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Spannung pur
Nachbarschaftshilfe bei der Tatortsuche

Marlian Wall in der Gemeindebücherei
Marlian Wall in der Gemeindebücherei FOTO: Jörg Martin
Quierschied. Etwa 30 Krimi-Fans kamen zur Lesung von Marlian Wall in die Gemeindebücherei.

„Manchmal denkt man, das da gibt es doch gar nicht, was in unserem Saarland passiert“, sagte Marlian Wall bei der Lesung in der Gemeindebücherei. Die Krimi-Autorin meint damit die Verschwörung, die Gegenstand ihres vor rund einer Woche erschienenen Romans „Kronzeugen“ ist.


Barbara Ninnemann, so heißt die Autorin mit bürgerlichen Namen, las auf Einladung der Gemeinde und der Volkshochschule vor rund 30 vorwiegend weiblichen Krimi-Fans. Für die Saarbrückerin ist es der fünfte Band. Sie ist als Krankenhaus-Psychologin tätig und beschreibt das Wirken von Kriminalrätin Theodora Singer und Staatsanwalt Falk Senkenfeld.

Eine nicht unerhebliche Rolle spielt Tim Feldmann. Der Polizist, den alle nur „Viggi“ nennen, ist mit 26 Jahren der jüngste Kommissar bei der saarländischen Polizei. Er will endlich aufsteigen und studieren. Gleichzeitig schwärmt er für eine langjährige Kollegin. Der Haken: Sie ist seine Chefin Dora Singer.

Ein Toter in einer St. Ingberter Wohnung ruft alle auf den Plan. „Ich war auf der verzweifelten Suche nach einem Tatort in St. Ingbert“, gestand Marlian Wall bei der Lesung. Das sei bereits beim Schreiben eines anderen Romans der Fall gewesen, so die 1965 geborene Schriftstellerin. Die Sperrung der Fechinger Talbrücke vor zwei Jahren und das damit verbundene Verkehrschaos auf den Ausweichstrecken, habe dazu geführt, dass sie diesen Spielort verlegt habe.

Die Gegend um die Josefskirche, der sogenannte Hobels, erschien ihr sehr sympathisch. Schnell bemerkte ein Anwohner ihre Recherche, als sie Fotos machte. Er bot ihr Unterstützung bei der Suche nach einem passenden Schauplatz an und ging mit ihr zu einem Nachbarn. „Ei kumm‘ emol herunner. Die Fraa will bei eisch ähner umbringe“, habe er zu seinem Nachbarn gesagt.



„Kann man es besser haben?“, fragte die Autorin grinsend die Lesungsbesucher. Natürlich habe sie die Schauplätze, wie sonst auch, verändert. Im Roman stellt sich eine ganz andere Situation dar: Der Tote hinter der Tür starb durch einen Genickbruch. Die Frau, die die Polizei verständigte, befindet sich noch im Haus. Die Bettlägerige, die sich im ersten Stock aufhält, leidet an Adipositas Ultra, krankhafter Fettleibigkeit, und wiegt über 240 Kilo. Die Frau heißt Doris Koch, muss voraussichtlich mit einem Kran geborgen werden. Dazu ist es erforderlich, dass unter Umständen eine Wand eingerissen werden muss. In den Rettungskorb der Feuerwehr passt die Frau nicht mehr hinein. „Warum ist die Ehefrau des Toten so dick?“ Diese Frage stellte die Psychologin in den Raum, um es spannend zu machen. Angesichts ihres beruflichen Hintergrundes ist es nicht verwunderlich, dass sich Wall mit den Ursachen sehr intensiv auseinandersetzt. Das Schreiben sei ihr Steckenpferd, gab Marlian Wall unumwunden zu. Und die Psychologie sei bei weitem nicht so kompliziert wie im Lehrbuch, meinte sie. Es helfe ihr aber, dass alles logisch aufzubauen. „Unlogische Krimis sind Zeitverschwendung“, bilanziert Wall.

Dabei schreibt sie auch Beziehungs- und Liebesgeschichten. Das alles sei ein gutes Transportmittel, um ihre Ideen zu vermitteln. 1000 Einfälle habe sie meistens. Daraus ergeben sich oft bis zu zehn Handlungsstränge. Die Planung dauere sechs Monate, ehe sie mit dem Schreiben anfängt. Insgesamt ein Jahr dauert es, bis ein Werk fertig ist. Dabei denkt sie jeden Tag über das Konzept nach. Das eigentliche Schreiben von Hand geht über etwa vier Monate. Hinterher tippt sie alles ab.

(JMA)