Talentierte Tüftler ernten hier ein freudiges Lächeln

Talentierte Tüftler ernten hier ein freudiges Lächeln

Ob man an dem Bügeleisen hängt, das bereits vor Jahren den Geist aufgab, oder an der ollen Nähmaschine: Die Männer und Frauen des Quierschieder Reparaturzirkels wissen, wie man geliebten Objekten wieder Leben einhaucht.

Hans Heinrich Schmidt macht den Bohrhammer von Rainer Meisberger (links) wieder flott.

Es ist kurz nach 15 Uhr, und es sammelt sich eine größere Schar auf dem Schulgelände der Taubenfeldschule in Quierschied . Berufstätige, Hausfrauen, Rentner sind mit dabei. Die Frage ist nur, wohin sie strömen. Zum Reparatur-Zirkel, der sich mittlerweile im ehemaligen Wellenhallenbad (Im Eisengraben) befindet.

Vor mehr als zwei Jahren hatte der Quierschieder Lothar Strobel die Idee zu dieser Arbeitsgemeinschaft, die er der Gemeinde vorschlug. "Man hat mich von Anfang an unterstützt, uns die Räume zur Verfügung gestellt und sofort einen Aufruf im Quierschieder Amtsblättchen gestartet", sagt er. "Ich bin erstaunt, dass es permanent so gut läuft. Mittlerweile treffen wir uns bereits zum 20. Mal, um Elektroartikel, Haushalts- und Holzartikel zu reparieren", erzählt Strobel der SZ.

Die Devise des Reparatur-Zirkels lautet: "Kommen und mitmachen anstatt bringen und abholen". Es ist eine Art Hilfe zur Selbsthilfe. "Natürlich gibt es auch Rahmenbedingungen, die für uns wichtig sind", berichtet der Gründer, "wir haben einen Anmeldebogen, wo sich jeder mit seinem Namen und seinem ,Problem' einträgt. Darüber hinaus bitten wir die Leute, bei der Reparatur dabeizubleiben und eventuell auch zu helfen." Eine Garantie, wie lange der reparierte Staubsauger hält, könne man natürlich nicht geben, dafür habe man aber eine Menge Geld gespart. Es gibt aber auch Großgeräte, wo man sich lieber an einen Fachbetrieb wenden sollte, zum Beispiel bei kaputten Kühlschränken, Waschmaschinen oder Computern. Das Größte, was die Hobbyhandwerker wieder zum Laufen gebracht haben, war ein Rasenmäher. Hier bezahlt man die Menschen, die daran beteiligt sind, nicht mit Geld , sondern mit einem Lächeln.

Beim ersten Mal kamen auf Anhieb 20 Leute und auch heute noch seien es im Durchschnitt mindestens 15 Interessenten pro Termin. Der Reparatur-Zirkel hat sich damit nicht nur etabliert, sondern scheint auch durch die Mund-zu-Mund-Propaganda so bekannt geworden zu sein, dass nicht nur Leute aus Saarbrücken, sondern auch aus Saarlouis und sogar Rheinland-Pfalz eine Lösung zu ihrem Problem von den Teilnehmern bekommen haben.

Zu der Stammkundschaft gehört Rosina Calcagno. Sie weiß, was es heißt, ein ganz altes Bügeleisen wieder benutzen zu können. "Man hängt einfach an diesen Sachen und ist dann sehr glücklich, wenn einem geholfen wird." Calcagno erfuhr von diesem Treffen durchs Fernsehen und einen SZ-Bericht: "Man kann hier wirklich jede Menge Geld sparen", sagt sie begeistert. "Mir hat man schon neben dem Bügeleisen einen Receiver und eine Nähmaschine repariert". Man lerne hier etwas über das Handwerk und vor allem auch nette Menschen kennen.

Am Donnerstag hatte sie ihre Freundin dabei, die ebenfalls ihre Nähmaschine nicht wegwerfen, sondern den fleißigen Helfern anvertrauen wollte. "Etwas Zeit sollte man allerdings schon mitbringen" erklärt Lothar Strobel. "Denn wenn, so wie heute, viel los ist, kann es vorkommen, dass man etwas warten muss." Der Nähmaschinen-Fachmann heißt Bernhard Wecker: "Ich bin schon von Anfang an dabei und finde es einfach wunderbar, dass Herr Strobel diese Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen hat. Man sollte nicht wegen jeder Kleinigkeit alles wegwerfen, sondern lieber zu uns kommen", meint der erfahrene Mechaniker- und Kommunikationselektroniker-Meister.

Helfende Hände sind jederzeit gern gesehen: "Einfach mit Werkzeug vorbeikommen und sich bei uns vorstellen", sagt Strobel. "Wir freuen uns über jeden, der so wie wir gerne bastelt."

Die nächsten Termine sind am 20. November und 18. Dezember, 15-17 Uhr.

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