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Unabhängig zur Urwahl antreten

Lutz Maurer Foto: Seeber
Lutz Maurer Foto: Seeber FOTO: Seeber
Quierschied. Am 31. Mai sind die Einwohner von Quierschied zur Urwahl aufgerufen: Sie können dann einen Nachfolger von Bürgermeisterin Karin Lawall wählen. Als Erster hat jetzt Lutz Maurer seinen Hut in den Ring geworfen. Patric Cordier

Dunkler Anzug, aber keine Krawatte. Den obersten Knopf des Hemdes offen, das Kleidungsstück aber in der Hose. Kontrolliert lässig präsentierte sich Lutz Maurer, der erste Kandidat um die Nachfolge von Quierschieds Bürgermeisterin Karin Lawall , gestern in der Lokalredaktion der Saarbrücker Zeitung. "Ich bin 50 Jahre alt und lebe seit 50 Jahren in Quierschied ", sagt Maurer, "von daher kenne ich die Probleme und Sorgen in der Gemeinde, bin gut vernetzt." Seit sechs Jahren ist der Diplom-Betriebswirtschaftler Vorsitzender des Quierschieder Fußballvereins. "In dieser Funktion muss man zu vielen Terminen in der Gemeinde, hat Kontakt zu anderen Vereinen und Institutionen. Immer wieder wurde der Vorschlag an mich herangetragen, doch als Bürgermeister zu kandidieren", schildert Maurer den Weg der Entscheidungsfindung, "Ende vergangenen Jahres wurde die Idee dann konkreter. Nach einigen Gesprächen mit meiner Frau Sandra habe ich mich dann zur Kandidatur entschieden."

Maurer gehört keiner Partei an. Dass er nie Mitglied einer politischen Organisation war, ist eine Tatsache, die ihm sehr wichtig ist. Aber er wird von SPD und CDU unterstützt. Beide großen Parteien haben dies auf Mitgliederversammlungen am Wochenende jeweils einstimmig so beschlossen. "Das ist natürlich eine kleine Sensation, wenn man die Geschichte Quierschieds kennt und die Jahrzehnte andauernden Auseinandersetzungen zwischen den Parteien", betont Sozialdemokrat Stephan Schmidt. Für ihn wie für seinen christdemokratischen Kollegen Timo Flätgen ist es kein Armutszeugnis der Volksparteien , keinen eigenen Kandidaten zu stellen. Flätgen erklärt: "Maurer ist ein geeigneter Kandidat. Das Signal ist doch eindeutig und ein klares Zeichen der Zeit. Es zeigt, dass in Quierschied alle an einem Strang ziehen."

Damit Maurer überhaupt zur Wahl antreten darf, braucht er bis zum Ende des Monats 99 Unterstützer-Unterschriften. Seinen Wahlkampf wird er aus eigener Tasche bestreiten. Ungeachtet des Umstandes, dass weitere Bewerberinnen oder Bewerber antreten können, will sich Maurer aber auf jedem Fall der Wahl stellen. "Gäbe es nur einen Bewerber, müsste der dann seine Kandidatur zurückziehen, um so dann über den Gemeinderat gewählt werden zu können", erklärt Maurer das Prozedere, das zwar der Gemeinde Geld sparen könnte, der Legitimation des Amtes aber nicht wirklich dienlich sein würde. "Ich habe mich mit dieser Kandidatur klar für dieses Amt entschieden, noch bevor die beiden großen Parteien mir ihre Unterstützung angeboten haben", sagt Maurer und erklärt im Hinblick auf die wegen der künftigen Zusammenlegung von Kommunal- und Urwahlen verkürzte Amtszeit bis 2024: "Ich komme aus der freien Wirtschaft, kündige ein sicheres Arbeitsverhältnis. Ich sehe mich nicht als Übergangsbürgermeister."

Als Betriebswirtschaftler wird Maurer seine Arbeits-Schwerpunkte sicher im Bereich Haushalt und Finanzen setzen, auch wenn "die Einsparpotenziale deutlich geringer geworden sind". Viele Projekte seien unter der Federführung von Karin Lawall ja bereits auf den Weg gebracht. Die Umsetzung beispielsweise des Baus des Kultursaals oder der Neugestaltung der Göttelborner Ortsmitte trügen aber einige Unwägbarkeiten in sich. Maurer will den Standort Quierschied aufwerten - für Unternehmen und als Wohnort. Der Kandidat will das Nahverkehrssystem optimieren, besonders vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft.

"Quierschied lebt aber auch von seinen großen und aktiven Vereinen und von Menschen, die dort ehrenamtlich das Gesicht der Gemeinde prägen", sagt Maurer, "sie muss man mitnehmen. Ich will als Bürgermeister für alle Quierschiederinnen und Quierschieder offen sein."


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Zur PersonLutz Maurer wurde 1965 in Quierschied geboren. Nach dem Abitur studierte er Betriebswirtschaftslehre in Mannheim, schaffte 1989 den Abschluss als Diplom-Betriebswirt. Seit 17 Jahren arbeitet er für ein Anlagebau-Unternehmen im Bereich des Projektcontrollings mit entsprechender Personalverantwortung. Maurer ist verheiratet und hat einen 14-jährigen Sohn. Die knappe Freizeit, die neben Arbeit und dem Ehrenamt als Vorsitzender der SpVgg. Quierschied bleibt, verbringt der Fan des US-Musikers Bruce Springsteen als passionierter Hobby-Koch am liebsten in der Küche. cor