| 22:03 Uhr

53 neue Azubis
Von zuhause weg, um eine Ausbildung zu beginnen

Sascha Schäfer zeigt Julia Runge den Umgang mit dem Icarus-Flugsimulator.
Sascha Schäfer zeigt Julia Runge den Umgang mit dem Icarus-Flugsimulator. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. 53 junge Menschen aus viele Ländern beginnen an der Europäischen Fachschule für Altenpflege eine dreijährige Lehre.

Soukaina Elfajhi kommt aus Marokko, ihre neuen Mitschüler sind aus China, Mexiko, Bosnien, Vietnam oder Portugal. Soukaina ist eine von 53 neuen Auszubildenden an der Europäischen Fachschule Altenpflege (EFSA) in Quierschied.


„Es ist ein großer Schritt, seine Heimat zu verlassen, um in Deutschland eine examinierte Ausbildung zu beginnen“, sagte Rüdiger Linsler, Geschäftsführer der EFSA, die zur Victors Unternehmensgruppe gehört, einem der größten Anbieter im Bereich Pflege in Deutschland. „Es ist mittlerweile der dritte Jahrgang. Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv. So haben von den 24 Schülerinnen und Schülern gerade einmal zwei die Ausbildung abgebrochen“, sagt Linsler.

Drei Jahre dauert es, bis aus den Schulanfängern examinierte Altenpfleger werden. Jeweils fünf Monate werden an der Schule in Quierschied die theoretischen Grundlagen gelehrt und auch praktische Tätigkeiten eingeübt, sieben Monate wird dann an den verschiedenen Standorten des Unternehmens in der Praxis ausgebildet. Ein dualer Bildungsweg, wie bei den meisten Ausbildungsberufen. „Alle Schülerinnen und Schüler haben in ihrer Heimat schon Deutschkenntnisse erworben. Dennoch schieben wir noch einen vierwöchigen Sprachblock ein“, erklärt Linsler, und Dozentin Julia Runge ergänzt: „Wir passen das Lerntempo zwar an die Sprachfähigkeiten an, am Ende müssen aber alle die gleiche Prüfung machen.“



Schulleiterin Bettina Mutz-Lorenz stellte in der Begrüßungsveranstaltung am Dienstag die Grundidee und Philosophie der Arbeit in den Mittelpunkt: „Die zentrale Ebene der Pflege ist, Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Auch ältere Menschen sind grundsätzlich gesund, sie haben nur altersbedingte Einschränkungen.“

Wie man mit diesen umgeht, sie vielleicht sogar minimiert, werden Soukaina Elfajhi und ihre Kollegen ab sofort lernen. Auch mit Unterstützung der im Gesundheitszentrum Medicus ansässigen Unternehmen, die teilweise mit Vorträgen oder Praxisanleitungen die Ausbildung unterstützen. „Bei so vielen internationalen Schülern ist es auch wichtig, dass wir voneinander lernen“, sagte Ergotherapeutin Ida Stauter, Physiotherapeut Stephan Hager glaubt: „Es wird eine interessante Reise.“

Die begann am Dienstag in Kooperation mit der Knappschaft mit einem Vortrag über das deutsche Gesundheitssystem sowie drei Workshops zu verschiedenen Themen wie Berufsgesundheitsvorsorge, Rückenschule oder auch körperliche und mentale Entspannung. „Die Möglichkeiten hier sind einfach hervorragend. Bei uns in Marokko gibt es nichts Vergleichbares“, berichtete die 24-jährige Soukaina nahezu akzentfrei, „schon darum ist es mir leicht gefallen, mein Land zu verlassen. Außerdem liebe ich es, neue Kulturen kennenzulernen“.

Eigentlich gab es mehr Bewerber, die den Ansprüchen der EFSA genügt hätten, doch aufgrund der Einreisebestimmungen war die Aufnahme nicht möglich. „Darum ist die aktuelle Diskussion um eine klare Regulierung wichtig und längst überfällig“, betonte Geschäftsführer Linsler, „wir brauchen ein Einwanderungsgesetz, weil wir sonst die Pflege nicht aufrecht erhalten können. Aber das gilt nicht nur für die Pflege“.

(cor)