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Gesungene Erinnerungen, die begeistern

Mehr als 400 Zuhörer hatten die Evergreens im Park Am Eisengraben. Foto: Thomas Seeber
Mehr als 400 Zuhörer hatten die Evergreens im Park Am Eisengraben. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Wenn Drafi Deutscher auf Wolfgang Petry trifft, dann ist Oldie-Time – so wie am vergangenen Samstagabend im Park in der Quierschieder Gemeindemitte. Damit landeten die Veranstalter einen Volltreffer beim Publikum. Jörg Martin

Samstagabend, 21.45 Uhr in der Ortsmitte von Quierschied : Im Park Am Eisengraben ist mächtig was los. Menschen sitzen unter den in buntes Licht gehauchten Kastanienbäumen und blicken zur Bühne. Dort hat soeben die Gruppe "Evergreens" den Klassiker "Marmor, Stein und Eisen bricht" angestimmt. Einer der Sänger , Helmut Fuchs, nimmt Bezug zu seiner eigenen Vergangenheit. Das Lied stamme aus einer Zeit, als er selbst noch mehr Haare gehabt habe. Die meisten Zuhörer vermitteln Textsicherheit, grölen spätestens beim Refrain zu den Zeilen von Drafi Deutscher. Wir sind bei "Schlager unter Bäumen", einer Freiluftveranstaltung von Gemeinde, Bücherei und Volkshochschule.


Zurück zu den Besuchern. Die tanzen oder wippen auch. Es hat den Anschein, dass da etwas angeboten wurde, worauf viele seit Langem gewartet haben. Auch scheinen die vier Quierschieder Sänger , mit ihrem Repertoire den Nerv der Zuhörer getroffen zu haben, zumal Musik für die Generation 50plus in der Öffentlichkeit heutzutage selten ist. "Wahnsinn, warum schickst Du mich in die Hölle?" - es ist selbstredend, dass der Wolfgang-Petry-Song mit einem lauten "Hölle, Hölle, Hölle" vielstimmig begleitet wird. Damit nicht genug. Die Stimmung überschlägt sich regelrecht. Auf den Tischen wird mit den Flaschen im Takt geklopft. Klatschen ist ohnehin Pflicht. Tanzen im Sitzen gar die Kür.

Blickte man in Richtung Bühne, so konnte man den Koffer auf der Lautsprecherbox nicht übersehen. "Evergreens", der Name der Gruppe, war darauf zu lesen. In ein solches Gepäckstück bekommt man viele verschiedene Dinge hinein. Indirekt ein Koffer voller Erinnerungen. So vielfältig wie die Titel, die in den gut drei Stunden zu hören waren. Denn die meisten Lieder waren ein Hit, als die Besucher gerade in ihrer Sturm- und Drangphase gewesen sein dürften. Spaziergänger, teilweise mit ihren Vierbeinern, kommen aus Richtung Berg über dem Parkgelände vorbei und bleiben interessiert stehen. Seitlich auf der Wiese scheint ein Stimmungszentrum zu sein. Eine Frau hat ein rotes, sternenförmiges Blinklicht auf dem Kopf und tanzt wie wild mit. Direkt neben ihr tanzen drei Pärchen auf dem Rasen. Auf der Tanzfläche ist ein weiteres Paar gerade noch alleine. Nicht lange, denn wenige Sekunden später stoßen im Open-Air-Tanzcafé weitere Gruppierungen dazu. Auch auf Weg neben dem Park rechts in Richtung Feuerwehrgerätehaus schicken eine Frau und ein Mann sich gerade an, Figuren zu tanzen. "Jetzt haben wir ein besonderes Lied. Es passt zu diesem Abend", hat Moderator Fuchs soeben angekündigt. "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen, welches mit einem langen "Aaaaahhh" vom Publikum goutiert wurde, ist nicht, das, womit man vorab gerechnet hat. Doch "Evergreens" sind mit ihrem Programm nicht auf die Vergangenheit beschränkt.



"Es sind über 400 Leute hier", freute sich Annette Bost, die Leiterin der Gemeindebücherei, im SZ-Gespräch, während soeben "Poor Lady" von den Lords ertönt. Da kann auch die Bücherei-Chefin sich nicht mehr bremsen und tanzt eifrig. Der Song erschien 1965. "Gut, das besondere Timbre eines Henry Valentino schaffen die beiden Herren bei "Im Wagen vor mir" nicht. Aber wo können sie das Lied denn heute noch überhaupt hören?", meinte Gerd Sandmeyer aus Sulzbach. Sie glauben, Foxtrott auf "Willenlos" von Alt-Rocker Marius Müller-Westernhagen zu tanzen, ginge nicht? Da liegen Sie aber so was daneben. Wären Sie mal am Samstagabend nur in Quierschied gewesen.