus Eltern, Lehrkräften und (zum Teil ehemaligen) Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasiums Sulzbach unter der erfahrenen Leitung von Marie-Luise Keller-Sandner. Mit geistlichen und weltlichen „Liedern zwischen Himmel und Erde“ begeisterten sie mehrstimmig mit schwierigen und stimmungsvollen Chorwerken wie „Adiemus“, „You raise me up“ oder „The Rose“. Bei „All you need is love“ von den Beatles überzeugten die beiden jungen Solisten Anthony Reimer und Christoph Beer und bei „Oh happy day“ konnten die Gäste, die bis in die Empore Platz genommen hatten, gar nicht anders, als begeistert mitzusingen und zu klatschen.

Im zweiten Teil des Abends wurde es andächtig beim virtuosen Violinenspiel des 16-jährigen Quierschieders Simon Schweitzer, Schüler der Musikschule Sulzbach-/Fischbachtal. Einfühlsam und mit viel Gefühl trug er das lyrisch-romantische Adagio aus dem ersten Violin-Konzert von Max Bruch in g-moll vor, begleitet von Elline Owen am Piano. Solistisch bot er im Anschluss fünf Variationen auf das Lied „Komm lieber Mai“ von Mozart aus der Sonate für Violine solo opus 31/2 von Paul Hindemith und erntete mit seinem Vortrag verdient begeisterten Applaus, bevor es in die Pause ging.



Ehrenamtliche hatten für die Kirchenbesucher köstliches Fingerfood vorbereitet, und man kam ins Gespräch miteinander. Mit dem Kanon „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“ läutete schließlich der Ökumenische Frauenchor unter der Leitung von Ralf-Michael Becker den zweiten Teil des Abends ein und präsentierte Gospels und andere Lieder unter dem Motto: „Nun singet und seid froh“. Die elfköpfige Gesangsgruppe überzeugte mit klaren Stimmen und wunderschönen Darbietungen. Besonders das kraftvolle schwedische Lied „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“ sorgte für Gänsehautmomente beim Publikum.

„Und jetzt wird es ganz anders“ versprach Organist Simon Gräber, der gemeinsam mit Studenten der Hochschule für Musik Saar für „Sprachverwirrung und Spracherleuchtung“ sorgte, unter anderem mit dem „Turmbau zu Babel“ des deutsch-argentinischen Komponisten Mauricio Kagel. Die Aussage im alten Testament „Lasst uns herabsteigen und ihre Sprache verwirren“ wurde modern lautmalerisch umgesetzt und anschließend einer Bachkantate für den dritten Pfingsttag gegenübergestellt.

Die klaren wohlklingenden Stimmen von Karline Cirule und Susanne Mayer (Sopran) verbanden sich mit denen von Axel Paridon (Tenor) und Johannes Kruse (Bariton) zu einem herrlichen Wohlklang. Das virtuose Blockflötenspiel von Christina Ewald tat sein Übriges und so hob sich das begeisterte Publikum bei seinem Schlussapplaus zu verdienten stehenden Ovationen von seinen Sitzen.