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Feierstunde im Rathaus: Seit zehn Jahren sorgt er für friedliche Nachbarn

Feierstunde im Rathaus : Seit zehn Jahren sorgt er für friedliche Nachbarn

Karlheinz Mazet wird für seine Tätigkeit als Schiedsmann besonders geehrt. Er lässt beide Seiten ihr Gesicht wahren.

 „Tatort Gartenzaun“ - so hieß eine amerikanische Serie, die zwischen 1992 und 1996 auch in Deutschland ausgestrahlt wurde. Der Gartenzaun ist auch einer der Tatorte im „Revier“ von Karlheinz Mazet. Seit nunmehr zehn Jahren schlichtet er als Schiedsmann in Quierschied kleine und größere Ärgernisse. Dafür wurde er jetzt ausgezeichnet.

„Es geht oft um Nachbarschaftsstreitigkeiten. Um überhängende Äste oder auch um alte Familienfehden“, gibt der 73-Jährige einen Einblick in seine Arbeit, „da war ein junger Mann, der meinen Schiedsspruch nicht annehmen und weiter vor Gericht ziehen wollte. Der sagte, er könne doch nicht aufhören, schon seine Urgroßeltern hätten mit den Nachbarn Streit gehabt. Da fragt man sich schon, wie lange Vergangenes bis in die Gegenwart wirken kann“.

Durchschnittlich sechs Fälle bearbeitet Mazet im Jahr. Schiedsmann ist ein Ehrenamt. Pro Fall gibt es eine Aufwandsentschädigung von 10 bis 15 Euro. Der Streitwert geht in der Regel bis 700 Euro -  doch es könne auch deutlich mehr sein. „Da kam ein Hausbesitzer, der stritt mit dem Bauunternehmer um die Abschlussrechnung von um die 20 000 Euro“, erzählt Mazet, „es brauchte drei Sitzungen. Dann gingen beide mit einer Vereinbarung auseinander, die beide Seiten zufriedengestellt hat. Es geht beim Schiedsmann nicht darum, jemandem zum Gewinnen zu verhelfen, sondern im Idealfall, dass beide Seiten sich einigen. Dann gehen beide als Gewinner raus. Da ist meine Erfolgsquote ganz gut.“

Mazet wurde 1943 in Gießen geboren, kam als kleiner Junge nach Quierschied. Der Diplom-Ingeneur arbeitete als Beamter im gehobenen Dienst in der Leitung des Fernmeldeamts Saarbrücken und anderer Verwaltungsdienststellen.

„Herr Mazet hat auch über viele Jahre Hilfsprojekte in Bangladesch und Saudi-Arabien vor Ort unterstützt und kennt daher auch die Schattenseite des Lebens“, hob Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer im Rahmen der kleinen Feierstunde hervor, „weil er aus seinem Berufsleben auch mit dem Verfassen juristisch wasserdichter Texte vertraut ist, bringt er hervorragende Voraussetzungen für das Amt des Schiedsmannes mit“.

Das berühmte Fingerspitzengefühl, das man Fußball-Schiedsrichtern oft abspricht, ist beim Schiedsmann ebenso hilfreich, wie die Lebenserfahrung. „Wichtig ist auch die Verwurzlung im Ort. Dadurch kennt man Zusammenhänge“, betonte Markus Mahler, der Vize-Präsident des Amtsgericht Saarbrückens, der Mazet eine Ehrenurkunde des Justizministeriums überreichte. „Schiedsleute sind nahe bei den Menschen und können so mit maßgeschneiderten Lösungen für Rechtssicherheit sorgen. Herr Mazet verkörpert dies in idealtypischer Weise“, so Mahler weiter.

Hans-Jürgen Kiefer, der Bezirksvorsitzende des Bundes deutscher Schiedsmänner und -frauen, überbrachte für die zehnjährige Tätigkeit eine Bronzemedaille. „Ich mache weiter, bis ich die mit Brillanten bekomme“, scherzte der Geehrte. Und  weitermachen wird er, für die fünf kommenden Jahre hat er bereits zugesagt.

„Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Gemeinde läuft hervorragend. Sie unterstützen mich, wann immer ich sie brauche“, sagt Karlheinz Mazet, „mir macht die Arbeit Freude, ich kann so der Gemeinde etwas zurückgeben. Ich hoffe, dass ich die nächsten fünf Jahre gesund bleibe, dann werde ich nochmal entscheiden, ob ich weiter mache“.

Die Arbeit der Schiedsleute ist eine wichtige gesellschaftliche Leistung. Sie entlastet nicht nur die Justiz, sie baut Brücken des Zusammenlebens am Tatort Gartenzaun.