Reise in die eigene Vergangenheit

Quierschied. Vor einigen Wochen endete im Saarland über 250 Jahre Bergbau-Geschichte. Vergangenen Freitag machten sich gut 100 Seniorinnen und Senioren aus der gesamten Gemeinde Quierschied auf Spurensuche nach dieser Ära. Dazu eingeladen hatte der Quierschieder Seniorenbeirat, gesponsert wurde der Ausflug in die Vergangenheit von der Sparkasse

Quierschied. Vor einigen Wochen endete im Saarland über 250 Jahre Bergbau-Geschichte. Vergangenen Freitag machten sich gut 100 Seniorinnen und Senioren aus der gesamten Gemeinde Quierschied auf Spurensuche nach dieser Ära. Dazu eingeladen hatte der Quierschieder Seniorenbeirat, gesponsert wurde der Ausflug in die Vergangenheit von der Sparkasse. "Viele ältere Mitbürger kommen nur noch selten aus ihren eigenen vier Wänden heraus", erklärte Peter Wengler, Sprecher des Seniorenbeirates, "darum wollten wir etwas Besonderes bieten. Schon in der ersten Woche nach der Ankündigung hatten wir 90 Anmeldungen."Mit Bussen ging es zum Hammerkopfturm der ehemaligen Grube Camphausen, wo Guido Wolf vom Bergmannsverein die Gruppe in empfang nahm. Später an der Privatgrube Schäfer erklärte der frühere Inhaber Siegfried Schäfer den Seniorinnen und Senioren die Besonderheiten der Anlage. "Das war sehr beeindruckend, wie plastisch der über 80-jährige Herr Schäfer uns die Vorgänge schilderte", war auch Quierschieds Bürgermeisterin Karin Lawall begeistert, "mit seinen anschaulichen Erklärungen hat er die Leute richtig in seinen Bann gezogen.

Gleiches gilt für Delf Slotta, einem der bekanntesten Experten in Sachen Bergbaugeschichte, der sowohl am Krankenhaus in Fischbach als auch bei der letzten Station auf dem Grubengelände Göttelborn viel Wissenswertes aber auch einiges Hintergründiges zu berichten wusste. Dass viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre eigene Geschichte mit dem Bergbau haben, wurde auch im Kraftwerk Weiher deutlich. "Ich bin hier 1945 angefahren", erzählte der 81-jährige Helmut Simmet aus Göttelborn, "1988 bin ich dann in den Vorruhestand. Wo heute der große Kühlturm steht, war früher der Kohlbachweiher. Darum heißen die Kraftwerke alle Weiher." Dass Teile der Energiegewinnungsanlagen, in denen Simmet gearbeitet hat, mittlerweile gesprengt und abgebaut sind, war auch Teil der Erläuterungen des stellvertretenden Kraftwerksleiters Dieter Baumgartner. Der war von der Fachkompetenz seiner Zuhörerschaft angetan. "Die Nachfrage nach Führungen ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen", so Baumgartner, "es kommen noch vereinzelt Schulklassen oder Studenten."

Dass der Zeitplan durch die vielen Zwischenfragen und Ergänzungen der stark interessierten Teilnehmer etwas aus den Fugen geriet, störte beim gemeinsamen Imbiss in Göttelborn niemand mehr. "Warum in die Ferne schweifen?", fragte darum auch Karin Lawall, für die diese Reise in die Geschichte der Gemeinde Vorbildcharakter besaß: "Die Leute waren nicht nur begeistert von der Industriekultur. Viele haben bei der Busfahrt gemerkt, wie attraktiv sich die Gemeinde in den letzten Jahren entwickelt hat. Und diesen Eindruck gilt es weiter zu fördern." Nicht nur bei den Seniorinnen und Senioren.