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Ideen, Tatkraft, Vielfalt

Blick in die Marienstraße. Foto: Thomas Seeber
Blick in die Marienstraße. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Um Kunden anzulocken, müssen sich Ladeninhaber etwas einfallen lassen. Am Beispiel der Marienstraße in Quierschied wird deutlich, dass innovatives Tun dazu beitragen kann. Eine Ortsbesichtigung. Patric Cordier

Vor über 80 Jahren wurde Otto Thome in der Marienstraße in Quierschied geboren. Heute kämpft der Hausbesitzer und Unternehmer für die Einkaufsmeile im Herzen der Gemeinde. "Dass die Verhältnisse nicht mehr so werden wie vor Jahrzehnten, ist uns allen klar", sagt der umtriebige Quierschieder, "aber wir müssen das bewahren und wenn möglich ausbauen, was da ist. Jedes belebte Schaufenster sorgt dafür, dass wieder mehr Menschen ins Dorf kommen." Zumindest ein Schaufenster ist schon seit 1976 immer ein Hingucker - das des Modegeschäfts von Helga Diehl . "Damals habe ich hier einen Jeansladen eröffnet. Es reichte, einen Lastwagen voller Jeans und einen Lastwagen voller Parka zu ordern. Die Kunden kamen", erinnert sich die 72-jährige Inhaberin. Das genügt aber schon lange nicht mehr. "Man muss sich den Wünschen der Kundschaft anpassen, darauf eingehen und immer irgendetwas Besonderes anbieten", verrät Helga Diehl das Geheimnis ihres Geschäftserfolges, "mittlerweile kaufe ich jede Woche neue Ware. Oft exklusive Einzelstücke, höchstens aber drei Teile in verschiedenen Größen. Da begegnet einem die Bluse nicht gleich an der nächsten Ecke."

Für den Sommer hat Helga Diehl eine weitere Modenschau geplant, früher gab es derartige Veranstaltungen mehrmals im Jahr. Der neue Veranstaltungsort wird dementsprechend noch hergerichtet. Denn im Thome-Event-Haus soll ein Straßenkaffee entstehen. "Die Pläne sind von der Unteren Bauaufsicht schon abgesegnet", sagt Brigitte Herrmann, die im Mai 2013 die ehemalige Kult-Diskothek zu neuem Leben erweckt hat. "Ich hatte zuvor Jahre eine Lokalität gesucht, um meinen Traum vom eigenen Tanzkaffee zu verwirklichen. Dass dann das berühmte Thome zu Verfügung stand, war ein Glücksfall." Nun soll ein richtiges Kaffee das Angebot abrunden. "Wir haben schon verschiedene Bäckereien ausprobiert, aber es wird auch Selbstgebackenes geben", verspricht die gelernte Hotelfachfrau, "geplant ist auch eine Außenbestuhlung im unteren Bereich des Triebener Platzes."

Seit 1994 arbeitet Nicole Spaniol im Eiskaffee in der Marienstraße. Jetzt hat sie mit einer eigenen Geschäftsidee den Weg in die Selbstständigkeit gewagt. "Bei uns gibt es Second-Hand-Ware, Gebrauchtes aber auch Neues", erzählt die 36-Jährige und nennt Beispiele des Neuwarensortiments: "Es gibt Uhren, Schmuck, Taschen, Glückwunschkarten, Schuhe oder Geschenkartikel." Ganz neu ist die Idee der "Regal-Flohmärkte". Nicole Spaniol erklärt: "Dabei kann man für vier Wochen ein Regal mieten und mit seinen Waren bestücken." Der Vorteil ist, dass das Warenangebot im Laden sich ständig verändert. Nicole Spaniol hat die Regalmiete, die Verkäufer den Gewinn, die Kunden ein breites Angebotsspektrum - ein Nutzen für alle. "Man braucht Ideen, Tatkraft und Vielfältigkeit", sagt Otto Thome und glaubt an die Zukunft der Marienstraße: "Ich weiß, dass die Menschen honorieren, wenn wir sie gut bedienen. Wenn unser Angebot stimmt, kommen die Menschen nach Quierschied - auch von außerhalb."