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Not und Elend, aber auch Freude und Hoffnung

Not und Elend, aber auch Freude und Hoffnung

Für mehr Toleranz und gegen Vorurteile kämpft der Quierschieder Josef Scherer. Und zwar mit ausgewählten Fotografien, die dem Leben der syrischen Flüchtlinge gewidmet sind.

"Niemand verlässt freiwillig seine Heimat ; Flucht entsteht immer aus der Not heraus", sagt der Quierschieder Künstler Josef Scherer. Und genau diesen Gedanken möchte er den Leuten stärker in Gedächtnis rufen. Kaum einer weiß, wie es sich anfühlt, alles zurückzulassen, in ein fremdes Land zu gehen, dessen Sprache und Kultur einem unbekannt sind. Doch 80 syrischen Flüchtlingen ist es genau so ergangen, als sie ihre Heimat verlassen mussten und in Quierschied einen Neuanfang wagten. Zwar werden sie in der Gemeinde freundlich empfangen, dennoch gibt es auch immer wieder Menschen, die ihnen mit Vorurteilen begegnen.

"Wir beobachten uns gegenseitig", erklärt Scherer, "aber ich glaube, wir gucken zu sehr auf das Fremde, vor allem auf das, was die anderen in unseren Augen falsch machen." Hier sollten die Menschen seiner Meinung nach toleranter sein. Um Vorurteilen entgegenzuwirken, hat er die Ausstellung "Im focus [Syrien] Heimat , Krieg, Flucht und Neuanfang" konzipiert. In 60 Fotografien zeigt er das alltägliche Leben und die Kultur der Menschen in Damaskus oder Aleppo vor dem Krieg, aber auch die Zerstörung durch die Kampfhandlungen, den beschwerlichen Weg der Flüchtlinge in eine neue Heimat sowie ihre Integration in Quierschied . Die ausdrucksstarken Bilder zeigen ausgebrannte Ruinen, zerstörte Straßen, das Leid und die Verzweiflung der Menschen, ohne dabei blutrünstig zu sein. "Ich wollte kein Gemetzel; es ging darum, die Zerstörung oder Not zu zeigen, und warum die Leute hierher kommen", erklärte der Künstler bei der Vernissage in der Quierschieder Gemeindebücherei. Die Besucher der Ausstellung sehen aber auch Hoffnung und Freude, junge Familien, Willkommensfeste, neu gewonnene Freundschaften, und wie die einstigen Flüchtlinge hier eine neue Heimat gefunden haben.

Unterstützt wurde Scherer bei seiner Konzeption unter anderem von Harald Klein, Mazem Saramijou, Mazloum Mahmoud und Stefan Bohlander, die ihm zusätzliche Fotos zur Verfügung stellten, aber auch durch die Bürgermeisterin und Schirmherrin der Exposition, Karin Lawall . Letztere lobte Scherers Engagement, mit Kunst gegen Fremdenhass und Vorurteile vorzugehen und gleichzeitig etwas für Integration und ein freundschaftliches Miteinander in der Gemeinde zu tun. "Es ist ein besonders schönes Zeichen, dass ein Quierschieder das in Quierschied macht und der breiten Öffentlichkeit zeigt, was hier Tolles geschehen ist und noch geschieht", so die Verwaltungschefin.

Eine Besonderheit der Ausstellung ist, dass verschiedene Bilder auch außerhalb der Gemeindebücherei ausgestellt sind, um dadurch besonders viele Menschen miteinzubeziehen und zum Nachdenken anzuregen. "Ich hoffe, dass ich dadurch mit den Leuten ins Gespräch komme", sagt Josef Scherer, "das Thema ist mir einfach sehr wichtig."