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Gemeinde Quierschied knapst unter den stiegenden Aus- und Abgaben

Haushalt : Quierschied setzt auf Effektivität

Die Gemeinde schlägt sich nach parteiübergreifender Meinung bei der Konsolidierung der Finanzen wacker, ächzt aber unter den steigenden Ausgaben.

Zwar weist der Haushalt der Gemeinde Quierschied auch im laufenden Jahr ein geplantes Defizit von gut 500 000 Euro aus (die Saarbrücker Zeitung berichtete), doch selbst die größten Kritiker sehen die positive Entwicklung der vergangenen Jahre. „Der Fehlbetrag wäre deutlich geringer, wenn nicht beispielsweise die zusätzlichen Kosten für den öffentlichen Personennahverkehr dazu gekommen wären“, lobte Peter Wachs von den Freien Wählern das aktuelle Zahlenwerk. Gerade seine Fraktion hatte in der Vergangenheit mehr Sparbemühungen gefordert – meist allerdings ohne Alternativvorschläge. Trotzdem lobt Wachs: „Der Bürgermeister hat es bislang immer geschafft, besser zu wirtschaften, als im Jahresergebnis geplant. Darauf hoffen wir auch diesmal.“

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie die anhaltende Niedrigzinsphase helfen bei der Konsolidierung der Gemeindefinanzen. Gleiches erhofft man sich vom neuen Saarlandpakt. Dennoch ist ein Blick auf die Zahlen der letzten zehn Jahre aufschlussreich: Im Zeitraum zwischen 2011 und 2015 musste Quierschied über 30 Millionen Euro für Personal und fast 33 Millionen Euro an Regionalverbandsumlage zahlen. Der Jahresfehlbetrag summierte sich in dieser Zeit auf über 16 Millionen Euro. In den folgenden fünf Jahren von 2016 bis heute sind die Ausgaben weiter gestiegen. Über 36 Millionen fließen in Personal, fast 39 Millionen an den Regionalverband. Und dennoch ist das Defizit auf 4,7 Millionen Euro geschrumpft. „Wir haben nicht einfach nur gespart und diese Verbesserungen erreicht, sondern haben es geschafft, nahezu alle Maßnahmen, die wir geplant haben, auch umzusetzen“, sagt der parteilose Bürgermeister Lutz Maurer, „wir hatten für das Jahr 2020 sogar ein positives Ergebnis in greifbarer Nähe.“ Aber neben Regionalverband und ÖPNV zählt Maurer weitere Belastungen für die Kommune auf, beispielsweise das „Gute Kita-Gesetz“ der Bundesregierung. „Es ist natürlich positiv, dass Familien entlastet werden. Aber die Kosten für die Reduzierung der Elternbeiträge für Geschwisterkinder verbleibt bei den Kommunen.“ Der Saarlandpakt hat Quierschied von 22,87 Millionen Euro Altschulden entlastet. Aber: Die Gemeinde muss in den nächsten 45 Jahren über 620 000 Euro jährlich aufbringen, um ihren Anteil der Altlasten abzutragen. „Die Leitplanken für die Kommunen werden also enger“, sagt Maurer, „wir müssen so effektiv wie möglich sein.“ In den vergangenen fünf Jahren scheint das in Quierschied zumindest gelungen, dennoch können wohl nur mit einer spürbaren Unterstützung des Bundes die Gestaltungsspielräume auch für die kommende Generation vergrößert werden.