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Gemeindemitglieder folgen Kirchenglocken

Gemeindemitglieder folgen Kirchenglocken

Der evangelische Gottesdienst in Fischbach fällt am kommenden Sonntag, 5. Oktober, aus. Dies teilt die evangelische Kirchengemeinde Fischbach-Quierschied mit. Der Grund dafür ist, dass eine 30-köpfige Delegation der Kirchengemeinde nach Prag fährt.

In Prag , genauer gesagt im Turm der evangelischen Salvatorkirche, hängen seit einigen Wochen die Glocken der ehemaligen Kirche in Quierschied . Diese nehmen dort am kommenden Sonntag ihren Dienst auf - pünktlich zu den Feierlichkeiten anlässlich des 400-jährigen Bestehens des tschechischen Gotteshauses. Eine Delegation aus Quierschied reist bereits an diesem Freitag dorthin und bleibt bis zum Sonntag, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen.

Zum 400. Jahrestag der Einweihung der Salvatorkirche veranstaltet die evangelische Salvatorgemeinde gemeinsam mit Nachkommen böhmischer Exilanten, die Mitte des 17. Jahrhunderts in Dresden Zuflucht fanden, umfangreiche Feierlichkeiten in der Prager Altstadt. Innerhalb eines Gottesdienstes weiht die Salvatorgemeinde zu Prag am Sonntag auch ihre "neuen" Glocken ein. Diese wurden im April aus der ehemaligen Kirche in Quierschied entnommen und im Anschluss direkt nach Prag gefahren. Weniger als 30 Minuten dauerte es seinerzeit, bis die vier Glocken vom Turm mittels Kran in den Transporter geladen wurden. Die größte der Glocken, die bei Sterbefällen geläutet wurde, wiegt 610, die kleinste 205 Kilogramm; sie wurde bei Taufen eingesetzt.

Die Salvatorkirche, direkt in der Altstadt gelegen, gilt als die größte der evangelischen Kirchen in der tschechischen Hauptstadt. Zwischen 1611 und 1614 wurde sie von deutschsprachigen Lutheranern aus Prag erbaut. Ermöglicht wurde dies vor allem durch Förderungen durch den englischen König Jakob, Adel, Universitäten und private Spender aus den Reihen der Gemeindemitglieder. Graf Joachim Andreas von Schlick stellte der Gemeinde das Grundstück zur Verfügung. Das Gotteshaus ging in den Besitz des Paulanerordens über. Dessen Mitglieder funktionierten die Kirche mit der benachbarten Schule zum Kloster um.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde es unter der Herrschaft des österreichischen Kaisers und böhmischen Königs Josef II. aufgelöst.

Prager Lutheraner des Augsburgischen Bekenntnisses richteten das heruntergekommene Gebäude 1863 wieder her, um darin ihre Gottesdienste zu feiern. Die neu gegründete Salvatorgemeinde ließ 1911 den Turm rekonstruieren und mit drei Glocken versehen. Diese wurden jedoch im Ersten Weltkrieg von der K.u.K-Armee zu Rüstungszwecken und zur Einschmelzung konfisziert. Nach Kriegsende sah die Gemeinde vom Erwerb neuer Glocken ab. Vorrang erhielt die Rekonstruktion der Orgel, welche die Bautzener Orgelbaufirma Hermann Eule im Jahre 2011 abschloss.