Über 60 Hochwasser-Geschädigte haben sich im Rathaus gemeldet

Über 60 Hochwasser-Geschädigte haben sich im Rathaus gemeldet

Halbwegs mit einem blauen Auge ist Quierschied bei den Überflutungen der letzten Wochen davongekommen. Die Starkregen-Ereignisse beschäftigten nun auch den Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

"Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen", zieht Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer eine weiterhin vorläufige Bilanz der jüngsten Starkregen-Ereignisse und der dadurch bedingten Überflutungen. Der Verwaltungschef räumt aber ein: "Das ist für die Betroffenen natürlich nur ein schwacher Trost." Über 100-mal musste die Feuerwehr ausrücken, über 60 Schadensanzeigen sind mittlerweile im Rathaus eingegangen. Maurer war auch beim "Hochwassergipfel" der betroffenen Bürgermeister-Kollegen mit Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer . Mittlerweile wurden Sofortmaßnahmen für besonders betroffene Bürgerinnen und Bürger in Aussicht gestellt (wir berichteten).

"Das Land trägt 40 Prozent der Kosten, der jeweilige Landkreis und Kommunen jeweils 30 Prozent", sagte Maurer und erntete damit auch Proteste. "Da wir ja über die Umlage den Regionalverband finanzieren, bleibt die größte Belastung bei den Kommunen", meinte Karl Heinz Lander von der Quierschieder SPD . Maurer ergänzte, dass es "über das Ministerium für Inneres und Sport Bedarfszuweisungen in Höhe von einer Million Euro für Schäden an kommunalen Einrichtungen, wie Kanäle, Straßen, Wege und Plätze" geben wird. Quierschied will nach aktuellem Stand davon 150 000 Euro abrufen. Eine weitere gute Nachricht: Notwendige Kredite der Kommunen werden nicht auf den üblichen Kreditrahmen angerechnet, damit die Einhaltung der Schuldenbremse nicht zusätzlich erschwert wird.

Doch es muss auch über die Ursachen und Maßnahmen gesprochen werden. "Dass es diesmal viele nicht so schlimm getroffen hat wie 2009, kann man als Indiz dafür sehen, dass die Hochwasserschutz-Maßnahmen der letzten Jahre gegriffen haben", sagte SPD-Fraktionssprecher Stephan Schmitt, "aber wir müssen nicht mehr von 100-jährigen oder 50-jährigen Regenereignissen reden, wenn wir alle drei Monate solche Ereignisse haben. Wir haben eine flächendeckende Problematik." Eine Verdopplung der Dimension der Kanäle sei keine Lösung, es gebe einfach kein Patentrezept, weil beispielsweise achtlos weggeworfener Grünschnitt stellenweise Abflüsse verstopfte. Schmitt forderte zusätzliche Informationen über das Quierschieder Kanalsystem und die Arbeit der "Hochwasserpartnerschaft Mittlere Saar".

Diese Gruppe war im Jahr 2010 ins Leben gerufen worden, um die Starkregen-Ereignisse von 2009 aufzuarbeiten und Vorsorge-Empfehlungen für die Zukunft zu geben. Grundsätzlich müsse man das Thema auch wissenschaftlich angehen. "Es ist von den Kommunen alleine aber nicht stemmbar, diese Expertise aufzubringen. Dafür spielen zu viele Einzelaspekte eine Rolle", hofft Lutz Maurer hier auf noch mehr Engagement der Landesregierung.

"Es muss jetzt an die vorhandenen Ergebnisse angeknüpft werden, und man muss genau hinschauen, wo Probleme bestehen und weitere Veränderungen vorgenommen werden müssen", findet auch Quierschieds CDU-Sprecher Timo Flätgen, "es ist sicher, dass dies nicht das letzte Ereignis dieser Art war, mit dem wir uns beschäftigen müssen." Man muss offensichtlich noch mehr für den Hochwasserschutz tun, denn es gibt keine Garantien, dass es beim nächsten Mal beim "blauen Auge" bleibt.