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Vereinbart
Den Bäumen die Zukunft gesichert

Bei der Vertragsunterzeichnung im Wald (vorne von links): Hans Albert Letter, Christoph Hassel, Lutz Maurer, Roland Krämer und Hubert Weiger.
Bei der Vertragsunterzeichnung im Wald (vorne von links): Hans Albert Letter, Christoph Hassel, Lutz Maurer, Roland Krämer und Hubert Weiger. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Zwei verschieden genutzte Wälder bestehen weiter nebeneinander. Vertrag unterzeichnet. Von Stefan Bohlander

„Dieser Arbeitsplatz ist viel schöner als mein normaler“, sagte Roland Krämer. Der Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz stand an einem zum Schreibtisch umfunktionierten Eichenklotz und unterzeichnete die Weiterführung einer Kooperationsvereinbarung. Hier im Quierschieder Wald – genauer gesagt in der Gemarkung Hohlenstein und noch genauer an der Abteilungsnummer 655, so steht es auf einem Schild an einem Baum – treffen zwei verschieden genutzte Wälder aufeinander.


Richtung Quierschied ist Nutzwald, das Holz wird also beispielsweise für den Möbelbau verwendet. Richtung Fischbach-Camphausen wiederum entwickelt sich das Waldökosystem seit rund zehn Jahren möglichst ohne menschliches Zutun. In diesem unter „Prozessschutz“ stehenden Waldstück wird so gewirtschaftet, dass die natürlichen Abläufe weitgehend zugelassen sind. Dazu gehören beispielsweise natürliche Verjüngung, Selektion und Dynamik. Mitunterzeichner der Fortführung des bereits seit zehn Jahren laufenden Projektes „Prozessschutzrevier Quierschied“ waren der Saarforst-Landesbetrieb, der BUND Saar und der Zweckverband des Naturschutzgroßvorhabens LIK Nord.

„Zehn Jahre sind im Leben eines Baumes ein Wimpernschlag“, erklärte Christoph Hassel, Vorsitzender des Landesverbandes des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Er lobte ausdrücklich, dass das Land mit seinen Vertretern die Kooperation fortführt. „Prozessschutzorientierte Waldnutzung berücksichtigt in hohem Maße im Sinne einer umfassenden Nachhaltigkeit die ökologischen, ökonomischen und sozialen Belange, wie sie die Gesellschaft erwartet“, so Hassel.



Eigens zu diesem Anlass war der BUND-Bundesvorsitzende Hubert Weiger angereist. „Wir haben aus diesem Wald viel gelernt“, sagte er. Es sei in der Tat eindrucksvoll, wie die Nichtnutzung des Waldstückes sich in das Nutzungskonzept einfüge. Man bekomme Antworten auf Fragen wie: „Wie entwickelt sich der Wald“ oder „Was entsteht hier?“. So sollen die Qualität der verbleibenden Bäume gesteigert und nur reife Bäume geerntet werden. Das Projekt finde sogar bundesweite Beachtung, wie Weiger ausführte.

„Es ist einer der wunderschönsten Wälder im Saarland“, schwärmte Saarforst-Leiter Hans-Albert Letter. Er erinnerte zudem daran, dass viele der Eichen seinerzeit für die Nutzung im Bergbau gepflanzt wurden. Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer kam in seiner Funktion als Vorsitzender LIK Nord, dem er seit rund zwei Monaten vorsteht und mit dem er gerne zum Gelingen des Projektes beitragen wolle. Er führte zudem aus, dass er eine emotionale Bindung zu dem Wald habe, da er bereits als Kind Ausflüge hierher gemacht hat.

Staatssekretär Krämer betonte: „Die naturnahe Bewirtschaftung des saarländischen Staatswaldes und der betreuten Gemeindewälder haben seit 1988 den Anspruch, möglichst auf ganzer Fläche alle Waldfunktionen zu erfüllen und ist in dieser Hinsicht sicher auch vorbildlich.“ Mit mehr Biotopholz, zunehmend standortheimischen Baumarten, dem Verzicht auf Chemie- und Pestizideinsatz und der Abkehr von der Kahlschlagswirtschaft habe eine grundsätzlich sehr vorteilhafte Entwicklung eingesetzt.