Göttelborns Schönheit entdecken

Ist gar nicht so schlimm hier, wenn nicht sogar schön – „die Architekten“ der HTW sehen ihre Ausweichunterkunft in Göttelborn in mildem Licht. An Schwächen des Standortes soll noch gefeilt werden.

Als erstmals verkündet wurde, dass der Architektur-Studiengang der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) vorübergehend vom Saarbrücker Stadtrand (Waldhausweg/Rotenbühl) nach Quierschied-Göttelborn auf das ehemalige Bergbau-Gelände ausgelagert würde, waren Empörung und Enttäuschung zu hören - gar von "Abschiebung" war die Rede, nicht wenige kamen sich ungerechtfertigt schlecht behandelt vor. Nicht nur das Gefühl, den Sitz in einer Metropole zu verlieren, bereitete Unbehagen. Vor allem Studenten ohne Auto, die zur Finanzierung ihrer Ausbildung in der Stadt jobben, fürchteten Zeit- und Geldverluste durch fehlende Anbindung ans Nahverkehrsnetz. Allein, alles Klagen half nicht. Weil das neue HTW-Hochhaus an der Autobahn in Alt-Saarbrücken nicht bezugsfertig ist, der Architektur-Studiengang aber Platz und neue Räume brauchte, kam nur dieses eine Ausweichquartier in Betracht. Fünf Jahre soll es die knapp 300 Studenten und ihre Lehrer aufnehmen.

Seit sechs Wochen läuft nun der Vorlesungsbetrieb , und am Montag schaute Ministerpräsidentin und Wissenschaftsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) zu einem Informationsbesuch vorbei. Ihr Anliegen: "Mal einen Überblick verschaffen, was funktioniert und wo es noch besser werden kann, wo nachjustiert werden muss." Wichtigste Erkenntnis nach Gesprächen mit Studenten und Mitarbeitern: "Die Architekten" haben sich mit ihrem Ausbildungsort weitgehend arrangiert, sie machen, wie man so schön sagt, das Beste aus der Situation.

Schon kommt sogar so etwas wie erste Zuneigung auf. Dekan Prof. Gudrun Djouahra brachte es auf den Punkt, als sie davon sprach, dass "die Schönheit des Ortes" gerade entdeckt werde. Diese Schönheit und besondere Atmosphäre des weiten industriekulturellen Areals sei in der vorangegangenen Standort-Diskussion oft außer Acht gelassen worden. Man finde hier "einen tollen Lern- und Arbeitsort vor". Auch die Räume können so schlecht nicht sein. Prof. Wolrad Rommel, der HTW-Rektor, sprach von "den schönsten, die die HTW Saar derzeit hat" - man werde sie auch für fächerübergreifende Veranstaltungen nutzen.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (rechts) ließ sich gestern die neue Unterkunft erklären.

Auf der Negativseite bleibt die trotz Bus-Shuttle und Fahrplanoptimierung schlechte Erreichbarkeit des Campus von Saarbrücken aus. Studenten , die auch abends und nachts arbeiten, vermissen Behaglichkeit und Aufgehobensein unter jungen Leuten. Auch bei Getränkeangebot und Mensa muss wohl nachgebessert werden. Prodekan Prof. Ulrich Pantle wollte aber keinen großen Akt daraus machen: "Improvisation ist eine unserer Kernkompetenzen." Dennoch heißt das Ziel: in fünf Jahren nach Alt-Saarbrücken.