Mit dem Püttlinger Pilzexperten auf Pilzwanderung nahe Quierschied

Kostenpflichtiger Inhalt: Am Quierschieder Netzbachweiher : Mit dem Püttlinger Pilzexperten im Wald

Rainer Thiel, einer der offiziell anerkannten Sachverständigen im Regionalverband, hatte zur Pilzwanderung geladen.

„Früher, als es noch Pilze gab, kamen noch 80 Leute zu den Wanderungen“, sagt Rainer Thiel, einer von mehreren offiziellen Pilzsachverständigen im Regionalverband. „Selbst an einem schlechten Tag hatte da jeder mindestens einen halben Korb voll“, erinnert sich der 73-jährige.

Am Netzbachweiher in Quierschied haben sich diesmal gerade einmal acht Personen zusammengefunden. An Einstellung und Ausstattung mangelt es aber nicht: Körbe, Taschenmesser und Bestimmungsbücher liegen bereit. Und eine kleine Hoffnung, dass es doch etwas werden könnte, hat Rainer Thiel: „Den Austernseitling – den könnte man finden.“

Der Herbst ist Pilzzeit – eigentlich. Doch um aus dem Boden zu sprießen, brauchen die Waldlebewesen eine bestimmte Menge an Wasser. Nur wenn es etwa 35 Liter geregnet hat, kann man 14 Tage später auf Pilze hoffen. Rainer Thiel hat selbst einen Regenmesser im Garten. Weil er Buch führt über den Niederschlag, kann er abschätzen, wann es Pilze geben wird und wann nicht. Bislang hat es nicht genug geregnet. Der Waldboden ist staubtrocken. Warum man trotzdem auf Austernseitlinge hoffen kann? „Dieser Speisepilz wächst vor allem an gefällten Buchen, und alles was eine Verbindung zum Holz hat, kann noch wachsen.“

Zu Beginn der knapp dreistündigen Wanderung ist noch kein Austernseitling in Sicht. Dank der guten Augen einiger Teilnehmer finden sich jedoch vereinzelt Pilze, die der Sachverständige sofort bestimmen kann. Besonders hilfreich sind die Bestimmungsregeln wie diese: „Ein Täubling bricht immer glatt ab und fasert nicht.“ Als genießbarer Täubling identifiziert können die Teilnehmer den Pilz probieren, bevor die Tour fortgesetzt wird.

Rainer Thiel hat sich bereits als „Bub“ für Pilze begeistert. Die Passion bekam er nicht von seinen Eltern mitgegeben, stattdessen heftete sich der Riegelsberger neugierig an erfahrene Pilzsammler und ließ sich alles erklären. Schnell erweiterte er sein Wissen und half anderen bei der Begutachtung selbst gesammelter Pilze. Eines Tages wurde er darauf angesprochen, wo denn seine Sachverständigennummer wäre, ohne die er nicht begutachten dürfte. Also machte er im Schwarzwald beim Deutschen Institut für Mykologie eine Prüfung und darf sich seitdem Pilzsachverständiger nennen. Er selbst konnte seine Begeisterung in der Familie weitergeben: Auch sein Sohn ist erfahrener Pilzsachverständiger im Regionalverband.

Unterwegs am Netzbachweiher ist Rainer Thiel in seinem Element. Er wird nicht müde zu zeigen, wo die Pilze unter anderen Voraussetzungen stehen würden und warum. „Der Fliegenpilz wäre da bei Birke und Fichte“ und „normalerweise wären hier Steinpilze“ sind Sätze, die nicht nur einmal fallen. Letztgenannter ist einer der beliebtesten Speisepilze und wird daher besonders gern gesucht. Das Sammeln ist allerdings reguliert: Nur ein Kilogramm Steinpilze pro Person sind erlaubt. Für Thiel ist diese Regel Quatsch: „Entweder es hat geregnet, und es gibt mehr als genug Steinpilze, oder es hat nicht geregnet, und es gibt keine.“ Über die Reglementierung muss man sich im Moment ohnehin keine Gedanken machen.

Gegen Ende des Rundwegs entlang des Netzbaches, findet sich schließlich doch noch ein aussichtsreicher Spot: An einer umgekippten Buche sprießen schleimige Rüblinge und endlich auch der genießbare Austernseitling. Vorsichtig trennt der Pilzexperte die Fruchtkörper vom Holz und legt sie in den fast leeren Korb. Im Gegensatz zu Steinpilz und Champignon sollten alle anderen Pilze niemals roh gegessen werden. Auch für den Austernseitling empfiehlt der Saarländer eine Zubereitung „in de Pann“.

Für eine Mahlzeit reichen die gesammelten Pilze an diesem Tag nicht. Aber immerhin haben die Teilnehmer knapp zehn verschiedene Arten kennengelernt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Pilze im Saarland

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