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Lieber herausdrehen, oder doch besser abschneiden

Lieber herausdrehen, oder doch besser abschneiden

Mittlerweile hat es ja mehrmals geregnet, doch bei der Pilzwanderung im Netzbachtal am Sonntag war die Ausbeute eher gering. Trotzdem erfuhren die Freunde der schmackhaften Waldgewächse viele interessante Dinge von einem Experten.

Fischbach. Herbstzeit - Pilzzeit. Mit großen Körben und mindestens genauso großen Erwartungen waren am Sonntag knapp 20 Pilzfreunde zur Wanderung durch das Netzbachtal aufgebrochen. "Es war leider zu trocken", dämpfte Experte Rainer Thiel die Erwartungen, "wir hatten gerade einmal sieben Liter Regen pro Quadratmeter, 40 wären nötig gewesen, damit die Pilze gut wachsen können." Der 66-jährige Sachverständige der deutschen Gesellschaft für Mykologie leitete die von der Volkshochschule Quierschied initiierte Wanderung.Festes Schuhwerk, stabile Kleidung und natürlich Korb und Messer gehörten zur Grundausstattung, Optimismus und ein gutes Auge auch. Und schon nach 30 Metern wunderte sich der Laie, der Fachmann war überrascht. Der erste Pilz des Tages machte auf sich aufmerksam und seinem Namen alle Ehre. Ein Stinkmorchel verbreitete nahe des Netzbachweihers seinen typischen Geruch. Und nur wenige Meter weiter fanden sich ein Rotfußröhrling und gleich daneben ein gelber Knollenblätterpilz. Der ist zwar im Gegensatz zu seinem grünen Verwandten nicht giftig, schmeckt aber auch nicht wirklich. "Für Anfänger gilt, sie sollten nur Pilze sammeln, mit sogenannten Röhren im Hut", erklärte Experte Thiel, der auch Krankenhäuser in Fällen von Pilzvergiftungen berät, "dabei sind die Anfänger nicht die am meisten gefährdete Gruppe. Die meisten Vergiftungen haben wir bei Leuten, die glauben, sich auszukennen."

Eine Glaubensfrage unter Pilzfreunden ist auch das Lösen des Fruchtkörpers vom Boden. "Soll ich den Pilz rausdrehen oder doch besser abschneiden?" Die Antwort des Experten überraschte: beides ist möglich. "Wenn ich den Pilz vorsichtig aus den Mycelien herausdrehe, ist das genauso gut wie abschneiden", sagte Thiel, "es gibt sogar neueste Erkenntnisse, dass je mehr Pilze geerntet werden, desto mehr entstehen an dieser Stelle."

Während sich die erfahrenen Pilzsucher der Gruppe im Wald verteilten, hielten sich die Anfänger eher in der Nähe des Fachmanns auf - und wurden auch fündig. Wie Monika Schaum, erstmals bei einer Pilzwanderung dabei. Doch ihr Fund war nicht genießbar. "Es ist ein grünblättriger Schwefelkopf", erkannte Rainer Thiel sofort, "der ist giftig." Über 100 000 verschiedene Pilz-Arten soll es auf der Welt geben.

Am Ende der Wanderung blieben die Körbe wie vorhergesehen recht leer. "Vor zwei Jahren hatten wir hier eine Wanderung mit über 60 Teilnehmern", erinnerte sich Thiel, "damals stand der Wald voller Pilze, und ich bin kaum fertig geworden mit der Begutachtung."

Vielleicht wird es ja in knapp zwei Wochen wieder so eine erfolgreiche Tour geben. Am Donnerstag, 4. Oktober, geht es um 15 Uhr erneut auf Pilzwanderung im Netzbachtal. Und wer sich lieber noch mal hintergründig informieren möchte, bevor er mit Körbchen und Messer ausrückt, hat am 6. und 7. Oktober bei der großen Pilzausstellung in der TuS-Halle in Herrensohr Gelegenheit. cor