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SZ-Serie: Menschen im Regionalverband
Europameister – das ist die Krönung

 Kaninchenzüchter Karsten Schommer mit dem Loh-schwarz-Europameister und dessen Nachwuchs.
Kaninchenzüchter Karsten Schommer mit dem Loh-schwarz-Europameister und dessen Nachwuchs. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied/Friedrichsthal-Bildstock. Karsten Schommer aus Quierschied ist Kaninchenzüchter in vierter Generation. Mit außerordentlichem Erfolg. Von Michèle Hartmann

Es gibt Europameister, die in sehr bescheidenen Verhältnissen leben. Sie möchten nur genug und gut zu essen haben, ein hölzernes Ställchen als Unterkunft und einen Partner oder eine Partnerin für lauschige Stunden – damit auch alsbald Nachwuchs sich einstellt. Ein solcher Europameister wohnt auf dem Grundstück der Familie Schommer in Quierschied. Es ist ein Kaninchen der Rasse Loh schwarz. Ein Traum von einem Langohr, das vor drei Jahren für Furore sorgte. Da wurden gleich vier Tiere von Züchter Karsten Schommer in der französischen Stadt Metz von Preisrichtern aus der Schweiz, Deutschland und England bewertet: drei von ihnen mit der Note „vorzüglich“. Und eine Häsin wurde sogar Europa-Champion. Mehr geht nicht, mehr kann ein Kaninchenzüchter nicht erreichen. Denn Weltmeisterschaften gibt es nicht.


Das Prachtexemplar mit dem wunderschönen Fell und den charakteristischen Augenringen dient nach wie vor der Zucht. Und entgeht so natürlich auch der Bratpfanne. „Nachdem ich Europameister geworden bin, hätte ich all meine Loh schwarz loswerden können“, sagt Schommer. Doch daran ist ihm nicht gelegen. Ihm geht es um die Schönheit seiner Zuchttiere und die hierfür zu erfüllenden Kriterien. Thema Futter: Zu Gemüsepellets gesellen sich Heu, Gras und Möhren, gelegentlich auch ein Stück Brot, Gerste, Hafer. Und ein Schluck Sonnenblumenöl, das einem glänzenden Fell dienlich ist.

 Nach dreijähriger Schulung ist der Mann aus Quierschied nun auch Preisrichter und so bei zehn bis 15 Ausstellungen im Jahr in dieser Funktion auf saarländischem Boden zugegen. Da geht schon viel Zeit fürs Hobby drauf. Mit dabei sind aber auch seine Frau Sabine sowie die beiden Söhne Julian (18) und Fabian (12). Sie helfen auch mit, wenn alle zwei Wochen die Ställe der rund 80 Tiere ausgemistet werden. Arbeit, die halt dazugehört.



Heimisch ist die Familie Schommer im Kaninchenzuchtverein Bildstock. Wobei Vater Karsten, der sich vor 35 Jahren – in vierter Generation – der Zucht verschrieben hat, schon etliche Male Saarlandmeister und einmal auch südwestdeutscher Meister war. Und einige Vorstandsämter inne hat. Weil das Hobby insgesamt im Saarland rückläufig ist. Und damit seine Akteure  immer weniger werden. „Acht Kreisverbände mit rund 80 Vereinen gibt es noch“, sagt der 42-jährige Familienvater. Früher seien es bestimmt mehr als 140 gewesen. Es sei schwer, junge Leute für die Zucht zu begeistern, weil man sich jeden Tag um die Mümmelmänner kümmern müsse. Im Übrigen gelte Kaninchenmist seit wenigen Jahren als Sondermüll, was den Züchtern die Arbeit auch nicht eben erleichtere. „Glücklicherweise habe ich einen Bauern, der mir den Mist abnimmt“, sagt Karsten Schommer. Wertstoffhöfe würden das nicht mehr tun.

Beruflich ist der gelernte Industriekaufmann bei den Gemeindewerken vor Ort tätig. Handwerklich ist er offenbar auch begabt, gerade ist er mit dem Eindecken des Hausdaches fertig geworden. Mit seiner Frau spielt er Beach-Volleyball, in der Gemeinde bietet sich dieser Sport an, weil die ansprechende Willi-Meiser-Arena dazu einlädt. Nebst einer häuslichen Kartäuser-Katze gibt es im Quierschieder Garten noch Hahn und Hühner und Honigbienen, um das tierische Dasein zu komplettieren.

Und was ist das Schönste an der Kaninchenzucht? „Wenn die Jungtiere auf die Welt kommen und sich gesund und munter entwickeln“, sagt Karsten Schommer. Als wir ihn dieser Tage besuchten, war schon viel Nachwuchs in den Ställchen zu bewundern. Und, was soll man sagen: ein langohriges Kind schöner als das andere.