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Schauen und mitmachen
Kinder machten große Augen

Die Kinder der Quierschieder Kindertagesstätten besuchten die Kelterei und lernten, wie Apfelsaft gemacht wird. Übrig blieb nach dem Pressen der Trester.
Die Kinder der Quierschieder Kindertagesstätten besuchten die Kelterei und lernten, wie Apfelsaft gemacht wird. Übrig blieb nach dem Pressen der Trester. FOTO: Iris Maria Maurer
Quierschied. In der Kelterei staunten Vorschüler, wie viel Arbeit selbst gepresster Apfelsaft macht. Von Anja Kernig

„Boah.“ Marc schiebt und schwitzt und drückt und bläst die Backen auf. Vor lauter Konzentration und Anstrengung. Tja, ohne Fleiß kein Preis – der in diesem Fall flüssiger Natur ist und aromatisch duftet. Die leicht trübe Flüssigkeit sickert aus der Saftrinne direkt in die Becher und anschließend in die Kehlen der kleinen Besucher aus der Katholischen Kita „Maria Himmelfahrt“: „Hmm, lecker.“ Wobei es nur so lange Nachschub gibt, wie oben jemand per Hebel und Mechanik die zerschnittenen Apfelstückchen zusammen presst. Zwei, drei Umdrehungen, dann streckt Marc die Waffen und übergibt an einen seiner Kollegen der Abc-Bande.



Es ist gute Tradition, dass die Quierschieder Kindergärten mit ihren Vorschulgruppen beim Keltern hospitieren dürfen. „Die Handpresse haben wir letztes Jahr eigens für die Kinder gekauft“, erzählt Theo Feldmann, Vorsitzender des gastgebenden Obst- und Gartenbauvereins Quierschied. Und es schwingt dabei ein bisschen Stolz mit. Tatsächlich hat die grauhaarige Brigade, die sich seit zehn Jahren in der von außen völlig unscheinbaren Kelterei um die Saftherstellung kümmert, allen Grund dazu. Die sechs Herren stellen ehrenamtlich erstklassigen, reinen Saft her, der auch ohne chemische Zusätze bis zu fünf Jahre gelagert werden kann. Möglich macht das der Umstieg von hygienisch immer etwas problematischen Glasflaschen auf sterile Fünf Liter-Kunststoffbeutel, die wiederum in Umkartons verpackt werden. „Wenn man die Kartons nach dem Anbruch mit der Öffnung nach unten lagert, hält sich der Saft drei Monate“, erklärt Josef Trenz.

Der 79-Jährige hat für die zweite von drei Kindergruppen soeben demonstriert, wie die Äpfel in die Waschwanne gelangen. Von dort aus befördert sie eine „Schnecke“ in den Häcksler, der sie zerkleinert. Dann wird gepresst, gefiltert, bei exakt 80 Grad pasteurisiert („Liegt die Temperatur darüber, ergebe es Viez.“) und abgefüllt. Bei dem eingespielten Team sitzt jeder Handgriff.

Seit 6 Uhr morgens sind sie hier schon am Schaffen. Was auch an der reichlichen Ernte liegt. 2017 sei ein „sehr gutes“ Apfeljahr, zumindest in unserer Region, merkt Feldmann an. Von einer Kiste Fallobst bis zu 16 Zentnern wie letzten Samstag sei mengenmäßig alles dabei. Um hier Apfelsaft machen zu lassen, nehmen die Menschen auch längere Wege auf sich, aus Ottweiler zum Beispiel oder St. Wendel. Der Grund? Im Unterschied zu anderen Keltereien erhält man in Quierschied garantiert den Saft aus den eigenen, angelieferten Äpfeln. Dafür müssen die wechselnden Behälter mit den Äpfeln während der ganzen Prozedur gekennzeichnet werden. Das ist zwar aufwändig, aber für Feldmann und sein Team Ehrensache.

Dennoch bildet da so ein Termin wie diesmal mit wissbegierigen, staunenden Dreikäsehochs eine willkommene Abwechslung. „Es geht auch darum, dass die Kinder ihren Sozialraum kennenlernen, wer was im Ort macht“, erläutert Betreuerin Ulli Schmidt. Wobei dieser Tag hier schon ganz besonderen Charakter habe: „Wo erlebt man sonst noch, wie Apfelsaft hergestellt wird.“

Wenn die letzte Gruppe durch ist, macht das Sextett Schluss für heute. „Dann müssen wir noch zwei Stunden reinigen“, stöhnt Trenz mit Augenzwinkern. Und Feldman freut sich schon auf das Wiedersehen mit den Minis irgendwann irgendwo auf der Straße. Dort wird er immer mal wieder angehalten und gefragt: „Onkel, wann dürfen wir wieder kommen?“

Am Samstag, 21. Oktober, besteht für dieses Jahr das letzte Mal die Möglichkeit, Äpfel zum Keltern in der Glashüttenstraße 7 abzugeben. Nähere Informationen gibt es bei Theo Feldmann unter Telefon (0 68 97) 6 30 71.