Revierförster Roland Wirtz erläutert die Abläufe in Quierschied

Nachhaltige Waldwirtschaft im Saarland : Winzer setzen auf deutsche Eiche

Nach 200 Jahren in Quierschied geschlagen, in Südtirol zu Fässern verarbeitet. Darin reift dann ein hochwertiger Wein.

Sie liegen da wie ganz gewöhnliche Baumstämme. Etwa vier Meter lang, bestimmt zwei Tonnen schwer. Für den Spaziergänger im Quierschieder Wald nur zwei weitere Stücke eines gefällten Eichenbaums. Doch für Revierförster Roland Wirtz sind sie ein wertvolles Exportgut. „Diese Stämme sind Teil einer Lieferung nach Südtirol“, erklärt der 49-Jährige, der seit 2017 für das Revier rund um die Gemeinde zuständig ist, „dort wird das Holz zu hochwertigen Eichenfässern verarbeitet, in denen dann Wein ausgebaut werden soll. Der Kunde hat mir erklärt, dass das Holz der Fässer auch einen Einfluss auf den Geschmack des Weines haben soll.“

180 bis 200 Jahre hat es gedauert, bis diese besonderen Eichen erntereif waren. Jeder Baum bringt etwa zwei Kubikmeter Holz, der Preis schwankt dabei zwischen 500 und 1000 Euro pro Kubikmeter. Doch nicht nur Eichen sind Filetstücke der Forstwirtschaft rund um Quierschied. Die dortigen Buchen eignen sich ausgezeichnet für Funierholz, bringen dann etwa 250 Euro pro Kubikmeter. „Es gibt im Saarland und im benachbarten Frankreich aber so gut wie keine Sägewerke mehr. Seit Anfang der 2000er Jahre hat hier ein massives Unternehmenssterben eingesetzt. Das macht den Absatz der Produkte natürlich schwieriger“, sagt Förster Wirtz, „der Preis für Holz auf dem Weltmarkt ist nicht sehr hoch zur Zeit. Die Chinesen zahlen noch die besten Preise.“

Der Förster weist Zeitungsberichte zurück, dass Holz aus dem Saarland „verramscht“ werde. Dennoch klingt Holzwirtschaft im Jahre 2019 teilweise wie ein Treppenwitz der Globalisierung: Deutsches Holz wird um den halben Planeten transportiert, um in China verarbeitet und dann als fertiges Möbelstück zurück nach Europa gebracht zu werden. Das mindert selbstverständlich auch die ökologische Bilanz des natürlichen Rohstoffs.

Dabei wird rund um Quierschied mit der „prozesschutzorientierten Waldwirtschaft“ eine sehr naturnahe Form der Nutzung betrieben. Man orientiert sich an den in Urwäldern ablaufenden Vorgängen. Es wird nicht mehr flächendeckend abgeholzt und dann aufgeforstet. Es werden immer nur einzelne Bäume entnommen, und die entstehenden Flächen dem natürlichen Bewuchs überlassen. Wichtig ist dabei auch, dass Alt- und Todholz im Wald verbleibt. „Das mag für den Spaziergänger manchmal unaufgeräumt aussehen“, erklärt Wirtz, „aber so ein verfaulender Baumstamm ist Heimat und Nahrung für tausende von Käfern und anderen Insekten.“ Außerdem bleiben auf jedem Hektar mindestens zehn alte Bäume stehen. Die Entnahme erntereifer Bäume geschieht mit möglichst wenig Schäden im Umfeld Die so genannte Rückegassen, die alle 40 Meter den Weg für schweres Gerät bilden, „sehen dabei im ersten Moment zwar schlimm aus, da aber dann die Natur dort für zehn Jahre ihre Ruhe hat, ist der Schaden gering“, sagt Wirtz und erklärt, dass man beim Wald ohnehin in ganz anderen zeitlichen Dimensionen denken muss: „Die Eichen, die jetzt zu Weinfässern werden, waren bei ihrer Pflanzung vor 120 Jahren als Bauholz für Schiffe geplant.“

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