Kittelclub Quierschied tanzt seinen Straußebub aus

Beliebte Tradition : „Locke“ ist der neue stolze Straußebub

Beim Hammelaustanzen des Kittelclubs wird Markus Schmidt diese Ehre zuteil. Zuschauer gehen gut mit.

Die Gemeinde hat einen neuen Straußebub. Markus Schmidt - genannt „Locke“ - freute sich sehr über den Umstand, dass es ihn endlich auch einmal „erwischt“ hat. „Seit 2003 bin ich dabei und jetzt - stolzer Straußebub“, rief er freudig bei seiner Antrittsrede. Auserkoren wurde er bei einer über 110 Jahre alten Tradition - dem Hammelaustanzen. „1908 haben sich die ledigen Burschen der Gemeinde zusammengetan und sich überlegt, wie sie zum Martinifest auslosen, wer den Hammelbraten spendieren soll“, erklärt Gerd Groß vom Club „Fröhlichkeit“ („Kittelclub“). Er steht zusammen mit rund 50 weiteren Mitgliedern vor dem Gasthaus „Hopfenblüte“ in der Marienstraße, wo sie sich in ihrer blau-rot-schwarzen Kluft, dem typischen roten Halstuch und den schwarzen Schirmmützen versammelt haben. Etwa 115 Mitglieder zählt der Club derzeit insgesamt. Nachwuchsprobleme? „Die gibt es bei uns zum Glück nicht. Für viele Burschen ist es eine Ehre, sich zu bewerben und dabei sein zu dürfen, und nicht wenige sind schon seit Jahrzehnten Mitglied“ sagt Groß. Punkt 14.30 Uhr ziehen sie los. Vorne weg marschieren die Sulzbacher Gugge-Musiker „Nodepirade“ und machen mit ihren heißen Rhythmen ordentlich Stimmung und Remmidemmi. Entlang der Marienstraße haben sich schon zahlreiche Schaulustige versammelt, die sich auf das alljährliche Spektakel freuen und auf die Brezeln, die die Herren unterwegs verteilen. Gleich hinter den Musikern geht der Straußebub des vorigen Jahres Wolfgang Baltes, der stolz einen blau-rot geschmückten Birkenast (Kerwestrauß), vor sich her trägt. Ihm folgt ein Kittelträger mit einem Hand-Bollerwagen, auf dem ein Holzhammel steht. Aus tierschutzrechtlichen Gründen wird mittlerweile auf den früher üblichen lebendigen Hammel verzichtet. Es folgt ein stolzer Bursche mit einen langen Bänderbaum mit langen roten und blauen Bändern, die von sieben Frauen in Trachtenkleidern gehalten werden. So zieht der Gaudiwurm mit den Zuschauern im Schlepptau durch die Marienstraße bis hin zum kleinen Markt an der „Q.lisse“, dem Haus der Kultur. Dort wartet in der Mitte des abgesperrten Platzes bereits ein kleiner Galgen, an dem an einer Kette und einer dünnen Schnur eine Holzflasche befestigt ist. Gerd Groß verkündet in Reimen die Rede und schließt mit den Worten „nun überlassen wir dem Schicksal das Ganze - ich rufe auf zum Hammeltanze.“ Sogleich zündet der Ehrenvorsitzende Erwin Deutsch, genannt „Lunte-Erwin“, ein Stück Lunte an, das in der Mitte der dünnen Schnur am Galgen fixiert ist und mit Einsetzen der Musik beginnt der Marsch der blau-bekittelten Herren.

In flottem Schritt geht es im großen Kreis um den Galgen herum, wobei stetig der Kerwestrauß vom Einen an den Nächsten weiter gereicht wird. Nach wenigen Minuten erreicht das Feuer der Lunte die Schnur. Sie zerreißt. Das Gewicht reißt die Holzflasche nach unten und der letzte, der in diesem Augenblick den Kerwe-Strauß trägt, ist „Locke“, der neue Straußebub. Unter großem Jubel wird er auf die Schultern gehoben und den applaudierenden Zuschauern präsentiert.

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