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Gerade jetzt!
Sicherheit ist keine Frage des Alters

Hier zeigen Schüler und Schülerlotsen, wie man im Straßenverkehr trotz dunkler Kleidung gut zu sehen ist.
Hier zeigen Schüler und Schülerlotsen, wie man im Straßenverkehr trotz dunkler Kleidung gut zu sehen ist. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Der Seniorenbeirat und die Gemeinschaftsschule hatten zu der Veranstaltung „Sehen und gesehen werden“ eingeladen. Von Patric Cordier

Ein Auto kommt von der Seite heran, erfasst einen Fußgänger. Die Beine knicken weg wie Streichhölzer, der Kopf durchschlägt die Windschutzscheibe. Am vergangenen Mittwoch war es nur ein Video von einem Crashtest mit einem Dummy. Doch in der gerade einsetzenden dunklen Jahreszeit steigt die Gefahr für Unfälle drastisch an.


Auch deshalb hatte der Seniorenbeirat der Gemeinde Quierschied gemeinsam mit der Gemeinschaftsschule zur Veranstaltung „Sehen und gesehen werden“ in die Q.lisse eingeladen. „Verkehrssicherheit ist ein ganz wichtiges Thema“, betonte Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer, „für Seniorinnen und Senioren genauso wie für Jugendliche. Ich glaube, die Veranstaltung hat auch gegenseitiges Verständnis geweckt“.

Moderator Winfried Ehlert erzählte beispielsweise aus eigener Erfahrung, dass die Mikrofone vieler Hörgeräte nur nach vorne gerichtet sind, sodass man das Klingeln eines von hinten kommenden Fahrradfahrers leicht überhören kann. Außerdem helfen Brillen beim Sehen, doch nur wenn sie sauber sind. Verschmutzte Sehhilfen brechen dagegen das Licht, bewirken durch die größere Blendung genau das Gegenteil. Aber auch E-Bikes sind nicht ungefährlich. Sie tragen zur größeren Mobilität bei, aber gerade bei Fahrten bergauf unterschätzen Autofahrer oft die Geschwindigkeit der Räder.



Dabei ist statistisch das Unfallrisiko für Senioren geringer als das der Altersgruppe zwischen 20 und 26 Jahren. Die Verletzungsgefahr ist allerdings deutlich höher. Das erklärte Verkehrssicherheitsberater Andreas Andler von der saarländischen Polizei. Der Experte gab in seinem Vortrag auch ganz praktische Hinweise, was jeder einzelne für besseres Sehen und Gesehen-Werden tun kann. „Natürlich helfen helle Kleidung oder auch Hilfsmittel wie reflektierende Bänder“, sagte Andler, „wir haben in der Vergangenheit einige dieser Veranstaltungen durchgeführt, leider war die Resonanz der Senioren nicht immer so hoch“. Und oft tragen auch ein paar Meter Umweg zum nächsten Zebrastreifen immens zur eigenen Sicherheit bei.

Etwa 30 Menschen fortgeschrittenen Alters und drei achte Klassen der Gemeinschaftsschule füllten am Mittwoch dieser Woche die Q.lisse allerdings gut. Die Schülerinnen und Schüler demonstrierten im Selbstversuch auf der Bühne, wie unterschiedlich man dunkle und helle Kleidung wahrnehmen kann.

„Die Veranstaltung ist ein Teil der Kooperation, die wir derzeit mit dem Seniorenbeirat, aber auch mit dem örtlichen Seniorenheim aufbauen“, berichtete Lehrer Andreas Hartmann, „die Schülerinnen und Schüler sind hoch motiviert. Ich habe sie auch selten so emotional belastet gesehen, wie nach unserem ersten Besuch im Seniorenheim. Viele fühlten sich daran erinnert, dass auch sie bereits Großeltern verloren haben.“ Dass dies zumindest durch Verkehrsunfälle nicht geschieht, dazu sollte der gemeinsame Vormittag beitragen. „Es war die erste Veranstaltung dieser Art, darum bin ich mit der Resonanz hoch zufrieden“, sagte die Vorsitzende des Seniorenbeirates,  Astrid te Kopelle: „Wir werden am Ball bleiben, aber der Anfang ist gemacht. Wichtig ist uns, die Generationen miteinander ins Gespräch zu bringen.“