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Neunkircher Trio: Musikalische Zeitreise unter freiem Himmel

Neunkircher Trio : Musikalische Zeitreise unter freiem Himmel

Das Trio „Alldiweil“ aus Neunkirchen traf im Eisengraben den Geschmack der Besucher. Mit dem Konzertende kam der Regen.

„Ich dachte, die veräppelt einen. Die meint das ja tatsächlich ernst“, zeigte sich eine Frau nahe der Bühne am vorigen Samstagabend bei „Musik unter Bäumen“ noch immer ganz überrascht. Mit „die“ hatte die Mittvierzigerin Annette Bost, die Leiterin der Gemeindebücherei Quierschied, gemeint. Die Bibliothek und die Volkshochschule fungierten gemeinsam als Veranstalter des Konzerts im Park Im Eisengraben, wo an diesem Abend die Neunkircher Gruppe „Alldieweil“ auftrat. Doch ehe das Trio „Rock/Pop unter Bäumen“ zum Besten geben konnte, oblag Annette Bost eine mehrminütige und ausführliche Sicherheitseinweisung, wie man sie sonst eigentlich vor dem Start eines Flugzeuges kennt.

Viele der Besucher glaubten an einen Scherz. „Wir haben es gewagt - und das trotz Gewitterwarnung“, leitete die Bücherei-Chefin ein. Weil man hier einfach schön sitzt, begründete sie die Bauch-Entscheidung und ging gemeinsam mit den Besuchern den Notfallplan durch. Dies für den Fall, sollte der Kopf doch Recht gehabt haben. Das klang lustig, weil etwa die Frauen getrennt ins Ausweichquartier Feuerwehrhaus hätten evakuiert werden müssen, während die Männer die Bänke und die Technik den Berg hoch hätten schleppen sollen. Denn dort wäre das Konzert nach Unterbrechung weitergegangen.

Doch so weit kam es zum Glück nicht. Der Regen setzte erst unmittelbar nach Auftrittsende ein. Das Konzert bewegte die „Quierschder“ im doppelten Sinne. Nicht nur der Musik wegen. Viele brachten ihre Klappstühle mit und nahmen auf der Wiese Platz. Menschen mit Hunden an der Leine erschienen ebenso wie Eltern mit Kinderwagen. Anwohner nahmen an ihren Fenstern genauso als Zaungäste Platz wie Leute oben auf dem Berg bei der Feuerwehr. Ein Genießer ging mit einer Sektflasche und Gläsern an den Tisch. Der Auftritt von „Aldieweil“ war als „Zeitreise von den 60ern bis heute“ angekündigt worden. Das war nicht übertrieben. Front-Frau Lisa Thul-Müller (Gesang) hatte sich das fast perfekte Lied für den Start ausgesucht: „Die Ruhe nach dem Sturm“. Zusammen mit Bernd Thul und Helmut Knieling brachte sie Titel zurück, die man kennt, aber nicht mehr so oft hört. Stings „Englischman in New York“ genauso wie „Lemon Tree“ von Fool‘s Garden oder den Queen-Klassiker „Crazy little thing called love“. Das Auffällige: Meistens wurden Lieder von Thul-Müller interpretiert, die man von männlichen Sängern her kennt. Durch das weibliche Timbre erhielten sie beinahe einen neuen Lack. Waren es zunächst die Frauen, die nach und nach mitwippten und zustimmend zur Melodie nickten, stimmte nach und nach auch die holde Männlichkeit ein. Mitunter wurde aus dem leisen Summen irgendwann ein mutigeres, leises Singen. Spätestens bei „Rote Lippen muss man küssen“ war dann der Applaus richtig stark. Ein Strahlen ging vor allem bei den reiferen Besuchern über die Gesichter, als „Alldieweil“ den Klassiker „Schuld war nur der Bossa Nova“ und den Trude-Herr-Ohrwurm „Ich will keine Schokolade“ unter die Bäume ins Publikum schmetterte.

Doch die Gruppe verharrte nicht nur starr auf der Bühne. Bernd Thul ging  schon mal mit seiner Gitarre durch die Reihen und spielte, wie etwa bei „Aber bitte mit Sahne“, ein kleines Intermezzo. Nicht, ohne danach Jürgen Drews „Bett im Kornfeld“ zu thematisieren. Der Bandname bedeutet sowohl „weil“ als auch „während“. Und während die einen feierten, freuten sich sowohl die Quierschieder Alterswehr über den Erlös, als auch die Elterninitiative krebskranker Kinder im Saarland über Spenden.